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Personale Kompetenz

Gute Selbstkenntnis fördert das Miteinander

Die personale Kompetenz fördert Selbstwahrnehmung, Selbstkonzept und Selbstregulierung. Sie trägt damit wesentlich zur Ausbildung der Persönlichkeit bei. Davon können Schüler in allen Fächern profitieren.

Personale Kompetenz: Gute Selbstkenntnis fördert das Miteinander Ein Kind gewinnt Selbstbewusstsein, wenn es zeigen kann, was es bereits gelernt hat © Picture-Factory - Fotolia.com

„Können wir heute wieder selbst aussuchen, welche Aufgaben wir noch üben müssen?“, fragt Max vor dem Unterricht. Max genießt den Freiraum, sich selbstständig Aufgaben auswählen zu dürfen, um sich für die bevorstehende Klassenarbeit vorzubereiten. Durch genaue Absprachen zu den Aufgabenformaten und -inhalten kann er sich aus Arbeitsblättern und Material im Klassenraum die noch benötigten Aufgaben selbst zusammenstellen oder mithilfe des Lehrers oder der Mitschüler Aufgaben wiederholen. Dieses eigenverantwortliche Handeln ist Ziel der personalen Kompetenz: Schüler sollen Fähigkeiten, Einstellungen und Haltungen erwerben, die es ihnen ermöglichen, selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu handeln. Die personale Kompetenz wird unterschieden in Selbstwahrnehmung, Selbstkonzept und Selbstregulierung. 

Die eigenen Stärken und Schwächen erkennen

Im Bereich der Selbstwahrnehmung sollen die Lernenden zunächst ihre Interessen und Gefühle wahrnehmen. Dies kann durch die Beschreibung von Gefühlsbildern im Abgleich mit dem eigenen Gefühlszustand erreicht werden. Auch durch ein Selbstportrait und die Beschreibung von Hobbys können Schüler ihre Interessen verdeutlichen und artikulieren. Sind die eigenen Interessen, Stärken und Schwächen klar, so können die Schüler sie auch realistisch einschätzen. Das kann durch Selbsteinschätzungsbögen zu verschiedenen Lernbereichen oder ein Lerntagebuch geschehen. 

In Eltern-Lehrer-Kind-Gesprächen und durch die Rückmeldungen des Lehrers im Unterricht kann die Selbsteinschätzung mit der Fremdeinschätzung verglichen und relativiert werden. Hier ist es hilfreich, im Bereich der Schwächen Zielvereinbarungen des Kindes mit den Eltern und dem Lehrer festzulegen, die nach einem vereinbarten Zeitraum von beispielsweise drei Monaten evaluiert und gegebenenfalls erneuert werden. 

In der Klasse erfährt der Schüler immer wieder eine Rückmeldung seiner Fähigkeiten beispielsweise durch Feedback in Form von Lob und Tipps durch die Mitschüler bei Referaten, Präsentationen und zu Unterrichtsbeiträgen. All diese Rückmeldeformen stärken seine realistische Selbsteinschätzung. 

Freies und angeleitetes Spiel mit Musik und Tanz, Rollenspielen o. Ä. fördert zudem die Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten im Bereich der Selbstwahrnehmung. Durch Erfahrung und Rückmeldungen sowie offene Aufgabenstellungen fördert der Lehrer immer wieder die Selbstständigkeit der Kinder. 

Selbstkonzept für einen klaren Standpunkt

Damit Schüler mit Selbstvertrauen an die Lösung von Problemen herangehen, bedarf es positiver Erfahrungen im Vorfeld. Hier kann der Lehrer zuvor Problemlösestrategien besprechen und vermitteln: Hilfe holen bei Unverständnis, Material benutzen, Beispielaufgaben und Erklärungen anschauen, Experten unter den Mitschülern oder mediale Informationsquellen nutzen etc. Werden diese Strategien eingeübt, sind sie im Bedarfsfall von den Schülern abrufbar. Für das Selbstkonzept ist außerdem die positive Ansprache und die Motivation durch Lehrer und Mitschüler extrem wichtig. 

Bereits in der Grundschule soll der Lehrer die Schüler dazu ermutigen, ihre Meinungen zu formulieren und ihre Interessen zu vertreten. Dazu brauchen sie die Kommunikation miteinander, die durch Gesprächsregeln strukturiert ist. In einer vertrauensvollen Atmosphäre und einem angstfreien Raum können die Schüler dann ihre Meinung sagen. Hier muss klar sein, dass dies jedem Schüler erlaubt ist und auslachen oder unerwünschte Kommentare untersagt sind. Nur so kann der Lehrer einen geschützten Rahmen in der Klasse initiieren. Schon bald werden rege Diskussionen zu verschiedenen Themen wie beispielsweise Kinderrechten, Haustiervorlieben etc. stattfinden. 

Demokratische Formen wie Klassenrat oder Kinderkonferenz unterstützen die Ausbildung der eigenen Meinung und fordern Schüler dazu auf, ihre Meinung zu äußern, aber auch  demokratische Abstimmungen zu akzeptieren und den vertretenen Standpunkt nach einer gewissen Zeit zu reflektieren, zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern. 

Wichtig für das Selbstkonzept ist außerdem, dass Schüler daran glauben, mit eigener Anstrengung ein Ziel verfolgen und erreichen zu können. Auch hierbei kann der Lehrer mit positiven Lernerfahrungen durch Motivation und Zuspruch sowie realistischen Zielabsprachen — auch mit den Eltern — helfen. In der Regel sollte der Lehrer hier mit Zielen starten, die vom Schüler schnell und sicher zu erreichen sind. Mit dem Erfolg können die Ziele schwieriger werden.

Gefühle und Wünsche äußern und respektieren

Im Bereich der Selbstregulierung ist es wichtig, eigene Wünsche und Bedürfnisse formulieren und äußern zu können. Können die Schüler über ihre Gefühle und ihre Wünsche sprechen? Im Erzählkreis am Morgen kann der Lehrer sie fragen: „Wie geht es dir, was wünschst du dir für den heutigen Tag?“ So könnte ein Schüler beispielsweise antworten, dass er traurig ist, weil es seinem Haustier nicht gut geht und er sich wünscht, dass der Tierarzt ihm nachmittags helfen kann. Bei älteren Schülern könnte der Lehrer die Fragen auf den Unterricht lenken und Antworten herausfordern, z. B. „Mir geht es heute nicht so gut, weil ich die Hausaufgaben gestern nicht verstanden habe und ich würde mir eine Erklärung durch meine Lehrerin wünschen“. 

Die Schüler lernen, dass der angemessene Ausdruck ihrer Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse anderen hilft, empathisch zu reagieren und dafür sorgt, dass man selbst Wünsche und Bedürfnisse anderer respektiert. In diesem wertschätzenden Rahmen kann auch Kritik besser angenommen werden. Die Schüler können ihre Lernprozesse und Lernergebnisse intensiver reflektieren und sich selbst weiter reichende Ziele setzen. 

Wird die personale Kompetenz in allen Bereichen und in allen Fächern immer wieder explizit gefördert, so können sich die Schüler nicht nur in ihren Lernprozessen, sondern auch in ihrer Persönlichkeit immer selbstverantwortlicher und selbstständiger entwickeln.

Marion Keil

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