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Methodenkompetenz

Methodenkompetenzen bereits in der Grundschule erwerben

In der Grundschule gilt es, fachliches Wissen zu erwerben, aber auch das Lernen zu lernen. Aufgabe des Lehrers ist es, diese Methodenkompetenzen einzuüben und auszubauen, damit die Schüler erkennen: So kann ich mir immer wieder neues Wissen aneignen.

Methodenkompetenz: Methodenkompetenzen bereits in der Grundschule erwerben Auch Gruppenarbeit will gelernt sein. Gemeinsam ein Bild zu malen, ist ein erster Schritt © Christian Schwier - Fotolia.com

Welche Methoden sollen Schüler in der Grundschule erlernen? Welche Kompetenzen erwartet man von ihnen? Diese Fragen diskutieren viele Schulen für ein Methoden-Curriculum. Neben den fachlichen Leistungen in den Unterrichtsfächern geht es oft um die Vorbereitung, um Lernprozesse meistern zu können.

Gibt es im Unterricht beispielsweise eine Aufgabe, in der Bilder einander zugeordnet werden sollen, so müssen die Schüler in der Regel korrekt ausschneiden und sorgfältig aufkleben können. Sollen die Schüler in Partnerarbeit arbeiten, ist es wichtig, dass beide Partner kooperieren und aufeinander Rücksicht nehmen. Sie sollten sich gegenseitig unterstützen, ohne dass ein Partner die Arbeit erledigt und der Mitschüler einfach alles abschreibt. Stellen sich die Schüler gegenseitig ihre Arbeitsprodukte vor, müssen sie sich sprachlich ausdrücken und Mitschülern ein konstruktives Feedback geben können. Die Methodenvielfalt zum erfolgreichen Lernen ist groß und stellt an den Grundschullehrer die Herausforderung, alles „by the way“ an die Schüler heranzutragen.

Organisationsabläufe üben und Fertigkeiten ausbauen

Bereits als Schulanfänger ist es wichtig, seinen Arbeitsplatz einzurichten, Arbeitsabläufe zu organisieren, Ordnung zu halten und zu lernen, wie man ein Heft führt. Hierbei muss der Lehrer zunächst alle Arbeitsvorgänge kleinschrittig erklären wie beispielsweise: „Alle Schüler holen ihren roten Schnellhefter heraus und legen ihn auf den Tisch. Nun bekommt ihr ein Arbeitsblatt. Ihr heftet es ab und lest euch zuerst die erste Aufgabe durch.“

Schnell werden die Schüler die Farben für die Unterrichtsfächer parat haben und ihre Aufgaben immer gezielter planen können. Weiterführend sollen die Schüler sorgfältig arbeiten lernen, Arbeitsmittel angemessen einsetzen und sich räumlich und zeitlich orientieren können. Schaffen die Schüler es zudem, ihre Aufgaben zeitlich passend fertigzustellen, haben sie bereits ein wichtiges Ziel erreicht.

Bei Hefteinträgen ist nicht davon auszugehen, dass alle Schüler bereits die nötigen Basisfähigkeiten mitbringen. Für einige Aufgabenstellungen ist es daher wichtig, all diese Dinge separat zuvor zu üben: nachspuren, schneiden, kleben und einkleben, falten, abheften, ausmalen, einkreisen, verbinden, unterstreichen, markieren und korrigieren. Auch die Benutzung eines Lineals ist vielen Schülern bisher fremd.

Sozialformen und Regeln einüben

Die Klassenraumorganisation beginnt mit einem Sitzkreis und dessen Regeln. Das gelingt am besten in einem morgendlichen Erzählkreis. Im Weiteren sollen die Schüler auch im Klassenplenum aufmerksam zuhören und einander aussprechen lassen. An Arbeitsformen lernen die Schüler in der ersten Klasse zunächst Einzel- und Partnerarbeit kennen, später auch Gruppenarbeit. Hilfsbereite Schüler können andere unterstützen. Doch auch das muss wieder angeleitet geschehen, damit Schüler nicht vorsagen oder abschreiben lassen.

Für alle Arbeitsformen muss der Lehrer Regeln aufstellen. Seine Vorschläge werden am besten durch die Schüler in ihrer Sprache benannt, ergänzt und erklärt. Wichtig sind Verhaltensregeln im Umgang miteinander, in Bezug auf die Kommunikation, Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft.

In den Klassenregeln sind organisatorische Dinge wie ein Leisezeichen, Verhalten nach Pausenende, Ordnung im Klassenraum ebenso enthalten wie Arbeits- und Gesprächsregeln: „Wir hören einander zu“, „Wir melden uns, wenn wir etwas sagen wollen“ und „Wir sagen Stopp“.

Die Arbeitsregeln sind für die einzelnen Unterrichtsformen wie Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit zweckmäßig und benennen leises, konzentriertes, zügiges und partnerschaftliches gemeinsames Arbeiten.

Gesprächsregeln sind für die mündlichen Unterrichtsphasen sinnvoll. Sie stellen sicher, dass sich alle regelmäßig am Unterrichtsgespräch beteiligen, Blickkontakt aufbauen und Meinungen anderer respektieren.

Lernprozesse, Präsentation und Reflexion in Gang bringen

Zu den Lernprozessen, die selbständiges Arbeiten fördern, gehören Rollenspiele, Arbeit an Stationen, im Tages- oder Wochenplan und Projektwochen. Die Voraussetzungen dazu wie räumliche und zeitliche Einteilung werden durch die vorausgegangenen Kompetenzen zu Sozialformen und Arbeitsregeln eingeübt und bedeuten hier eine Steigerung, meist in höheren Klassen. Der Lehrer ist zunehmend nur noch Lernbegleiter und unterstützt die von den Schülern initiierten Lernprozesse.

Ebenso wichtig ist es, die Ergebnisse angemessen zu präsentieren. Sowohl von den Präsentierenden als auch vom Publikum wird hier viel erwartet: eine gelungene, sachlich informative Präsentation der gewonnenen Ergebnisse ebenso wie eine angemessene Rückmeldung des Publikums. Wertschätzende, weiterbringende Kommentare müssen hier immer wieder eingeübt werden, am besten durch Lob und Tipp zum Produkt und Vortrag.

Ein hohes Ziel stellt die Reflexion der eigenen Leistungen an die Schüler. Doch kann hier auch bereits in der ersten Klasse mit einfachen Selbsteinschätzungen begonnen werden. Anhand von Zeichen wie „Daumen hoch, Daumen runter“ können die Schüler sehr leicht eine Rückmeldung zu ihrem erworbenen Wissen zu verschiedenen Themen geben. Wird dieses System oft praktiziert, vom Lehrer durch seinen Eindruck abgeglichen, werden die Schülerselbsteinschätzungen im Laufe der Grundschulzeit immer realistischer. Nimmt sich jeder ein eigenes Lernziel in Bezug auf Kompetenzen vor, so ist die Chance groß, dass es bis zum Ende der Grundschulzeit erreicht wird.

Marion Keil

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