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Methodenkompetenz

Organisation und Ordnung von Anfang an üben

Zu Schulbeginn sind nicht alle Schüler ordentlich. Sie müssen lernen, sich  räumlich und zeitlich zu orientieren und ihre Materialien und Aufgaben zu organisieren. Der Klassenlehrer kann sie von Schulbeginn an unterstützen und fördern.

Methodenkompetenz: Organisation und Ordnung von Anfang an üben Ordnung im Ranzen zu halten ist gar nicht so einfach und muss immer wieder geübt werden © Kzenon - Fotolia.com

„Alle Schülerinnen und Schüler nehmen heute ihre Materialien unter dem Tisch hervor und sortieren und räumen auf. Bitte helft eurem Sitznachbarn, wenn ihr fertig seid!“, fordert die Klassenlehrerin der ersten Klasse ihre Schülerinnen und Schüler auf. Für viele Kinder ist es nicht selbstverständlich, ihre Materialien überblicken, richtig einsortieren oder eigenständig verwalten zu können. Eine Aufräumzeit gehört daher in den ersten Jahrgängen zum Ritual, um Ordnung im Ranzen, unter dem Tisch und bei den Klassenraummaterialien halten zu können. Dabei helfen ordnungsbewusste Schüler ihren Mitschülern. Sie zeigen und unterstützen andere dabei, die Aufbewahrungsorte wiederzufinden.

Wichtig für die Ordnungserziehung ist auch eine Mitteilung an die Eltern. Sie sollen helfen, dass die Schüler nur benötigte Materialien im Ranzen mitbringen. Es gilt, eine Ordnung im Ranzen festzulegen, die sie mit ihren Kindern einüben. Hier sollte zum Beispiel das Hausaufgabenheft immer einen festen Platz im vorderen Ranzenbereich haben. Große Hefte gehören nach hinten, das Mäppchen nach vorn, Frühstück in Seitentaschen etc.

Ordnung halten und Arbeitsabläufe organisieren

Während es für die Schulanfänger noch wichtig ist, die eigenen Materialien zu kennen, sie am richtigen Ort abzulegen, wiederzufinden, einzuheften und sie für den Unterricht zweckorientiert und zielstrebig bereitzustellen, sollten ältere Schüler bereits eigenverantwortlich und selbstständig fehlende Arbeitsmittel notieren und besorgen.

Durch Klassendienste erlernen die Schüler zusätzlich, Verantwortung für eigene Dinge und die Sachen anderer zu übernehmen und sich für die Klassenraum- und Garderobenordnung verantwortlich zu fühlen. Hier muss aber besprochen werden, wie man andere Schüler in diskreter und freundlicher Weise auf deren Unordnung hinweisen kann.

Auch die Organisation von Arbeitsabläufen kann erfolgreich mit den Schülern eingeübt werden. Was muss ich beim Arbeiten beachten? Welche Reihenfolge muss ich einhalten? Welche Hefte brauche ich wofür? Die farbliche Kennzeichnung aller Materialien zu einem Unterrichtsfach hat sich hier bewährt. Ebenso die genaue Mitteilung der Lehrerin zu den Arbeitsschritten: „zu Anfang alles bereitlegen, die Aufgabenstellung genau anschauen, bei Fragen zuerst leise den Nachbarn fragen, erst dann die Lehrerin, nach dem Beenden der Aufgabe mithilfe von Selbst- oder Partnerkontrolle die erledigten Aufgaben kontrollieren, alles wieder an seinen vereinbarten Platz wegräumen.“

Sorgfalt in der Heftführung trainieren

Ein weiteres Übungsfeld, gerade für Lernanfänger, ist die Ordnung im Heft. Hier muss besprochen werden, dass das Heft mit der richtigen Seite nach oben gelegt wird, vom linken bis zum rechten Rand, von oben nach unten geschrieben wird. Auch wird jeder Zahl ein Kästchen, den Wörtern eine Zeile beim Schreiben zugeordnet, was für viele Schüler anfänglich noch Übung bedeutet.

Datum und Überschrift sollen der Beginn einer Seite sein. Neue Abschnitte oder Aufgaben sollen durch eine Leerzeile gekennzeichnet sein. Jeder soll so schreiben, dass er es selbst und andere später lesen können. All dies ist für viele Schüler nicht selbstverständlich und muss in der Schule und unterstützend durch die Eltern zu Hause bei den Hausaufgaben eingeübt werden.

Ebenso sollten alle Hefte und Bücher mit Schutzumschlägen versehen sein. Auf das ordentliche Einpacken und Ausräumen aus dem Ranzen, ohne Knicke, Risse oder Eselsohren zu produzieren, muss ebenfalls hingewiesen werden.

