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Montessori

Mit Montessori-Material die Jahreszeiten entdecken

Viele Schüler haben Schwierigkeiten, die Zeit und die Jahreszeiten zu verstehen. Die Montessori-Pädagogik fördert sie darin, die Welt selbst zu entdecken. Mithilfe einer Vielzahl unterstützender Materialien werden selbst so abstrakte Begriffe wie die Zeit be-greifbar.

Montessori: Mit Montessori-Material die Jahreszeiten entdecken Ein farbiger Jahreszeitenkreis, bestückt mit weiteren Materialien, veranschaulicht sehr bildhaft den Jahreszyklus © Christine Strecker

Die Zeit ist für viele Grundschüler ein sehr abstrakter Begriff. Sie lässt sich nur schwer (er-)fassen. Was also hilft ihnen, einen so komplexen Begriff wie die Zeit zu begreifen? Ein Beispiel wie der Wechsel der Jahreszeiten, den Kinder kennen und bereits erlebt haben, dient dazu, ihnen den Wandel im Laufe der Zeit näherzubringen. So bietet der Jahreskreis mit seiner Jahreskette (365 Perlen in zwölf abgestuften Farben) eine vielfältige Auseinandersetzung mit diesem Thema. Er unterstützt die Vorstellungskraft der Kinder im Verstehen der drei astronomischen Bedingungen, die unser Leben auf der Erde prägen:

  • Die Erde dreht sich einmal im Jahr um die Sonne (Jahr, Jahreszeiten mit allen Einflüssen in den unterschiedlichen Klimazonen).
  • Der Mond und die Erde bewegen sich im gemeinsamen Schwerpunkt um die Sonne (Monate, Wochentage, Einfluss auf Ebbe und Flut). 
  • Die Erde dreht sich täglich einmal um die eigene Achse (Tag- und Nachtrhythmus).  

Ebenso lassen sich bei dieser zyklischen Darstellungsweise die Veränderungen in der Natur und die vielen Feste im Jahr anschaulich darstellen. 

Geschichten erzählen von den Jahreszeiten

Um das Interesse für das Thema bei den Kindern zu wecken, wird eine Geschichte erzählt, die an ihren Entwicklungs- und Wissensstand anknüpft. Das so vermittelten Basiswissen bildet die Grundlage zum individuellen Weiterforschen während der Freiarbeit.

Für den gemeinsamen Einstieg legen wir den runden Teppich mit einer farbigen Holzkette gegen den Uhrzeigersinn aus, da sich die Erde links herum dreht. In der Mitte liegt eine selbstgebastelte Sonne, Jahreszeitenpuppen und passende Gegenstände zu den Jahreszeiten. Der Lehrer geht langsam um den Kreis mit einem Globus in den Händen. Während er erzählt, dreht er ihn. Jede Umdrehung bedeutet, dass ein Tag vergangen ist. 

Dazu eignet sich eine Erzählung (vgl. dazu Ingrid Sauer, Christine Strecker: Montessori-Pädagogik leicht umgesetzt. Augsburg 2019, S. 67 f.) Es beginnt mit dem Winter – oder auch jeder anderen Jahreszeit. Der Lehrer erzählt, wie klirrend kalt der Winter ist, wie schön warm die Sonne im Sommer. Er greift dabei die Erfahrungen seiner Schüler mit den Jahreszeiten auf. Wichtig ist, dass er auf die unterschiedlichen Tag- und Nachtlängen im Jahresverlauf eingeht. So kann er die Begriffe der Tag- und Nachtgleiche und die der Winter- und Sommersonnenwende einführen. 

Die Geschichte wird von einem Schüler noch einmal vorgetragen. Auf die bunten Stoffviertel werden die Begriffe zu den Jahreszeiten gelegt. Dazu kommen die beschrifteten Pfeile mit Tag- und Nachtgleiche, Winter- und Sommersonnenwende. Außerdem können nun die Kärtchen mit den Monatsnamen angelegt werden. 

Farben helfen den Schülern bei der Orientierung

Das Basismaterial besteht aus einem vierfarbigen runden Teppich in den Farben gelb für den Sommer, rot für den Herbst, blau für den Winter und grün für den Frühling, einer bunten Holzperlenkette mit 365 Perlen in zwölf Farben. Eine weitere Perle für den 29. Februar kann bei Bedarf in die Kette eingefügt werden. Zusätzlich gibt es vier Kärtchen mit den Begriffen für die Jahreszeiten und zwölf Karten mit den Monatsnamen in den entsprechenden Farben. 

