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Lernen mit Lernleitern

Buchstabenberge erfolgreich besteigen

Wörter erscheinen Schulanfängern oft wie ein unüberschaubarer Berg von Buchstaben. Mit Lernleitern wird ihre Besteigung zur Abenteuerreise. Gemeinsam machen sich die Schüler auf den Weg, um das Reich des Lesens und Schreibens zu entdecken.

Lernen mit Lernleitern: Buchstabenberge erfolgreich besteigen Ein schön gestalteter Buchstabenhügel mit einer Übersicht über die Milestones © Ulrike Lichtinger

Die sechsjährigen Zwillinge Mia und Leo sollen Lesen lernen. Sie haben ein bisschen Angst, denn vor ihnen liegt eine unübersichtliche Landschaft mit hohen Buchstabenbergen. Doch ihr Großvater hilft: Er nimmt die beiden mit auf eine spannende und erlebnisreiche Reise. 

Die Buchstabenberge aus den Lernlandschaften Deutsch für die Primarstufe (Lichtinger, Ulrike / Höldrich, Antonie et al.: Buchstabenberge. Regensburg 2016) bieten Schulanfängern ein lernseitiges Angebot zum Lesen und Schreiben. Individuelles und gemeinsames Lernen orientiert sich an einer sogenannten Themenlernleiter im Lernsystem Le.Ple.fE nach Lichtinger/Höldrich. Le steht dabei für das Element der Lernleitern, Ple für Plenumsrunden und fE für freie Elemente (Lichtinger, Ulrike, in Vorb.: Lernsystem Le.Ple.fE – Praxisbuch. Regensburg 2017).  

Für die Kinder werden die Buchstabenberge durch die Rahmenerzählung von Mia und Leo lebendig. Mit ihnen gehen sie auf die Abenteuerreise des Lesen- und Schreibenlernens. Zum Aufbruch entdecken die Schüler während einer feierlich gestalteten Plenumsrunde (Impulse dazu unter www.iffl-regensburg.de) eine Lernlandkarte. Sie führt zu nützlichem Proviant für die große Reise, u. a. einer Anlauttabelle sowie einem Lerntagebuch. 

Reise ins Schloss der Wortarten

Erstes großes Ziel ist die Besteigung der 36 Buchstabenberge, die auch dem Opa schon geholfen haben, aktiv, bedeutsam und freudvoll lesen und schreiben zu lernen. Anschließend wandern die Reisenden weiter ins Schloss der Wortarten und auf die Lesewiesen. Gemeinsam machen sich alle Schüler auf den durchaus mühevollen und anstrengenden Weg. Sie erklimmen die sogenannten Vokalhügel, gehen über zu den Einzelbergen, bevor sie schließlich ganze Bergketten erreichen. 

Im Vorangehen erarbeiten sich die Kinder Buchstabenberg um Buchstabenberg und gelangen so ins Reich des Schreibens und Lesens. Hinter jedem Buchstaben(berg) steckt ein Milestone, der nach einer einführenden Geschichte auf MP3 Aktivitäten zum multisensorischen Erschließen des jeweiligen Graphems und Phonems bereitstellt. Anschließend beginnen die Schüler mit den Schreib- und Leseaktivitäten. Die Aktivitäten sind dabei nicht neu, sondern werden als kleine Angebote zum Entdecken und handelnden Lernen über die entsprechenden Strukturen zur Verfügung gestellt.

Evaluation verhindert Lücken

Am Ende jedes Milestones, also 36 Mal, steht immer eine Evaluation, die das Kompetenzniveau des Kindes in den verschiedenen Lernbereichen engmaschig diagnostiziert. Dies verhindert den Aufbau von Lücken, da auf dieser Grundlage die Lehrperson entweder über geeignete Fördermaßnahmen oder ein Weiterziehen zum nächsten Buchstaben entscheidet. 

