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Portfolio-Arbeit

Sprachportfolio als „work in progress“

Ein Sprachportfolio begleitet nachhaltig das Sprachenlernen. Es wird permanent aktualisiert, illustriert anschaulich Leistungen und Lernfortschritte und hilft Schülern bei der Selbsteinschätzung.

Portfolio-Arbeit: Sprachportfolio als „work in progress“ Zum Thema Säugetiere erstellen die Schüler Materialien für ihr Englisch-Portfolio. Das dürfen auch gemalte Bilder sein © Africa Studio - stock.adobe.com

Ein Portfolio ist eine Sammelmappe, in der Dokumente gesammelt werden, die individuelle Bemühungen, Fortschritte und Leistungen des Lernenden nachweisen. Für die Schüler dient sie dazu, die eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse präsentieren zu können. Merkmal eines jeden Portfolios ist, dass es niemals vollständig, sondern stets dem Prozess des Lernens verhaftet ist und damit permanent aktualisiert und ergänzt wird. Es kann für jedes Fach angelegt werden.

Im Englischunterricht dient das Portfolio dazu, den Schülern den Prozess des Lernens zu verdeutlichen. Es unterstützt die Kinder in ihrer Selbsteinschätzung und Reflexion des sprachlichen Könnens. Lernfortschritte werden durch die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Lernen nicht als Willkür, sondern als Ergebnis von Anstrengungen erfahren. Dadurch wird zunehmend eine Lernautonomie erreicht, die dazu beiträgt, Stärken und Schwächen zu erkennen und weitere Lernwege aktiv planen zu können. Nicht zuletzt steigt dadurch die Lernmotivation.

Sprachportfolio mit Schatztruhe

Welche Bestandteile sollte nun ein Portfolio enthalten? Nach Vorgabe des Europarates besteht ein Sprachenportfolio immer aus den drei Bereichen „Sprachenpass“, „Sprachenbiographie“ und „Dossier“.

Im „Sprachenpass“ bekommt man eine Übersicht über die Person, der das Portfolio gehört. Er besteht aus Aussagen zur eigenen Person und zu den Sprachen, die im Umfeld der Person gesprochen und gelernt werden.

Die „Sprachenbiographie“ ist der abstrakteste Teil des Portfolios. Hier werden die Informationen über die Kompetenzbereiche Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben festgehalten. Die Schüler dokumentieren hier immer wieder ihre wahrgenommene Leistung. Mit der Zeit sammeln sie somit anschauliche Hinweise auf ihren eigenen Lernzuwachs, ihre Stärken und Schwächen sowie die Nachhaltigkeit ihres Lernens. Daneben werden individuelle Ziele für den weiteren Lernweg festgehalten und auch Lernstrategien können thematisiert werden.

Das „Dossier“ ist die „Schatztruhe“ der Lernenden und gibt Auskunft über den momentanen Sprachstand. Der Schüler wählt hierfür Arbeitsblätter, Zeichnungen und Dokumente, wie z. B. Aufzeichnungen mündlicher Kommunikation oder von Rollenspielen aus. Wichtig dabei ist, dass die Kinder bewusst Produkte auswählen, die sie für beachtenswert halten.

Daneben können auch Lehrkräfte Arbeitsblätter bereitstellen, die hier eingefügt werden und die Beherrschung von Wortfeldern oder Themenbereichen verdeutlichen.

Der ganz persönliche Lernbegleiter

Wie mache ich Schüler mit dem Sprachportfolio vertraut? Die Einführung des Portfolios kann im Englischunterricht durch eine Unterrichtssequenz vorgenommen werden, in der die Lehrkraft erklärt, was ein Portfolio ist und wie damit gearbeitet wird. Wichtig dabei ist, darauf einzugehen, dass das Portfolio persönliche Dinge des Lernenden sammelt und über eine lange Zeit Lernbegleiter sein wird, sodass die Schüler immer wieder feststellen können, was sie schon wissen, was sie Neues gelernt haben und wie sie noch besser werden können.

Die Gestaltung eines Deckblattes und einer Übersichtsseite über die eigene Person (d. h. des Sprachenpasses) können die Einführung abschließen.

Bewusstes Anleiten zur Reflexion des Lernprozesses

Wie kann ich das Portfolio regelmäßig nutzen? Es bietet sich an, einen bestimmten Tag, z. B. jeden zweiten Freitag oder immer zum Abschluss einer Lerneinheit, eine Unterrichtsstunde für die Portfolioarbeit zu reservieren. In dieser Stunde kann die Lehrkraft die Auseinandersetzung mit der individuellen Arbeit gezielt anstoßen, indem sie beispielsweise im Stuhlkreis mit den Kindern über die gewählten Produkte spricht, sie mit vorausgehender Leistung in Beziehung setzt und die Schüler bewusst dazu anleitet, ihr Lernen zu reflektieren.

Da nicht immer mit allen Schülern ausführlich gesprochen werden kann, bietet es sich zusätzlich an, den Kindern Haftnotizzettel auszuteilen, die diese an das entsprechende Dokument heften und kurz darauf notieren, warum sie es ausgewählt haben. Dies hat den Vorteil, dass die Schüler auch später noch wissen, warum ein bestimmtes Werk den Weg ins Portfolio gefunden hat, so dass sie Lernwege konkreter nachvollziehen können.  

Sollte die Portfolioarbeit benotet werden? Das Portfolio dient dazu, die herkömmliche Leistungsbewertung durch die Selbsteinschätzung der Lernenden zu erweitern. Der Lernprozess steht dabei stark im Vordergrund. Generell gilt deshalb, dass die Selbsteinschätzungen des Kindes nicht benotet werden, um eine ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung nicht zu gefährden.

Britta Klopsch

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