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MindMatters

Eine Schule zum Wohlfühlen für alle

Gefühle bei sich selbst und anderen zu erkennen, fällt Schülern oft nicht leicht. Die Unterrichtseinheiten des MindMatters-Programms stärken emotionale Kernkompetenzen, um soziales Lernen zu unterstützen. Das Ziel: eine Schule, an der sich Schüler und Lehrer wohlfühlen und gern arbeiten.

MindMatters: Eine Schule zum Wohlfühlen für alle Mit dem Morgenkreis gelingt ein entspannter Start in den Tag © AntonioDiaz - stock.adobe.com

„Wir haben in den letzten Jahren immer mehr festgestellt, dass es viele Kinder gibt, die im sozial-emotionalen Bereich Probleme haben, die nicht mit Gefühlen umgehen können“, berichtet Angela Harting, Schulleiterin der Grundschule Lüttau in Schleswig-Holstein in einem Interview. Diese Schüler könnten weder „die eigenen Gefühle erkennen oder benennen“, noch sich in andere einfühlen. Das führe dann zu Konflikten und Handgreiflichkeiten, z. B. wenn Kinder einen bedauernden Gesichtsausdruck nicht richtig deuten können und nicht verstehen, dass es sich bei einem Schubs nur um ein Versehen handelt. Zudem beobachtete die Schulleiterin viele Kinder, die „insgesamt Probleme haben, sich nichtwohl fühlen, Kopfschmerzen haben“ und „unter Anspannung stehen“. Da hatten wir das Gefühl, wir müssen (...) was machen, dass Kinder sich in der Schule auch wohlfühlen“ (ebd.).

In MindMatters fand die Grundschule Lüttau ein Programm, das beides verbindet: die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und die Entwicklung der Schule zu einem Ort, an dem sich Schüler und Lehrer wohlfühlen und gern arbeiten. „Psychische Gesundheit, Wohlbefinden, Respekt und Toleranz an der Schule fördern und damit die Lern- und Schulkultur gestalten“ — das sind die Ziele des ursprünglich australischen Programms, das Psychologen der Universität Lüneburg ins Deutsche übersetzt und für deutsche Schulen adaptiert haben.

Umfassender Material-Pool für den Unterricht

„Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ (im Folgenden abgekürzt mit GLmG) — so ist das MindMatters-Modul für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 übertitelt. Herzstück des über 300 Seiten starken Ordners sind fünf Unterrichtseinheiten mit vielfältigen altersgerechten Übungen zur Förderung der fünf wesentlichen sozial-emotionalen Kernkompetenzen, die Ihnen der nächste Absatz kurz vorstellt. Diesen Unterrichtseinheiten sind zudem „übergeordnete Übungen“ zu Grundsatzthemen wie „Feedback geben und annehmen“, „Klassenregeln aufstellen“ oder „Sich in Gruppen finden“.

Der insgesamt über 220 Seiten starke Material-Pool bietet Ihnen direkt übernehmbare Unterrichtseinheiten mit Kopiervorlagen und Varianten für heterogene Lerngruppen. Methodisch-didaktische Hinweise und Hintergrundinformationen zeigen, wie Sie das Modul in der Praxis nutzen, welches Konzept dahinter steckt, wie Sie die Eltern sinnvoll einbinden u. v. m.

Ich und die anderen: mit Gefühlen konstruktiv umgehen

Viele Programme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen fokussieren auf einzelne problematische Aspekte, zum Beispiel auf Aggressionsabbau, Vermeidung von Unterrichtsstörungen oder Suchtprävention. Nicht so das MindMatters-Modul GLmG. Die Unterrichtseinheiten stärken fünf zentrale „Kernkompetenzen, die sozial-emotionales Lernen begünstigen“ (GLmG, Ausgabe 2011, S. 75) und die gemäß aktueller Forschungsergebnisse „für die Primarstufe besonders relevant sind“ (ebd., S. 42):

  • Ich-Bewusstsein: Ihre Schüler üben, die „eigenen, individuellen Emotionen und Stimmungen“ bewusst wahrzunehmen und zu verstehen (ebd., S. 43).
  • Selbstmanagement: Ihre Schüler lernen, mit den eigenen positiven und negativen Gefühlen konstruktiv umzugehen und „persönliche Verhaltensweisen regulieren“ zu können (ebd.).
  • Mitgefühl: Hier lernen die Kinder, „die Gefühle anderer wahrzunehmen und mitzuempfinden“ (ebd., S 44).
  • Entscheidungskompetenz: Die Kinder erweitern ihre Ausdrucks- und Handlungsmöglichkeiten und üben „situationsgerecht zu reagieren und dabei eigene Ziele zu verfolgen“ (ebd., S. 45).
  • Beziehungskompetenz: Sie „setzt alle anderen Kernkompetenzen voraus“, denn hier geht es um „eine erfolgreiche Emotions- und Impulsregulation“ generell. Sie ist die „Basis für gelingende soziale Beziehungen“ (ebd.).