Zentral für Motivation und Selbststeuerung der Kinder sind neben der Rahmengeschichte als inhaltlichem Anker die freudvollen, sinnstiftenden Aktivitätsangebote sowie die liebevoll gestalteten Milestoneübersichten zum Kolorieren und eigenen Dokumentieren des Lernweges und des Lernfortschritts. Das Bildungsangebot ist holistisch, es werden die Zielsetzungen und Inhaltsanforderungen des Schriftspracherwerbs berücksichtig. Zudem können zentrale Kompetenzen mit allen Sinnen, performativ, grob- und feinmotorisch unter Berücksichtigung beider Gehirnhälften und der multiplen Intelligenzen eingeübt werden. 

Schritt für Schritt vorankommen

Das Angebot führt die Kinder schrittweise über die Prozesssteuerung durch die Lernleiter der Buchstabenberge. Es verweist auf das Material und die Aktivität und leitet in eine Sozialform und einen dafür vorgesehenen Lernort im Raum. Eine Großübersicht der Buchstabenberge an der Wand visualisiert die Lernprozesse. Ein Foto jedes Schülers wandert dabei von Berg zu Berg: Gemeinsam mit dem Lehrer wird es nach Erreichen des nächsten Buchstabens weitergezogen. Dies gibt den Kindern ein Gefühl des Vorankommens und dient der Lehrkraft als schnelles Instrument zur Lernstandsdiagnose. Über die Lernleiter kann sie zu jeder Zeit erkennen, bei welchem Buchstaben sich welches Kind gerade befindet. 

Lernen in den Buchstabenbergen ist individuell und gleichzeitig. Die Kinder lernen ko-konstruktiv in kooperativen Lernformen. Dabei spielt auch das dialogische Miteinander eine große Rolle. Die Lernangebote sind rhythmisiert und ritualisiert, zeitlich flexibel und strukturell absichernd. Sie erfüllen einen hohen Qualitätsanspruch und orientieren sich an den Aktivitätskriterien von Le.Ple.fE (sinnstiftend, bedeutsam und freudvoll). Neben der Variante für Regelschulklassen existieren die Buchstabenberge auch in einer Version für Übergangs- bzw. Willkommensklassen der Primarstufe sowie in einer Variante für die Sekundarstufe. 

Anerkennen von individuellen Lern- und Lebenssituationen

Aktivitäten und Rahmen wurden an die besonderen Bedürfnisse für Lerner mit Deutsch als Zweitsprache sowie für die Jugendlichen auch auf deren Altersstufe angepasst. Mit dem Arrangement werden alle pädagogischen und didaktischen Ansprüche zeitgleich berücksichtigt — von der gestalteten Lernumgebung, den Unterrichtsplanungsschritten und den Sozialformen über Lernstandsevaluation und Förderung bis hin zur Atmosphäre der Wertschätzung in Reflexion, Feedback, Ritualen und Feiern. Diese finden in regelmäßigen Plenumsrunden zu Beginn der Lernleiterarbeit oder als Phasen-, Tages- bzw. Wochenabschluss statt.

Über Le.Ple.fE werden die Einmaligkeit schulischer Lern- und Lebenssituationen anerkannt, jeder Lerner als einzigartig gewürdigt und die Lehrkraft befähigt, diese lernseitig orientierte Unterrichtssituation zu gestalten. Nach ihren Erfahrungen mit Lernleitern befragt, sehen schon Erstklasskinder vor allem das Moment der Selbststeuerung als wichtigen Modus ihres Lernens. Elisabeth schreibt: „Bei Lernleiterzeit kann man arbeiten wie schnell mann will wenn mann es nicht versteht kann man zur Lehrerin oder Lehrer gehen bis man es verstanden hat. Bei normalen Unterricht schreibt man es einfach von der Tafel ab, obwohl man es gar nicht verstanden hat.“ (Höldrich, Antonie: MGML-Methodology. Kinderstimmen. Regensburg 2016.)

Ulrike Lichtinger

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