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MindMatters

Zeit für Gefühle ist in jedem Fach

Viele Lehrer reagieren skeptisch auf Neuerungen: Was noch alles? Doch sozial-emotionales Lernen muss keine zusätzliche zeitliche Belastung sein. Das MindMatters-Programm bietet für alle Fächer Übungen, die Schüler sensibilisieren und sich gut in den jeweiligen Unterricht integrieren lassen.

MindMatters: Zeit für Gefühle ist in jedem Fach Jede Farbe ein Gefühl: Mit farbigen Luftballons können die Kinder ihre Gefühle ausdrücken © pressmaster - stock.adobe.com

Die Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen erfolgt im Unterricht eher punktuell: Oft reagieren stressgeplagte Lehrkräfte damit auf akute Belastungen wie Mobbing und Gewalt oder Unterrichtsstörungen. Immer neue Herausforderungen, z. B. Inklusion, Vergleichsarbeiten oder Digitalisierung beanspruchen viel Zeit und Kraft. Verständlich, dass in dieser Situation die Einführung eines umfassenden Programms zum sozial-emotionalen Lernen (SEL), das die Entwicklung der Schulqualität insgesamt fördert, auf Widerstände stößt.

Auch das Kollegium der Grundschule Lüttau war anfangs skeptisch, als Schulleiterin Angela Harting das MindMatters-Moduls „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ (GLmG) einführen wollte: „Das ist dann immer die Frage ‚was sollen wir noch alles? (...) Müssen wir das jetzt auch noch obendrauf machen?“, erzählt sie in einem Interview. Doch nach drei Jahren Erfahrung mit dem MindMatters-Modul für die Primarstufe sahen die Lehrkräfte das anders: Die positiven Auswirkungen auf ihre eigene Arbeit sind für sie spürbar geworden. Zudem lässt sich das Programm gut in den fachlichen Unterricht integrieren: Das „passt in Religion, es passt in den Heimat-Welt-Sachkunde-Unterricht, es passt auch in den Deutschunterricht: sich ausdrücken können, mündliches Sprachhandeln, (...) da kommt vieles zusammen, was man sowieso abdecken will“, sagt Angela Harting.

Der folgende Beitrag zeigt Ihnen anhand von praktischen Beispielen, wie gut sich die Arbeit mit MindMatters mit dem „ganz normalen Unterricht“ vereinbaren lässt.

Schnelle Orientierung auf einen Blick

Wie picken Sie sich schnell geeignete Übungen heraus? Am besten orientieren Sie sich dazu an den Übungstipps in den orangefarbenen Kästen am Seitenrand. Hier gibt es immer wieder Empfehlungen, für welche Fächer sich die jeweiligen Übungen besonders gut eignen.

Hilfreich ist auch der „Überblick über alle Übungen und Varianten“, den Sie als registrierter Nutzer auf der MindMatters-Website finden. Hier erkennen Sie oft schon an den Titeln der Übungen, in welchem Fach sie angesiedelt sind: Dass es sich zum Beispiel bei „Gefühle durch Farben ausdrücken“ oder „Bildsprache entdecken“ um passende Übungen für den Kunstunterricht handelt, ist offensichtlich.

Trotzdem sollte man den Praxisteil anfangs einmal komplett durchblättern und — etwa mit farbigen Klebezetteln — markieren, welche Übung bzw. Variante sich für welches Fach eignet. Denn manche der Übungen, die sich auf den ersten Blick eindeutig zuordnen lassen, bergen bei genauerem Hinsehen auch noch Bezüge zu anderen Fächern. So findet sich zum Beispiel bei „Gefühle durch Musik ausdrücken“ (GLmG, S. 138 ff.) eine Variante für den Sportunterricht: „Bitten Sie die Kinder zu den von Ihnen mitgebrachten Musikstücken, die verschiedene Gefühle ausdrücken, zu tanzen bsw. [sic!] sich zu bewegen“, heißt es da. An diese Seite kleben Sie dann den Vermerk „Musik/Sport“ oder auch „fächerverbindender Unterricht“.

Wichtiger Hinweis:

Wenn Sie sich gleich auf der MindMatters-Website registrieren, können Sie viele Übungs- und Arbeitsblätter in diesem Artikel direkt anklicken.

Aufmerksames Zuhören bei einer Zeitreise

Viele Inhalte, die sich für den Deutschunterricht eignen, entdeckt man erst bei genauerem Durchsehen des Übungsteils. Im Folgenden dazu zwei Beispiele:

Aufmerksames Zuhören üben die Kinder bei der „Gedankenreise in ein [Gefühls-]Thema“ (GLmG, S. 93). Gekoppelt mit einer Entspannungsübung nimmt die Lehrkraft die Schüler auf eine Zeitreise rückwärts durch die letzten Tage mit: Es geht dabei um ein bestimmtes Thema, z. B. „miteinander streiten“: „Hast du vorgestern etwas erlebt, was mit einem Streit zu tun hat? Wer war dabei? Wo warst du? Was ist genau passiert? (...) Was hast du dabei gefühlt? (...) Nimm das, was du erlebt hast wie einen Film auf.“ Mit der Aufforderung, tief ein- und auszuatmen, sich zu strecken und auszuschütteln  beendet die Lehrkraft die Zeitreise. Dann dürfen die Kinder über „ihren Film“ sprechen. „Zunächst reflektieren, dann sprechen“ — das üben die Kinder hier quasi nebenbei. Gleichzeitig entspannen und zentrieren sie sich.

