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LRS

LRS — eine Schwäche mit vielen Gesichtern

Die LRS kann viele Ursachen haben, und sie äußert sich bei jedem LRS-Schüler anders. Entsprechend individuell muss jeder Schüler gefördert werden: mit den richtigen Anforderungen, geeignetem Material und viel Wertschätzung.

LRS: LRS — eine Schwäche mit vielen Gesichtern Buchstabensalat im Hirn — das macht das Lesen- und Schreibenlernen für die betroffenen Schüler zum Problem © carlacastagno - Fotolia.com

„Schreibt man Krone mit G oder K?“, fragt Anne ihre Lehrerin in der Förderstunde. Sie verwechselt immer seltener den Anlaut von Wörtern und macht Fortschritte in der Rechtschreibung. Auch das Lesen fällt ihr durch silbengegliederte große Wörter leichter. Bei Arbeitsaufträgen hat sie durch den Nachteilsausgleich mehr Zeit und erzielt so bessere Ergebnisse. Das motiviert sie zur Mitarbeit in der zusätzlichen Förderstunde. Aufgrund ihres stockenden Lesens und der Skelettschreibweise wollte sie am Anfang der 2. Klasse  nicht mehr lesen und schreiben. Sie bekam sogar Bauchschmerzen, die auch auf ihre unzureichenden Leistungen im Lesen und Schreiben zurückzuführen waren.

Nach Gesprächen der Deutschlehrerin mit ihren Eltern wurde sie schließlich aus der Leistungsbewertung im Lesen und Rechtschreiben herausgenommen und in der Schule sowie außerschulisch gefördert. Seither ist sie wieder bei der Sache, leiht sich selbstständig Bücher aus der Bücherei und schreibt Briefe an ihre Freundinnen. Durch die Mitteilung an ihre Mitschüler, dass Anne etwas mehr Zeit zum Schreiben und Lesen benötigt und Fehler ihr beim Richtigschreiben helfen, hat sie ihr Selbstvertrauen zurückgewonnen und wird von ihren Mitschülern hilfsbereit unterstützt.

Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche kann viele Ursachen haben

Wie Anne geht es vielen LRS-Schülern in der Grundschule. Es dauert Monate bis ihre Lernschwierigkeiten einen Namen haben, bis Unterstützung und Hilfe ansetzen. Die Ursachen zur Entwicklung einer Lese- und/oder Rechtschreibschwäche sind vielfältig. Sie kann in der Begabung des Kindes ebenso begründet sein wie in körperlichen Defiziten in Form einer Hör- oder Sehverarbeitung. Außerdem spielen äußere Einflüsse wie Schule und Elternhaus eine Rolle.

Kommen Schüler aus einem wenig zum Lesen und Schreiben anregenden Elternhaus, haben sie sogar eine andere Muttersprache, beeinflusst das den Lese- und Schreibprozess. Auch die Kompetenz der Lehrerin bezüglich der Didaktik des Schriftspracherwerbs sowie die Klassengröße spielen eine Rolle. Wenn noch emotionaler Stress des Kindes durch Scheidung, Krankheit oder Tod in der Familie dazu kommt, sind die Bedingungen für den Schulerfolg noch ungünstiger. Oftmals kommen auch verschiedene Faktoren zusammen. Dabei hat jedes Kind Schwächen. Im Lesen und Schreiben sind diese nur so essentiell, dass sie größere schulische Schwierigkeiten bereiten als für ein unsportliches oder unmusikalisches Kind. Wichtig ist die Tatsache, dass die Schwäche keine Behinderung oder Krankheit ist und die Schuld nicht beim Kind liegt.

Wie man eine Lese- Rechtschreib-Schwäche erkennen kann

Von einer Lese- und Rechtschreibschwäche spricht man, wenn Schüler über einen längeren Zeitraum viele Fehler machen. Fehler sind am Anfang des Schriftspracherwerbs normal und kein Zeichen für Beunruhigung. Bleiben allerdings Fortschritte über einen längeren Zeitraum aus, so ist eine Schwäche denkbar. Obwohl es keine typischen LRS-Fehler gibt, häufen sich bestimmte Anzeichen. Beispielsweise sind optische oder akustische Lautverwechslungen, das Verwechseln der Buchstabenreihenfolge oder Skelettschreibweise mit Auslassung verschiedener Buchstaben im Wort ein Zeichen für eine Rechtschreibschwäche. Stockendes Lesen ohne den Sinn zu erfassen und stures Weiterlesen, auch wenn die Worte nicht identifiziert werden, sowie Unsicherheiten in phonologischer Bewusstheit bei Reimen, Silbenbildung, Rhythmus etc. können ebenfalls Schwächen im Leseprozess sein.

