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Lerntheke

Längenmaße von der Lerntheke

Wie lang ist ein Meter? Wie groß ist mein Fuß? Was der eine Grundschüler schnell versteht, macht dem anderen Probleme. An der Lerntheke findet jeder passende Aufgaben zum Üben. Das Wichtigste für den Lehrer: eine gründliche Planung, die das unterschiedliche Leistungsniveau berücksichtigt.

Lerntheke: Längenmaße von der Lerntheke An der Lerntheke können sich die Schüler auf unterschiedliche Weise mit Längenmaßen befassen © Aleksandr Kuznecov - stock.adobe.com

Eine Lerntheke eignet sich für alle heterogenen Lerngruppen. Wir setzten sie in einer dritten Klasse ein, um Längenmaße zu erschließen. Die Klasse besteht aus 21 Schülern, 9 Mädchen und 12 Jungen. Ungefähr drei Viertel von ihnen haben eine andere Erstsprache als Deutsch. Zur Klasse gehört ein Junge mit intensivem heilpädagogischem Förderbedarf, der im Rahmen der integrativen Schulung seinen Möglichkeiten entsprechend am Regelunterricht teilnimmt. Die Lerntheke wurde über einen Zeitraum von drei Wochen durchgeführt, wobei in jeder Woche vier Lektionen à 45 Minuten zur Verfügung standen. Eine der Lektionen fiel jedoch aufgrund einer außerschulischen Aktivität aus. 

Lernprozess so wichtig wie das Ergebnis 

Das Einlesen in die Fachliteratur ist wichtiger Bestandteil der Planung und Durchführung einer Lerntheke. Bei der Literatursichtung konnten folgende Punkte in Bezug auf Lerntheken im Besonderen respektive Lehr-Lern-Umgebungen im Allgemeinen herausgearbeitet werden (in Anlehnung an Hirt, Ueli, Wälti, Beat: Lernumgebungen im Mathematikunterricht. Natürliche Differenzierung für Rechenschwache bis Hochbegabte. 4. Auflage, Seelze 2014):

  • Lernumgebungen bieten Voraussetzungen für eine natürliche Differenzierung.
  • Alle Lernenden sind in der Zone ihrer jeweiligen proximalen Entwicklung mathematisch tätig.
  • Dem Reflektieren wird ein hoher Stellenwert zugemessen.
  • Bestenfalls enthalten Lernumgebungen die drei Elemente des EIS-Prinzips (enaktiv, ikonisch, symbolisch).
  • Der Fokus liegt nicht zwingend auf der Ergebnisbeurteilung, sondern auf der Prozessbeurteilung.

Lernziele bestimmen die Planung

Literatur zum Thema

Nachstehende Literatur kann aus Sicht der Autorin wertvolle Hinweise liefern, wie Lehr-Lern-Umgebungen (im Fach Mathematik) sinnvoll umgesetzt werden können. Ebenfalls aufgeführt sind einige Grundlagenwerke, die sich mit Lehren und Lernen im Allgemeinen und mit Mathematikdidaktik (in Hinblick auf die dritte Klasse) im Besonderen befassen.

Bettner, Marco: Lernkontrollen Mathematik — 3./4. Klasse. Hamburg 2017

Moser Opitz, Elisabeth / Schmassmann, Margret: Heilpädagogischer Kommentar zum Schweizer Zahlenbuch 3. Zug. Stuttgart 2008

Scherer, Petra / Moser Opitz, Elisabeth: Fördern im Mathematikunterricht der Primarstufe. Heidelberg 2010

Bei der Planung wurde das Pferd von hinten aufgezäumt und die Lernziele wurden zuerst definiert, die die Lernenden im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten erreichen sollen. Folgende Lernziele wurden festgelegt:

  • Die Lernenden kennen wichtige Referenzgrößen für den Umgang mit Metern (m), Zentimetern (cm) und Millimetern (mm). 
  • Die Lernenden kennen die Größenbeziehungen zwischen Meter (m), Zentimeter (cm) sowie Millimeter (mm) und können diese Größen (mathematisch) zueinander in Beziehung setzen. 
  • Die Schüler sind in der Lage, sich mit dem Gelernten reflexiv auseinanderzusetzen.

Weiter legten wir während der Planungsphase fest, in welchem zeitlichen Rahmen die Schüler an der Lerntheke arbeiten und wie die individuellen Leistungsstände berücksichtigt werden sollten. Die Lerntheke besteht aus 32 Karteikarten mit offenen Arbeitsaufträgen wie beispielsweise das Schätzen und dann Messen der Länge des eigenen Fusses und der eigenen Hand oder das Ordnen von Büromaterialien der Länge nach für die gesamte Klasse sowie einem Arbeitsheft und einem Reflexionsheft für jedes Kind der Klasse.

Lehrer als Lernbegleiter

Bei der Umsetzung von Lerntheken sollten Sie berücksichtigen, dass der Hauptaufwand nicht unbedingt während der Durchführungsphase, sondern eher während der Planungsphase zu verorten ist. Je nach Zusammensetzung und Erfahrung der Lerngruppe ist ebenfalls zu bedenken, dass die Reflexionsphase der Lernenden gerade zu Beginn sehr engmaschig begleitet werden muss und so häufig mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man auf den ersten Blick meinen möchte. 

Erfahrungsgemäß neigen gerade selbstunsichere Schüler dazu, den Arbeitsprozess als außerordentlich gelungen zu bewerten, aus Sorge darüber, dass das Eingestehen gewisser Schwierigkeiten sich negativ auf das Bild auswirken könnte, das die Lehrperson von ihnen hat. Hier ist es zentral, diese Befürchtungen explizit zu machen und sie entsprechend aufzufangen. Während der Durchführung kommt den anwesenden Lehrpersonen allgemein eher die Rolle der Lernbegleitung zu. Die Selbstständigkeit der Lernenden und die Übernahme der Verantwortung  für das eigene Lernen soll dadurch gefördert werden. 

Reflexion liefert wertvolle Impulse

Nach Abschluss der Lerntheke sollte Zeit eingeplant werden, um die Durchführung entweder für sich allein oder aber im Unterrichtsteam zu reflektieren. Gerade wenn solche Unterrichtsformen noch nicht lange praktiziert werden, können durch die gründliche Reflexion wertvolle Impulse für kommende Durchführungen gewonnen werden. Wie immer gilt auch hier: Nicht nur die Schüler lernen (im besten Fall) durch den Unterricht dazu. Und gerade bei Lehr-Lern-Umgebung bieten sich vielfältige Lerngelegenheiten, die sich entweder am vorgegebenen Thema orientieren — oder auch nicht. In diesem Zusammenhang hält Bühler-Garcia  (Bühler-Garcia, Georg: Gemeinsam für Vielfalt. Bern 2017) fest: „Eine Lehr-Lern-Umgebung beginnt meines Erachtens spätestens dann, wenn ein Kind den Schulhof betritt.“

Chantal Daniela Horst

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