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Natur als Lernort

Auf Entdeckungsreise im Schulgarten

Was Pflanzen brauchen, erfahren Schüler am besten, wenn sie selbst säen, beobachten und ernten dürfen. Im Schulgarten, aber auch in Wald und Feld kann der Lehrer mit seinen Schülern auf Entdeckungsreise gehen. Und nebenbei dazu beitragen, dass Schüler die Natur schätzen lernen.

Natur als Lernort: Auf Entdeckungsreise im Schulgarten Den Kreislauf der Natur entdecken die Kinder am besten, indem sie selbst Kräuter aussäen und das Wachstum der Pflanzen beobachten © animaflora - Fotolia.com

„Ist der Samen tief genug in der Erde?“, erkundigt sich Leon bei seiner Mitschülerin Lina. Sie gießt gerade ihre Sämereien. Nach Frühlingsbeginn und dem Ende der Nachtfröste haben die Schüler der Klasse 3 einen Schulgarten angelegt. Neben schnellwachsenden Samen wie Kresse haben sie auch Salat- und Blumensamen in die Erde gestreut und warten auf die Keimung der Pflanzen. Anders als im Klassenraum sind die Schüler im Schulgarten viel konzentrierter und eifriger bei der Sache: Sie säen aus, schreiben Schilder, hacken und jäten Unkraut. Sie freuen sich auf die Zeit draußen.

Begleitet wird das handlungsorientierte Vorhaben in der Natur durch theoretische Aspekte im Schulhaus. Hier lernen die Schüler alles über das Gärtnern: Pflanzennamen, -teile, -pflege und was Pflanzen zum Wachsen brauchen. Während bei Lina schon erste Keimlinge ihrer Kresse ans Licht kommen, muss sich Leon mit seinem Salat noch gedulden. Ihre Erträge wollen die Schüler sowohl selbst kosten als auch den Mitschülern in der Pause zum Probieren anbieten. Dazu haben sie bereits Schilder zu ihren Pflanzen mit Informationen angefertigt.

Pflanzen sammeln und bestimmen

„Welche Pflanzen gibt es?“, fragt die Sachunterrichtslehrerin der Klasse 3. Die Schüler kennen aus dem 2. Schuljahr bereits Frühblüher, wissen aber auch, dass es Bäume gibt und sich sowohl Wildblumen als auch Nutzpflanzen zum Verzehr eignen.

Um ihre Pflanzenkenntnisse zu erweitern, bekommen die Schüler Bestimmungsbücher, mit denen sie im weiteren Unterricht zu den Gärten der Nachbarn, zu einer wilden Wiese und in den Wald gehen. Alle im Bestimmungsbuch gefundenen Pflanzen zeichnen die Schüler auf mitgebrachtes Papier und schreiben die Namen dazu.

In der Schule können sie dann eine Sammlung zu den verschiedenen Kategorien anlegen:  Nutzpflanzen, unterteilt in Obst, Gemüse und Getreide, Bäume, Wildblumen, Frühblüher etc. Dabei entstehen einige Diskussionen wie „Ist Zucchini jetzt Obst oder Gemüse?“, „War es jetzt der Ahorn oder die Linde mit den gezackten Blättern?“ Fragen, deren Antworten  recherchiert werden müssen.

Pflanzen brauchen Licht und Wasser

Handelnd und experimentell erfahren die Schüler, was Pflanzen zum Wachsen benötigen. So rufen Lina und Sina am Salatbeet: „Kommt mal her, der Salat von Leon ist total vertrocknet!“ Wie sich herausstellt, hat Leon vergessen, ihn zu gießen. Schnell ist den Mitschülern klar, dass Pflanzen zwingend Wasser zum Leben brauchen. Über Maximilians Bohnensamen haben die Schüler eine Kiste mit Löchern gestülpt. Unglaublich: Die Bohnenstangen kommen sogar an der Seite durch die Löcher ans Licht. Klar also, dass Pflanzen Licht zum Wachsen und Gedeihen brauchen. Bereits von den Frühblühern wissen die Schüler, dass sie außerdem Nährstoffe benötigen, die sie in Zwiebel, Knolle und Wurzelstock gespeichert haben oder über die Wurzeln aus der Erde beziehen.