Gefühle entdecken und den Wortschatz erweitern

Im DaZ- oder Anfangsunterricht erweitern die Kinder mit vielen Übungen auch ihren Wortschatz. Sie ergründen z. B. mit Bildkarten, welche Situationen welches Gefühl auslösen und überlegen, warum das so ist. So zeigt das Arbeitsblatt „Warum fürchte ich mich“ (GLmG, S. 175) ein Mädchen mit ängstlicher Mine. Es ist Nacht und eine große schwarze Fledermaus flattert über ihr.

Um die einfachen gefühlsauslösenden Situationen beschreiben zu können, brauchen Kinder mit Deutsch als Zweitsprache hier verschiedenste Wörter aus dem Grundwortschatz: „Straße“, „Fledermaus“, „dunkel“, „Sterne“, „Mond“, „Häuser“, „einsam“ usw., denn sie beantworten zu jedem Bild jeweils zwei Fragen: „Woran erkennst du, dass diese Abbildung mit dem Gefühl Furcht zu tun hat?“ „Warum kann in dieser Situation Furcht auftreten?“ Diese Prozedere wird mit allen sechs angeborenen Basisgefühlen durchgespielt: neben Furcht noch mit Ärger, Trauer, Freude, Überraschung und Ekel.

Luftballons symbolisieren Ärger oder Freude

Je nach Vorwissen im sprachlichen Bereich finden Sie auch differenzierende Übungen, zum Beispiel zur Erweiterung des Wortschatzes im Bereich Gefühle. Das Arbeitsblatt „Mein Gefühl steht mir ins Gesicht geschrieben“ (GLmG, S. 218f.) etwa gibt es in zwei Versionen: Drei Kindern mit erfreutem, ärgerlichem und traurigem Gesichtsausdruck werden Luftballons, die zu ihrer Gemütslage passen, zugeteilt. Einmal ordnen die Schüler ihnen Luftballons mit passenden Synonymen für das jeweilige Gefühl zu, und einmal müssen die Kinder selbst ein Synonym finden und auf den Ballon schreiben. In sozio-emotionaler Hinsicht lernen die Kinder hier, einen Gesichtsausdruck richtig zu deuten, und in Deutsch, ein Gefühl differenziert zu beschreiben. Und Sie als Lehrkraft nutzen differenzierende Materialien, die Ihnen z. B. bei der Vorbereitung des Wochenplans viel Aufwand ersparen.

Ein Gefühlswürfel für den Mathe-Unterricht

Ein Würfelnetz ausschneiden und zusammenkleben — das ist eine typische Aufgabe für den Mathematikunterricht. Als Hausaufgabe im Anschluss an eine entsprechende Geometriestunde könnten die Kinder das Arbeitsblatt „Würfel der Gefühle“ (GLmG, S. 145 f.) zur Vertiefung nutzen, um sich einen eigenen Gefühlswürfel zu basteln. Wird der Würfel dann auch gleich am nächsten Tag im Morgenkreis als Erzählstein genutzt, geht die Hausaufgabenkontrolle wie von selbst: „Jedes Kind, das etwas erzählen möchte, sucht sich eine Seite des Würfels selbst aus, zeigt diese allen hoch und erzählt der Klasse über das erlebte Gefühl.“ (GLmG, S. 142)

La-Ola-Welle sorgt für Aktivierung

Viele der Übungen eignen sich auch für kurze Bewegungspausen zwischen den Unterrichtsstunden. So enthält zum Beispiel die Übung 2.1 „Energizer erleben“ (GLmG, S. 161 ff.) verschiedene „kurze und zeitintensivere Aktivierungsübungen“: Die Kinder schütteln sich kurz aus: erst die Füße, dann die Unter- und Oberschenkel, die Hände, Arme und Schultern und zuletzt den Kopf. Anschließend reflektieren sie über die damit verbunden Gefühle. Oder die Kinder sitzen im Kreis und starten eine „La-Ola-Welle“, bei der sie jeweils ihren eigenen Namen, ihr aktuelles Gefühl, ihr Lieblingsessen o. Ä. nennen. Auch „bewegte Geschichten“ gehören zum MindMatters-Modul. Hier verknüpfen die Kinder die Fähigkeit zuzuhören mit bestimmten Bewegungsfolgen im Verlauf der Geschichte. Danach gibt es eine kurze Reflexionsrunde, bei der die Schüler sich über ihre Erlebnisse während der Übung austauschen.

Martina Niekrawietz

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