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Mit Achtsamkeit Gefühle erkunden

Der Schulalltag ist oft stressig, für Lehrer genauso wie für Schüler. Ein Achtsamkeitstraining kann helfen, den Stresspegel zu senken und die eigenen Gefühle zu erkunden.

MindMatters: Mit Achtsamkeit Gefühle erkunden Entspannungsübungen helfen den Kindern, achtsam mit sich umzugehen © Andrey - stock.adobe.com

„Bei Achtsamkeitsübungen geht es vor allem darum, nicht-wertend im Hier und Jetzt zu sein“, erklärt Holger Kramer im WDR-Magazin Lokalzeit Bergisches Land. Er erforscht im Rahmen einer dreijährigen Modellstudie mit 6000 Grundschülern in Solingen, was ein regelmäßiges Achtsamkeitstraining im Unterricht bewirkt. Die Kinder lieben die Meditations- und Entspannungsübungen. „Ich fühl‘ mich meistens sehr entspannt“, erzählt ein Viertklässler, „das hab‘ ich zu Hause nicht so oft.“ Auch das Klassenklima habe sich positiv verändert: Alle könnten sich jetzt schneller beruhigen und wären „nicht mehr so sauer“ aufeinander, beobachtet eine Mitschülerin. „Sogar zu Hause klappt das“, erzählt ein anderer Schüler. Wenn ihn seine Schwester ärgert, bleibt er jetzt viel gelassener als früher.

Insgesamt sinkt bei den Kindern der Stresspegel. Das Wohlbefinden steigt, die Konzentration wird gefördert und die Integration von unterschiedlichen Schülern in die Klasse gelingt besser, beobachtet Holger Kramer. Auf diese positiven Effekte setzt auch das MindMatters-Modul „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“. Bei fast allen praktischen Übungen zu den verschiedenen sozial-emotionalen Kompetenzen spielt Achtsamkeit eine zentrale Rolle.  Der folgende Beitrag zeigt anhand einiger Übungen, wie die Achtsamkeitsarbeit mit dem MindMatters-Programm aussieht. Als registrierter Nutzer auf der MindMatters-Website finden Sie übrigens die meisten Übungen auch online als PDF.

Achtsamkeit als Kraftquelle für Lehrkräfte

Die Lehrkräfte der Solinger Schulen haben für ihre Achtsamkeitsarbeit mit den Schülern eine Fortbildung absolviert. Da das vermutlich ad hoc nur in den wenigsten Fällen möglich ist, hier zunächst ein paar Anregungen, wie Sie autodidaktisch erste Erfahrungen mit dem Thema sammeln können.

Links zu einfachen Übungen finden Sie zum Beispiel auf der Website von Jula Müller. Das Gute an vielen Achtsamkeitsübungen: Sie dauern oft nur eine halbe Minute und haben doch überraschend positive Effekte.

Auch in dem Lehrermodul des MindMatters-Programms „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ (GLmG ) finden Sie einige Übungen, die sich wunderbar mit Ihrem Unterrichtsalltag vereinbaren lassen. Hier ein Beispiel:

„Zu Beginn einer Schulstunde: Betreten Sie den Unterrichtsraum bewusst und nehmen [sic!] wahr, was für Sinneseindrücke und Stimmungen Ihnen entgegenkommen: In welchem Zustand ist Ihre Klasse — zappelig, verschlafen, niedergedrückt oder offen und freundlich? Nehmen Sie sich kurz Zeit, sich zu sammeln und ganz präsent zu sein, bevor Sie zu sprechen beginnen.“ (GLmG, S. 61)

Auch der Vorschlag, während des Unterrichts kurz die Aufmerksamkeit auf die eigene Körperhaltung zu richten, lässt sich problemlos umsetzen. Danach können Sie Ihre Wahrnehmung kurz darauf richten, wie Sie mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen. Sie werden sich gestärkt fühlen, obwohl die „Auszeit“ nur einen Moment gedauert hat.

Sich selbst spüren mit dem Stimmungsbarometer

Für die meisten Ihrer Schüler sind Achtsamkeitsübungen gewöhnungsbedürftig. Doch das selbst gebastelte Stimmungsbarometer (GLmG, S. 127 ff.) macht es den Schülern leicht, sich auf ihre momentane Befindlichkeit zu konzentrieren. Mit einer fertigen Kopiervorlage (ebd., S. 129) hält jedes Kind innerhalb von wenigen Minuten sein eigenes ausgeschnittenes und zusammengestecktes Barometer in der Hand. Hier lässt sich dann mit dem beweglichen Barometerstab auf einer Skala von 1 bis 4 einstellen, wie gut oder schlecht sich die Kinder gerade fühlen. Das Stimmungsbarometer kann vor und nach jeder Lerneinheit zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen genutzt werden, um die eigene und die Stimmungs- bzw. Gefühlslage in der Klasse zu ergründen: „Wie ging es dir am Anfang der Stunde und wie geht es dir jetzt? Hat sich deine Stimmung/dein Gefühl verändert?“ (GLmG, S. 128)

Über Gefühle sprechen, das fällt vielen Kindern nicht leicht. Hier kann das Gefühlsbarometer als Eisbrecher dienen, wenn die Kinder einfach nur ihre momentane Stimmung näher erklären, zum Beispiel „Ich fühle mich nicht so gut, weil ich mich über Tim geärgert habe ...“

Furcht und Freude: den Gefühlen auf der Spur

Gefühle erspüren, benennen und adäquat mit ihnen umgehen, darum dreht sich alles im MindMatters-Programm. Die sechs angeborenen „Basisgefühle“ (gemäß der Theorie des Neurowissenschaftlers Paul Ekmann in: „Gefühle lesen“, München 2010, vgl. GLmG, S. 116) sind dabei:

  • Furcht,
  • Freude,
  • Ärger,
  • Überraschung,
  • Ekel und
  • Traurigkeit.

Die Kinder nähern sich ihren Gefühlen mit verschiedenen Sinnen: Sie malen „mit verschiedenen Farben, Klecksen, Strichen oder anderen Zeichen“ das Gefühl, das sie „in diesem Augenblick“ spüren. Oder sie ordnen den „Gefühlsbonbons“ des „großen Erfinders Takumo“ aus Japan charakteristische Farben zu (GLmG, S. 137), zum Beispiel „rot schmeckt nach ...“ Und sie drücken Gefühle mit verschiedenen Instrumenten und in verschiedenen Lautstärken aus (GLmG, S. 138).

Bei einer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit erinnern sich die Kinder bewusst an bestimmte Situationen, in denen sie eines der oben genannten sechs Gefühle hatten. Die Praxisübung dazu: Im Stuhlkreis würfeln die Kinder mit einem „Gefühlswürfel“ (Kopiervorlage: GLmG, S. 145), der als „Erzählstein“ dient und erzählen den Mitschülern von ihrem Erlebnis mit dem jeweiligen Gefühl.

Alle hier erwähnten Übungen mit Kopiervorlagen und Arbeitsblättern finden Sie übrigens online auf der MindMatters-Website unter „Werkzeugkasten“ für das Modul „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“. Einfach kurz registrieren, Materialien downloaden und ausdrucken, und schon können Sie mit der achtsamen Gefühlsarbeit in Ihrer Klasse starten.

Martina Niekrawietz

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