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Personale Kompetenz

Positives Selbstkonzept macht das Lesen und Schreiben leichter

Zur personalen Kompetenz gehört ein positives Selbstkonzept. Wenn Schüler eigene Interessen entdecken und Gefühle wahrnehmen dürfen, hilft der Lehrer nicht nur beim Lesen- und Schreibenlernen. Er motiviert auch zu besserem Leseverständnis und kreativem Schreiben.

Personale Kompetenz: Positives Selbstkonzept macht das Lesen und Schreiben leichter Es ist ein positives Erlebnis, wenn man seinen Mitschülern zeigen darf, wie gut man schon lesen kann © Picture-Factory - Fotolia.com

„Können wir heute an unseren Plakaten weitermachen?“, fragt die Erstklässlerin Anna ihre Klassenlehrerin. Sie möchte gern auf ihrem „Ich-bin-ich“-Plakat ihre Interessen und Eigenschaften weiter gestalten. Nach ihrem Namen haben die Schüler im Deutschunterricht bereits ihr Lieblingstier, ihr Lieblingswort, ihr Lieblingsessen, ihren Lieblingsfreund, ihr Lieblingsfach und ihr Lieblingshobby auf dem Plakat notiert und illustriert. Wer an der Klassenwand vorbeigeht, kann von jedem Kind der ersten Klasse schon einiges erfahren. Doch die Schüler haben immer mehr Ideen: ihre Familie, ihr Urlaubsziel und ihr Lieblingslied sind auch noch wichtig und müssen unbedingt notiert werden. 

Durch diese Präsentation der Interessen lernen sich die Schüler nicht nur untereinander besser kennen und respektieren, sie nehmen auch ihre eigenen Interessen wahr. Zum Abschluss der Einheit befestigt jeder Schüler noch eine Gefühlsampel auf seinem Plakat, damit er seinen täglichen Gefühlszustand markieren kann. Im Sitzkreis erklären sie: „Mir geht es heute nicht so gut, weil ich schlecht geschlafen haben“ oder „Ich bin heute fröhlich, weil ich am Nachmittag ins Schwimmbad gehe“ etc. So wird die Selbstwahrnehmung selbst verbalisiert und die Mitschüler können lernen, darauf empathisch zu reagieren. 

Daumen hoch für die Selbsteinschätzung

Bereits jüngeren Schülern gelingt es neben dem Wahrnehmen von Gefühlen und Interessen, ihre Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen. Am einfachsten gelingt das durch die Abfrage mit dem Daumen: „Wer die Geschichte gut verstanden hat, dreht den Daumen der Hand nach oben,“ erläutert der Lehrer, „wer die Geschichte nochmal durchschauen möchte, dreht den Daumen in die Mitte und wer die Geschichte nochmal lesen möchte, um alles zu verstehen, dreht den Daumen nach unten“. So wird in der Klasse schnell deutlich, wie die Schüler sich selbst zum Leseverständnis einschätzen. Der Lehrer kann wertfrei darauf reagieren und Schülern mehr Zeit geben bzw. leistungsstarke Schüler mit weiterem Lesematerial versorgen. Durch diese offene und kritikfreie Form lernen die Schüler schnell, dass sie für sich Hilfen, mehr Zeit oder einfacheres Material einfordern können, um im Leseprozess Fortschritte zu machen. Erweitert wird die Selbsteinschätzung später durch Selbsteinschätzungsbögen, in denen die Schüler anhand von Bildern zum Lesen, Schreiben, der Druckschrift etc. ihre Fähigkeit beim entsprechenden Smiley (lachend für „super“, neutral für „geht so“ und traurig für „kann ich noch nicht“) ankreuzen und anschließend gemeinsam mit dem Lehrer reflektieren können. 

Größere eigene Gestaltungsmöglichkeiten haben die Schüler beim Geschichtenschreiben. Hier können und dürfen sie immer längere und kreativere Texte verfassen und die Geschichten auch kreativ in Form von Rollenspielen, Dialogen etc. umsetzen. Beim Leseprozess helfen zunächst Bilderbücher, die die Schüler weiterdenken, szenisch umsetzen oder kreativ gestalten können. Später kann ein Lesetagebuch die Aufgaben vielfältig erweitern. Selbstständigkeit erwerben Schüler im Schreibprozess, indem sie eigene lautgetreu geschriebene Wörter immer mehr durch Rechtschreibstrategien überprüfen und verbessern. 

Beim Lesen und Schreiben Strategien entwickeln

Die Schüler brauchen Schreib- und Leseerfahrungen, um mit Selbstvertrauen an Lösungen herangehen zu können. Für das korrekte rechtschriftliche Schreiben werden in Stufen Rechtschreibstrategien eingeführt, z. B. Silben weiterschwingen, Wörter verlängern, Wörter ableiten und Merkwörter lernen. Durch eine parallele Erweiterung des Wortschatzes lernen die Schüler, immer mehr Wörter richtig zu schreiben.

Selbstvertrauen benötigen die Schüler auch im Leseprozess. Manche von ihnen raten mehr als sie lesen. Diese Textrater sollte der Lehrer bereits zu Schulbeginn herausfiltern, um ihnen Hilfen in Form von silbenmarkierten Texten, größeren Buchstaben und kürzeren Texten anzubieten. Durch positive Ansprache und Lob werden sie schnell Erfolge verzeichnen können und Freude am Lesen finden. 

Damit Schüler ihre eigene Meinung ausbilden und mitteilen können, kommt dem Kompetenzbereich „Sprechen und Zuhören“ im Deutschunterricht eine wichtige Bedeutung zu. Hier bieten sich ebenfalls Geschichten an, in denen die Schüler sich in die Rolle von Personen versetzen können. Geschichten laden dazu ein, im Rollenspiel in andere Rollen zu schlüpfen, das Verhalten der Personen zu analysieren und zu reflektieren und immer wieder mit den Mitschülern in den Dialog zu treten.

Realistische Ziele für den Erfolg

Auch in anderen Fächern fordern Lese- und Sachtexte die Schüler immer wieder zur Beantwortung von Fragen und zu eigenen Stellungnahmen heraus. In Lesestufe 3 geht es um das Übertragen der Inhalte eines Textes auf die eigene Lebenswirklichkeit. Hier müssen die Kinder überlegen und argumentieren, warum ein Haustier für sie infrage kommt oder nicht. Oder: Ob sie wie die Person im Buch gehandelt hätten und warum. 

Neben inhaltlichen Aspekten spielt hier immer wieder die positive Lernerfahrung eine Rolle. Schüler sollten daher nicht durch zu lange Texte oder Schreibsequenzen überfordert werden, um die Beschäftigung mit der Schrift nicht negativ zu besetzen. Eine frühe Diagnostik der Lesefähigkeit beim Zusammenschleifen der Buchstaben zunächst zu Silben, dann zu Wörtern, bestenfalls im Vorlesen für den Lehrer, ist hier sinnvoll. Der Lehrer kann das Leseverständnis durch Bild-Wort-Zuordnungen, später durch Stolperwörtertexte, bei denen in jedem Satz ein überflüssiges Wort steckt, erforschen. 
Nur wenn das Selbstkonzept stimmt und die Schüler realistische Ziele für das Lesen und Schreiben haben, können sie ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse angemessen mitteilen und ohne Angst vor Kritik oder Misserfolg ihre Ziele motiviert verfolgen.

Marion Keil

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