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Montessori

Vom begreifbaren Handeln zum abstrakten Denken

Montessori-Material spricht alle Sinne an. Schüler können Zahlen, Maße und Größen sehen und anfassen. So wird Mathematik fast spielerisch begreifbar. Vom konkreten Umgang führt das Material schrittweise zum abstrakten Denken und Arbeiten.

Montessori: Vom begreifbaren Handeln zum abstrakten Denken Sehr anschaulich: Montessori-Material, um sich die Welt der Zahlen zu erschließen © Ingrid Sauer

„Aha, jetzt habe ich das erst richtig verstanden“, sagt ein Kursteilnehmer. „Das gibt es doch nicht, ich habe mir das viel komplizierter vorgestellt“, kommentiert ein anderer und überlegt: „Wenn ich dieses Material in meiner Schulzeit gehabt hätte …“ Ein Dritter will es gleich ausprobieren: „Das möchte ich unbedingt meinen Schülern zeigen!“

Diese Aussagen höre ich bei unseren Fortbildungen zur Montessori-Pädagogik von den Teilnehmern immer wieder, ganz besonders im mathematischen Bereich. Erstaunen darüber, wie leicht verständlich, fast spielerisch sich die Schüler durch die Beschäftigung mit Montessori-Material die wichtigen Kompetenzen wie Mengenerfassung, mathematische Ordnungssysteme, Strukturen und Rechenoperationen aneignen.
Die Mathematik-Materialien sind so konzipiert, dass z. B. die Maße und Größen wissenschaftlich exakt festgelegt sind, systematisch aufeinander aufbauen und vom konkreten, begreifbaren Handeln schrittweise zum abstrakten Denken führen. 

Das Kind gewinnt Einsichten selbst

Nach Maria Montessori baut sich das Wachstum des mathematischen Wissens in der Grundstufe in drei Stufen auf. Um dem Kind den Zugang zur Mathematik zu erleichtern, stellt sie auf jeder der drei Stufen die geeigneten Materialien bereit. Es handelt sich hierbei um Entwicklungsmaterialien, d. h. das Kind gewinnt selbstständig und im handelnden Umgang Erfahrungen und Einsichten. Mathematik sieht Montessori als Mittel, das Kind zum präzisen Denken und Arbeiten zu führen. Sie spricht von der Existenz des „mathematischen Geistes“, der sich beim Kind zeigt, sobald es zu vergleichen, zu ordnen, zu zählen und zu messen beginnt. (vgl. Sauer, Ingrid/Strecker, Christine: Mathematik von Anfang an be-greifen. Augsburg, 1. Auflage 2018, S. 5).

Die Abstraktion erfolgt in mehreren Stufen

Zunächst geht es um Mengen und Zahlen von 1 bis 10. Zehnerergänzungen werden z. B. mit den „Numerischen Stangen“ präsentiert. Das sind verschieden lange Holzstangen mit roten und blauen Abschnitten. Die kleinste Stange repräsentiert die Eins, die größte die Zehn. Damit lösen die Schüler im Anfangsunterricht erste Aufgaben wie 6 + 4 = 10 oder 10 – 3 = 7. 

Mit dem „Streifenbrett zur Addition und Subtraktion“, bei dem blaue und rote Zahlenstreifen aneinandergelegt werden, gelingt der Zehnerübergang. Die geometrische Darstellung macht den Übergang sichtbar und erleichtert das Arbeiten.

In der zweiten Stufe erfolgt die dezimale Organisation und Quantität der Stellenwerte mit dem „Goldenen Perlenmaterial“.  Durch Einer-Perlen, Zehner-Perlenstäbe, Hunderter-Perlenplatten und Tausender-Perlenkuben lassen sich Rechenoperationen mit Ergebnissen bis 9999 bereits zu Beginn der Grundschulzeit lösen, ohne die Schüler dabei zu überfordern. So wird schon in der ersten Klasse der Zahlenraum bis 1000 eingeführt. 

Mit Einsatz der „Rechenrahmen“ und des „Markenspiels“ in der nächsten Abstraktionsstufe gelingen dem Grundschüler die Grundrechenarten. Die Kategorien Einer, Zehner, Hunderter werden in den Farben Grün, Blau und Rot als Perlen oder Markenplättchen aus Holz dargestellt. Die Farben wiederholen sich bei Tausender (grün), Zehntausendern (blau) und Hunderttausender (rot) und setzen sich bei den großen Zahlen fort.

Schritt drei beinhaltet die nächste Abstraktionsstufe: den Übergang zum reinen Zahlenrechnen. Hier wird ohne spezielles Material gearbeitet. Weiterführend entwickelte Maria Montessori Material zur Geometrie, z. B. zum Satz des Pythagoras etc.

Schönes Material animiert zum Lernen

Jedes Material ist nur einmal vorhanden. Wer damit arbeiten möchte, muss gegebenenfalls warten. So werden soziales Lernen, gegenseitiges Helfen und Rücksichtnahme gefördert. Die Materialien stehen den Schülern frei wählbar in offen zugänglichen Regalen zur Verfügung. Sie sind ästhetisch ansprechend gestaltet in Farbe, Form und Material, also von guter Qualität, die zum Lernen animiert. Der Lehrer sollte darauf Wert legen, dass die Schüler behutsam, pflegend und sachgerecht damit umgehen.

Durch Isolation der Schwierigkeit oder einer Eigenschaft, wie z. B. Beschaffenheit, Gewicht, Form oder Größe soll Klarheit erreicht werden, z. B. indem sich die numerischen Stangen nur in ihrer Größe unterscheiden. 

Die Möglichkeit zur Selbstkontrolle erlaubt dem Schüler, seine Arbeit selbst zu überprüfen. Legt der Schüler etwa die Ziffern zu den numerischen Stangen, kann er anschließend die roten und blauen Abschnitte zählen und seine Zuordnung damit kontrollieren. Er wird unabhängig und lernt dabei, sich selbst einzuschätzen.

Lehrkräfte sind in der Montessori-Pädagogik Ansprechpartner und Begleiter der Schüler. Sie bereiten die Lernumgebung vor und beobachten, um den Schülern bei Bedarf die richtige Hilfe anzubieten. Sie geben den Schülern eine Einführung in das jeweilige Material und erklären ihnen, wie sie damit selbstständig arbeiten können. Sie unterstützen bei der Lösungsfindung und regen die Kinder an, eigene Methoden zu entdecken, um ihre Lernziele umzusetzen.

Ingrid Sauer

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