Den Kreislauf der Natur entdecken

Pflanzen dienen dem Menschen in Form von Obst, Gemüse und Getreide als Nahrung. Aber viele Blumen halten auch Nektar für Insekten bereit. Die Insekten wiederum sind wichtig für die Bestäubung von Obstbäumen. Dieser Kreislauf ist für die Schüler wichtig zu erfahren. Auch dass die Luft durch Pflanzen gereinigt wird und eine Lebensgrundlage für alle Lebewesen darstellt, verstehen bereits Grundschüler. Die Natur hat alles perfekt eingerichtet.

Die meisten Schüler lieben es, im Element Erde zu buddeln und etwas einzupflanzen. Das kommt der Beschäftigung mit Pflanzen zugute. Besteht in der Schule nicht die Möglichkeit zur Anlegung eines Schulgartens, so können Keimlinge auch in Hochbeeten, Margarinebechern oder Töpfen gepflanzt, beobachtet und versorgt werden. Besonders spannend ist es beispielsweise, Kartoffeln in einer durchsichtigen Kiste anzupflanzen und so Einblicke in das Erdreich und das Wachstum von Wurzeln zu bekommen.

Erfahrungen sollten Schüler aber auch immer wieder in der Natur machen, um Bienen bei ihrer Arbeit und das Wachstum der Pflanzen in den Jahreszeiten zu beobachten.

Neben Wiese und Garten kann der Weg auch in den Wald führen. Hier lernen die Schüler die Bäume und Baumarten kennen. Für sie ist es meist erstaunlich, wenn sie die Jahresringe eines Baumes zählen und sich vorstellen, wie lange ein Baum zum Wachsen benötigt. Vielleicht gelingt es auch, einem Forstwirt beim Fällen eines Baumes zuzusehen oder mit einem Förster verschiedene Waldarten zu erkunden.

Ein Tagebuch für einen Baum

Während die Sämereien im Schulgartenbeet wachsen, führen die Schüler ein Wachstumstagebuch, in dem sie eintragen, an welchen Tagen welche Pflanzenteile gekeimt haben, wie schnell sie gewachsen sind und wann sie geerntet wurden.

Als besonderes Vorhaben konnten die Schüler der Klasse 3 im Wald einen Baum pflanzen, den sie ebenfalls beobachten können. Im Baumtagebuch notieren sie, wann der Baum Blätter bekommt, wie hoch er ist und wann er die Blätter verliert. Außerdem halten die Schüler die Beobachtungen der verschiedenen Jahreszeiten mit Fotos in ihrem Baumtagebuch fest.

Die ganze Schulgemeinde kann am Unternehmen Schulgarten teilhaben, wenn die Schüler ihre Nutzpflanzen zum Verkosten anbieten. So gibt es mal Kressebrot, mal Salat oder Erdbeeren. Oft stehen auch frische Blumen in den Klassen.

Im Sommer, zur Erntezeit des Getreides, hat sich die Klasse schließlich bei einem Landwirt angemeldet. Er geht mit den Schülern durch seine Felder und zeigt ihnen die Getreidesorten und die Erträge von Roggen-, Hafer-, Gerste-, Weizen- und Maispflanzen.

Nachdem die Schüler dann mit dem mitgebrachten Weizen- und Roggenmehl noch Brot gebacken haben, wollen sie sich zur Frühstückspause eigentlich immer selbst versorgen.

Auch der Pflanzenschutz und die Vermeidung der schädlichen Pflanzenschutzmittel liegen ihnen nach den Erklärungen des Biobauern am Herzen. – Wenn sie auch öfter ihren Salat oder eine Erdbeere im Beet mit einer Schnecke teilen müssen.

Marion Keil

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