Bei der Herstellung des Begleitmaterials achten wir bei der Auswahl des Papieres auf die vorgegebenen Jahreszeitenfarben. Es ist eine Orientierungshilfe für die Schüler. Eine Eigenkontrolle ist dadurch möglich.

Während der Freiarbeit stehen weitere Materialien und Aufgaben zur freien Wahl für den Schüler bereit:

  • nochmaliges selbstständiges Auslegen des Kreises mit den entsprechenden Pfeilen,
  • Jahreszeitenzyklus von Kastanie, Igel, Eichhörnchen, Tulpe auslegen (Zaubereinmaleins),
  • ein Jahreszeitenbild gestalten (Hefteintrag),
  • Erläuterungskärtchen zu den Monatsnamen,
  • Karten mit der germanischen Bezeichnung der Monate und deren Erklärung,
  • Bilder der Tierkreiszeichen und Erläuterungen dazu,
  • Sinneserfahrungen zu den Jahreszeiten über Düfte und Nahrungsmittel, 
  • Pfeile mit kirchlichen und staatlichen Feiertagen anlegen,
  • Massageübungen und Traumreisen zum Winter durchführen, 
  • Gedichte lesen und auswendig lernen,
  • Elfchen (Gedicht mit 11 Wörtern auf 5 Verszeilen) schreiben,
  • eigene Geschichten zu den Jahreszeiten schreiben.

Experimente rund um Jahreszeiten, Zeit- und Klimazonen

Zum Jahreskreis hat sich Maria Montessori ein besonderes Ritual ausgedacht. Der Jahreskreis wird bei jedem Geburtstag eines Kindes und dem des Lehrers aufgebaut. Durch das häufige Auslegen prägt sich die Reihenfolge der Monatsnamen ein. Das Geburtstagskind geht gegen den Uhrzeigersinn so oft um den Kreis, wie es alt geworden ist. Dabei werden Erlebnisse und Besonderheiten aus seinem bisherigen Leben aus dem Geburtstagsbuch gezeigt und vom Kind erzählt.

Weiterführende Literatur:

Ela Eckert, Ingeborg Waldschmidt Hrsg.): Kosmische Erzählung in der Montessori-Pädagogik. Münster 2. Aufl. 2007

Thomas Helme / Petra Wöbcke-Helme: Praxisbuch Kosmische Erziehung. Freiburg 2016

Die astronomische Erklärung der Jahreszeiten übernimmt ein anschauliches Experiment:
In der Mitte des Tuches steht eine Lichtquelle als Sonne, auf einem Erdteil-Globus (siehe Montessori-Material) wird eine kleine Puppe befestigt (Wohnort). Unter den Globus kleben wir einen Papierpfeil (Pfeil zeigt bei diesem Versuch immer in die gleiche Richtung, die hohe Sockelhälfte muss im Winter zur Sonne weisen). Wir beginnen mit der Reise und bewegen uns mit dem Globus von Perle zu Perle. Dabei drehen wir den Globus einmal gegen den Uhrzeigersinn um seine Achse – ein ganzer Tag ist vergangen. 

Beginnt eine neue Jahreszeit, halten wir inne und messen die Kraft der Sonne mit einem dünnen Faden – Abstand von Lichtquelle zur aufgeklebten Puppe. Das Ergebnis wird notiert. Wir fahren fort. Ergebnis der Messerungen: Trifft der Sonnenstrahl das Püppchen auf den Kopf, erlebt es eine starke Kraft und viel Wärme durch die Sonne. Bei seitlichem Auftreffen entfaltet der Strahl nur eine schwache Kraft und wenig Wärme. Um den zyklischen Ablauf zu verdeutlichen, beginnen wir mit einem zweiten Umlauf.

Weitere Versuche, die die Kinder selbstständig durchführen können:

  • Das Püppchen wird in die Mitte des afrikanischen Kontinentes geklebt. Wie sieht hier die Sonneneinstrahlung aus?
  • Das Püppchen wird auf den südamerikanischen Kontinent, auf Australien usw. geklebt. Wie sieht es dort mit der Sonneneinstrahlung aus?

In der tätigen Auseinandersetzung mit dem Material machen die Kinder so selbstständig Entdeckungen und knüpfen an ihre Erfahrungen an. Die Arbeit mit dem Jahreskreis ist dafür ein gutes Beispiel, an dem sich weitere Themen anschaulich darstellen und mit anderen Lerninhalten fächerübergreifend verbinden lassen.

Christine Strecker

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