Beim Schreiben können verschiedene Schreibwerkzeuge ausprobiert werden: Nicht zu fest aufdrücken beim Schreiben mit Bleistift oder Füller, damit die Seite nicht reißt, den Stift nicht zu verkrampft halten, unterstreichen mit Lineal und Bleistift etc.

Zeitliche und räumliche Orientierung erleichtern den Überblick

Um sich in der Schule zurechtzufinden und schnell dort heimisch zu werden, bedarf es einer räumlichen Orientierung der Schüler. Hierzu müssen sie wissen, wo sich die Toiletten, die Bücherei, das Lehrerzimmer, die Betreuung, das Sekretariat, die Klassenräume, der Musikraum etc. befinden. Ein Erkundungsrundgang ist daher zu Schulbeginn unerlässlich. Für einige Schüler sind gerade an großen Schulen mit vielen Gebäuden und Räumen ältere Paten wichtig, die immer wieder helfen, die richtigen Orte zu finden.

Neben der räumlichen Orientierung ist die zeitliche Orientierung für die Schulanfänger wichtig. Wie viele Stunden sind es noch? Wann ist Pause? Wann kann ich etwas essen? Wann muss ich zum Bus oder in die Betreuung? Hilfreich sind hier Stundenschilder an der Tafel oder im Klassenraum, die durch Bilder Orientierung bieten: Unterrichtsstunden, Pausen oder das Schulende, jeweils markiert mit einem Pfeil der aktuellen Zeit.

Ältere Schüler müssen gerade in offeneren Unterrichtsphasen wie Tagesplan, Wochenplan oder Stationsarbeit lernen, ihre Zeitplanung der jeweiligen Arbeitsform anzupassen, um ihre Aufgaben zeitgerecht zu erledigen. Von ihnen kann der Lehrer auch erwarten, dass sie sich im größeren zeitlichen Rahmen orientieren und Wochentage, Monate und Jahreszeiten ebenso wie anstehende schulische und jahreszeitliche Feste überblicken.

Unterschiede in der Motorik berücksichtigen

Die Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Schüler von zu Hause bzw. dem Kindergarten mitbringen, sind zu Schulbeginn sehr unterschiedlich. Der Lehrer kann nicht erwarten, dass grundlegende Fertigkeiten wie Stifthaltung, Schneiden und Kleben bereits gut ausgebildet sind. Sie können aber durch einfache Übungen gefördert werden. Beim Nachspuren kann die Stifthaltung beobachtet, gegebenenfalls korrigiert werden.

Auch die Motorik von Erstklässlern weist es noch große Leistungsunterschiede auf: Während einige Schüler beim Ausmalen und Nachspuren bereits auf der Linie bleiben, können andere die begrenzenden Linien noch nicht einhalten. Auch das Schneiden auf einer Linie muss eingeübt werden. Dabei ist es wichtig, auf Ordnung zu achten, damit ausgeschnittene Dinge nicht unter den Müll gemischt und die Schnipsel auf dem Boden aufgeräumt werden. Beim Kleben empfiehlt es sich, zu Beginn keinen Flüssigkleber, sondern einen Klebestift zu verwenden. Wieviel Kleber man benutzt, wohin man ihn streicht etc., muss eventuell ebenfalls vor dem Aufkleben ins Heft thematisiert werden.

Der Schulstart gelingt in kleinen Schritten

Viele Schüler haben noch keine Erfahrungen mit dem Falten von Papier. Im Kunstunterricht kann der Lehrer diese Fertigkeit kleinschrittig fördern. Auch das Einheften von Arbeitsblättern in einen Schnellhefter muss mit manchen Kindern eingeübt werden, damit sie später selbstständig ihre Materialien in den richtigen Ordner einheften und bei Bedarf auch lochen können.

In vielen Unterrichtsmaterialien ist einkreisen, verbinden, unterstreichen und markieren erforderlich. Auch diese Arbeitsweisen lassen sich mit entsprechendem Übungsmaterial veranschaulichen und gemeinsam einüben.

Und schließlich muss auch das geübt werden: Wie man seine Stifte spitzt und gründlich radiert, um einen sauberen Hefteintrag zu erhalten. Viele Dinge, die ein Klassenlehrer vielleicht voraussetzt, müssen von Anfang an im Sinne einer Orientierungs- und Ordnungserziehung eingeübt werden. Auch grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten wie spitzen, malen, radieren, unterstreichen, falten, abheften und ausmalen sind nicht selbstverständlich und müssen trainiert und gefördert werden. Ist der Klassenlehrer darauf vorbereitet, so gelingt ein geordneter Schulstart.

Marion Keil

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