Oft kommen mangelnde Konzentration, Unaufmerksamkeit, ausbleibende Fortschritte trotz intensiven Übens und Motivationsverlust bis zu Schulangst hinzu.

Klinische Tests können bei der Diagnostik helfen

Es gibt die Möglichkeit, LRS in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis von spezialisierten psychologischen Psychotherapeuten oder durch den schulpsychologischen Dienst mithilfe standardisierter Tests diagnostizieren zu lassen. Dies sind in der Regel neben der Befragung ein Intelligenztest sowie ein Lese- und Rechtschreibtest. Jedoch sind die Tests nicht immer aussagekräftig, denkt man an die unterschiedliche Aussprache der Testwörter je nach Leiter, der Interaktion, der Atmosphäre, der Erwartungshaltung des Testers und nicht zuletzt der Tagesform des Schülers. Da ein Test nur eine Momentaufnahme ist, sollte immer auch eine Einschätzung des Deutschlehrers hinzugezogen werden. Ebenfalls umstritten ist das Kriterium der IQ-Diskrepanz, also die Annahme, dass LRS-Schüler in der Regel einen hohen IQ haben.

Warum die Sicht des Lehrers so wichtig ist

Ein Test sollte in jedem Fall nicht aus klinisch-medizinischer Sicht, sondern vielmehr unter pädagogisch-psychologischen Aspekten betrachtet werden. Eben als Diagnostik, um zu schauen, auf welchem Entwicklungsstand sich ein Schüler befindet. Nur so kann eine Förderung passgenau ansetzen. Schon wenn ein Lehrer mutmaßt, einen LRS-Schüler vor sich zu haben, kann er viel tun, um diesen Schüler zu entlasten. Dies kann durch Nachteilsausgleich wie beispielsweise längere Bearbeitungszeiten, stärkere Gewichtung der mündlichen Leistungen, Ersatzleistungen wie Referate oder qualitative Differenzierung durch Lückentexte erfolgen. Auch kürzere Lesetexte sowie Hilfsmittel wie Wörterbuch oder Computer sind hilfreich. In emotional belastenden Fällen durch mehrfach mangelhafte Leistungen ist der Notenschutz sinnvoll, bei dem Schüler ganz oder teilweise aus der Leistungsbewertung im Lesen und/oder Rechtschreiben genommen werden.

Frust minimieren und Stärken hervorheben

Je früher mit einer Förderung und Unterstützung beim Leseprozess und im Schriftspracherwerb begonnen wird, umso besser. Möglichst sollten negative Erlebnisse und Frust minimiert werden. Dazu gehört, dass der Lehrer den Fokus nicht zu sehr auf die Defizite legt, sondern stattdessen die Stärken des Schülers hervorhebt und schaut, wie sie bei kleinen Anforderungen genutzt werden können.

In der Regel können Schüler ihre Leseleistung durch geeignetes Material für gesichertes Speichern der Laute und Buchstaben, silbenmäßiges Lesen und Wortdurchgliederungs-übungen schnell steigern. Oftmals bleiben sie im Lesetempo hinter ihren Mitschülern zurück und ihre Fortschritte müssen weiterhin individuell betrachtet werden. Die Entwicklung der Schreibkompetenz ist abhängig von der Ausgangslage. Auch hier müssen die Fortschritte individuell bewertet werden. Hat doch ein Schüler mit zuvor vier Falschschreibungen pro Wort sich verbessert, wenn er nur noch eine Falschschreibung im Wort hat, selbst wenn das Wort im eigentlichen Sinne noch falsch geschrieben ist.

Bei jeder Fördermaßnahme, ob inner- oder außerschulisch, ist der fachliche Hintergrund und das Konzept und Material maßgeblich. Die Schüler dürfen nicht weiterhin überfordert werden. Spielerische Methoden können sie weitaus besser motivieren und Humor und Geduld sind auf jeden Fall auch beim Lernprozess förderlich.

Marion Keil

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