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Natur als Lernort

Die Natur als lebendiger Klassenraum

Die Natur bietet Kindern einen idealen Lernort. Sie können ungehindert spielen und gleichzeitig mit allen Sinnen lernen. Überall gibt es Tiere und Pflanzen zu entdecken. Spontan und kreativ entwickeln die Schüler ihr eigenes Lernprogramm, das der Lehrer ebenso spontan aufnehmen und nutzen kann.

Natur als Lernort: Die Natur als lebendiger Klassenraum Es gibt viel zu entdecken im Wald — und alle Sinne spielen mit © mashiki - Fotolia.com

„Gehen wir heute in der Bewegungsstunde wieder raus zum Wald?“, fragt Klaus seine Lehrerin. Wie er möchten auch seine Mitschüler noch einmal in den Wald gehen und in der Natur spielen. Doch was fasziniert Kinder so sehr an Wald, Bach und Wiese? Sicher in erster Linie die Tatsache, dass der Wald viele Möglichkeiten zum Verstecken bietet und die Kinder sich hier frei fühlen. Durch die Regel, dass die Schüler so weit gehen dürfen wie sie die Lehrerin noch sehen können, ansonsten aber ohne Aufgabe oder Anleitung frei spielen dürfen, entsteht ein Raum ohne Kontrolle für sie. Die Natur fördert eine spontane Kreativität und bereits nach kurzer Zeit sieht man Kinder morsche Baumstämme umherschleppen, fangen oder verstecken spielen. Andere suchen im Laub nach Tieren und wieder andere versuchen sich im Klettern. Noch unschlüssig herumstehende Kinder werden schnell mitgerissen: „Guckt mal, was ich hier gefunden habe!“ Schon sieht man alle Kinder zu besagtem Baum rennen, weil sie daneben einen Fuchsbau vermuten.

Alle Sinne dürfen mitspielen

In der Natur brauchen Kinder keine Spielsachen oder Spielgeräte, denn vielfältige Naturmaterialien regen zum Spielen an. Es muss nichts aufgeräumt werden, und es gibt vielfältige Möglichkeiten zur Bewegung, zum Sehen, Anfassen und Riechen. Die Schüler machen durch das Klettern, Rennen, Balancieren, Waten etc. nicht nur motorische Erfahrungen, sie sind auch mit allen Sinnen dabei — wenn sie ins Laub fassen, über die Rinde eines Baumes streichen, ein Gänseblümchen berühren oder im Sommer mit nackten Füßen über Gras oder in einem Bächlein laufen.

Naturschauspiele wie Sonnenuntergang, Meer, Waldlichtung, Bachlauf laden zum Verweilen und Schauen ein. Ihnen wird eine stressmindernde Wirkung zugeschrieben. Genau dies spricht auch die Schüler an, wenn sie ohne Reizüberflutung sehen und staunen. Extrem konzentriert erlebt man als Lehrer bereits Grundschulkinder, wenn sie auf das Rufen des Kuckucks hören oder das Röhren eines Hirsches vernehmen. Diese Erfahrungen bieten einen Ausgleich zum immer stärker mit Medien und Hektik überfluteten Alltag, den auch Erwachsene bei einem Spaziergang oder Picknick in der Natur oft suchen.

Wald und Wiese wecken die Kreativität

Für Lehrer und Pädagogen ist es wichtig, diese Erfahrungen mit der Natur zu fördern und zuzulassen. So sollten die Schüler auch einmal frei spielen dürfen. Schule hat meist den Anspruch, immer etwas anbieten zu müssen. In der Natur dagegen entstehen kreative Ideen wie von selbst. Wer sich zuerst langweilt, lässt sich bald von den vorhandenen Materialien und Möglichkeiten mitreißen. Der Lehrer sollte deshalb keine Spiele anbieten, sondern die Kinder einfach machen lassen und sie beobachten.

Zuvor sollten allerdings bestimmte Regeln festgelegt werden: „Nicht weiter als zum Weg/zur Bank/bis Sichtweite laufen!“ Und: „Keine Äste oder Pflanzen abreißen!“ Außerdem: „Keinen Mitschüler ausschließen!“ Sinnvoll ist es auch, den Naturgang zuvor mit den Eltern abzusprechen bzw. anzukündigen, damit die Schüler der Wetterlage entsprechend gekleidet sind. Für viele Schüler ist es besonders reizvoll, einfach mal dreckig oder nass werden zu dürfen. Eine tolle Erfahrung, vor der sie heute viel zu sehr beschützt werden, wenn Eltern befürchten: „Du fällst da runter / du machst die Schuhe nass / die Hose wird dreckig!“ Da hilft die Ansage: „Wechselkleidung mitbringen!“ So können sich die Schüler nach dem Spielen umziehen.

Pflanzen und Tiere beleben den Unterricht

Sicher werden die Schüler beim freien Spielen in der Natur auf viele Naturphänomene selbst aufmerksam werden, die ihre Berechtigung im Grundschulunterricht finden.

Zu nennen sind zunächst die Pflanzen. Gerade im Frühling und Sommer beginnt alles zu sprießen und zu gedeihen. Auf der Wiese, im Garten und im Wald kann man verschiedene Pflanzen finden, die in der Schule näher betrachtet werden können.

Sehr spannend sind für alle Kinder die Tiere, die in Wald, Wiese und Laubstreu wohnen. Hier gilt es ebenfalls mehr über Nahrung, Verhalten, Lebensraum etc. herauszufinden.

Doch auch die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft sind erwähnenswert. Eine Einheit zum Thema „Wasser“, „Wetter“, „Schulgarten“ oder „Feuer“ bieten sich mit Erfahrungen in der freien Natur an.

Zudem kann noch der Raum erkundet werden. Gerade in letzter Zeit ist die moderne Schatzsuche „Geocaching“ extrem erfolgreich. Bei einer Kompasswanderung können Schüler ebenfalls Erfahrungen zu Raum und Orientierung machen.

Mit den Elementen in Berührung kommen

Neben der selbstständigen Naturerfahrung ist es bei allen Unterrichtseinheiten im Sachunterricht sinnvoll, diese handlungsorientiert aufzubereiten. Die Schüler sollen mit allen Elementen in Berührung kommen, rausgehen und Erfahrungen sammeln können. Nur so werden sie mit der Natur vertraut und es wird ihnen ein Anliegen sein, ihre Umwelt zu schützen. Hat die Schule im Umfeld keine Wiese, keinen Bach oder keinen Wald, so lohnt sich die Fahrt dorthin, denn nur vor Ort können die Schüler die Erfahrungen mit allen Sinnen machen.

Ein erstaunlicher Nebeneffekt ist in freier Natur, dass der Lehrer seine Schüler ganz anders erleben kann. Selbst hyperaktive und verhaltensauffällige Schüler werden in der freien Umgebung viel ruhiger, konzentrierter, interessierter und entspannter. Die Natur muss daher für alle Schüler neben dem Klassenraum ein wichtiger Lernort sein.

Marion Keil

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