Auf der oben verlinkten MindMatters-Website können Sie sich mit einem Klick auf den Button „MindMatters nutzen“ schnell und unbürokratisch registrieren. Nach dem Login finden Sie unter „Werkzeugkasten“ eine Auswahl verschiedener Übungen zu den fünf unterschiedlichen Kompetenzbereichen zum Download, mit denen Sie direkt loslegen können.

Gesunde Balance: zwischen Anpassung und eigenen Wünschen

„Psychische Gesundheit“ bedeutet laut Prof. Dr. Peter Paulus „mehr als nur die Abwesenheit psychischer Erkrankungen, Störungen oder Probleme“. Der Psychologe, der auch das MindMatters-Team der Uni Lüneburg leitet, definiert psychische Gesundheit als individuelle „Balance zwischen ‚produktiver Anpassung‘ (Bewältigung von alltäglichen Herausforderungen) und ‚Selbstverwirklichung‘ (Realisierung eigener Lebensvorstellungen und -wünsche)“ (GLmG, S. 24). Diese Balance fördert das MindMatters-Programm nicht nur durch sozial-emotionales Lernen der Schüler, sondern auch durch gezielte Impulse für die Lehrergesundheit und für eine konstruktive Elternarbeit.

Die Basis von MindMatters ist das Konzept der guten gesunden Schule. Das Programm geht weit über die Gesundheitsförderung in der Schule hinaus: Es verbindet Gesundheitsförderung und Bildung „und bezieht die gesamte Schule (Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulleitungen, nicht unterrichtendes Personal und Eltern) sowie das schulische Umfeld ein“ (GLmG, S. 18).

Bei der systematischen Schulentwicklung unterstützt Sie ein Online-Tool mit Praxistipps, Checklisten und Indikatoren. Auch dieses Schulentwicklungstool können Sie als registrierter Nutzer direkt auf der MindMatters-Website einsehen und ‘runterladen (im „Werkzeugkasten“ unter „Zusatzmaterial“). Zusätzliche Tools, zum Beispiel zur Entwicklung eines Handlungsplans für Krisensituationen oder zur Planung einzelner Projekte (Mobbingprävention etc.) bietet das Schulentwicklungsheft „SchoolMatters“, das Sie als registrierter Nutzer zusammen mit dem Ordner „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ bestellen können.

Baustein-Prinzip ermöglicht flexible Nutzung

Eine Vielzahl von Schulen — mittlerweile im vierstelligen Bereich — nutzen bereits das evaluierte MindMatters-Programm. Auch Angela Harting, die Schulleiterin der Grundschule Lüttau, kann die Arbeit mit diesem ihrer Erfahrung nach durchaus „schaffbaren“ Programm nur empfehlen. Besonders schätzt sie daran das „Baustein-Prinzip“: „Es ist kein Programm, das man von A bis Z mit jeder Klasse durchziehen muss, sondern man schaut, welche Schwerpunkte sind jetzt für meine Klasse wichtig“, erläutert sie in dem eingangs verlinkten Video. Dass sich das Kollegium in Lüttau aber geschlossen auf MindMatters verständigt hat, unterstützt das sozial-emotionale Lernen der Schüler. Die Lehrkräfte können die Förderung im sozial-emotionalen Bereich optimal koordinieren. Außerdem ermöglicht das MindMatters-Programm eine kontinuierliche Arbeit über die Jahrgangsstufen hinweg. Viele Schüler lernen dann auch später in der weiterführenden Schule mit den verschiedenen MindMatters-Modulen für die Sekundarstufe I und II.

In vielen Schulen nutzen die Lehrkräfte auch unterschiedliche Programme oder Materialien. „MindMatters kann dafür mit dem Konzept der guten gesunden Schule einen theoretischen Rahmen bieten und die verschiedenen Aktivitäten zum sozial-emotionalen Lernen bündeln“, schreiben die Autoren des Schulentwicklungstools für die Primarstufe (im Werkzeugkasten unter „Schulentwicklung“ downloadbar). Im oben genannten Schulentwicklungsmodul „SchoolMatters“ ist ausführlich erläutert, wie Sie dabei am besten vorgehen.

Fazit: Selbst wenn sich in Ihrem Kollegium keine Mehrheit für das MindMatters-Programm findet, lohnt es sich doch unbedingt, die vielseitige Ressource zu nutzen.

Zum einen profitieren Sie von einem breiten Spektrum von methodisch abwechslungsreichen, fertig vorbereiteten Unterrichtseinheiten für alle Jahrgangsstufen. Ohne viel Vorbereitungsaufwand gewährleisten Sie damit eine kontinuierliche Förderung Ihrer Schüler über alle Jahrgangsstufen hinweg. Im Bedarfsfall können Sie auch schnell mit einer gezielten Übungseinheit reagieren, etwa bei plötzlich gehäuft auftretenden Konflikten in Ihrer Klasse. Und mit den differenzierenden Übungen (Varianten) werden Sie ohne Mehraufwand auch den oft sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in inklusiven Klassen gerecht. Das erleichtert Ihnen die individuelle Förderung — im Förderunterricht ebenso wie bei der Wochenplanarbeit.

Martina Niekrawietz

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