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Projektunterricht

Äpfel — ein Korb voller Unterrichtsideen

Eine herbstliche Entdeckungstour rund um den Apfel: In einer Projektwoche können Schüler mit den Früchten experimentieren, spielen, kochen, basteln, rechnen und vieles mehr, Lernspaß inklusive.

Projektunterricht: Äpfel — ein Korb voller Unterrichtsideen Nicht nur zum Essen eignen sich Äpfel, auch viele spannende Unterrichtsinhalte lassen sich rund um dieses Obst gestalten © nuzza11 - Fotolia.com

Wenn Erwachsene sich an ihre Kindheit erinnern, tauchen immer wieder Apfelbäume auf. Jana Steinberger etwa war 13 Jahre alt, als sie 1955 Albert Schweizer begegnete. Sie lebte in einer Siedlung in Frankfurt, die nach Albert Schweizer benannt ist und von dem berühmten Arzt und Theologen besucht wurde. In der Frankfurter Rundschau erzählt sie, wie die Bewohner der neu erbauten Siedlung in Frankfurt-Dornbusch daraufhin Apfelbäume pflanzten. „Schweitzer meinte (...), dass Kinder Apfelbäume zum klettern [sic!] bräuchten“, deshalb habe er alle Mieter dazu angehalten, Apfelbäume zu pflanzen.
Ansonsten sind Apfelbäume in Städten eher selten. Immer mehr Kinder wachsen dort auf und kennen das Leben auf dem Land mit seinen Freiheiten und mit seiner Naturnähe nur aus Büchern, so lautet der Tenor eines Artikels von Wolfgang Büscher und Freia Peters, der am 10.07.2016 in der WELT unter dem Titel „Sehnsucht nach dem Apfelbaum“ zu lesen war.

Zumindest während einer Woche im Jahr müssen selbst Großstadtkinder nicht auf Apfelbäume verzichten: Bei einem Herbst-Projekt in der Schule machen sich die Schüler auf die Suche nach Apfelbäumen in ihrer Umgebung und erkunden die facettenreiche Frucht in allen Fächern und mit allen Sinnen.

Gesunde Äpfel im Netz

„An apple a day keeps the doctor away.“ Dieser bekannte Satz stimmt tatsächlich: Aktuelle Studien zeigen, dass Äpfel Gefäßerkrankungen vorbeugen (vgl. dazu „Ein Apfel am Tag …“ in dem Magazin Bild der Wissenschaft), den Darm gesund halten und vor vielen Krebsarten schützen.

Wie bringt man aber den Kindern den Gesundheitsaspekt nahe? — Am besten, indem man genauer erklärt, warum Äpfel gesund sind und wogegen sie helfen. Darmkrebs und Herzkreislauferkrankungen werden dabei in diesem Alter wahrscheinlich weniger interessant sein. Der Kidsweb-Gesundheitstipp hingegen schon eher: „Gegen Sommer-Magen-Darm-Erkrankungen hilft eine Mischung aus 1/2 l schwarzem Tee und 1/2 l Apfelsaft“ heißt es auf der Kinderwebsite. Für Kinder übersetzt: Wenn dir im Sommer mal schlecht ist, sorgt dieser Apfeltee dafür, dass du ganz schnell wieder gesund bist und spielen kannst. Rund um ein „Apfel-Spezial“ gibt es auf der genannten Website noch jede Menge weitere Tipps, Anregungen und Materialien.

Projektideen aus dem Apfel-Netz

Das Schulportal der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung widmet dem Thema Apfel eine eigene Microsite mit Anregungen für den fächerübergreifenden Projektunterricht, um bei Schülern die Begeisterung für die überaus gesunde Frucht zu wecken. Lehrer finden hier viele interessante Links und Materialien für den fächerübergreifenden Unterricht in Klasse 2. Ein Arbeitsblatt mit einem „Schülertext“ erklärt den Kindern, warum es sich lohnt, Äpfel zu essen: z. B. Apfelschalentee nimmt die Nervosität und Schlappheit vor Klassenarbeiten, Äpfel helfen gegen Durst und ein Apfel nach dem Essen erspart im Notfall das Zähneputzen. — Das kommt bei den Kids gut an.

Dass das Immunsystem durch den täglichen Apfel mehr Power bekommt, kann man Schülern ab Klasse 4 genauer erklären: Die Website „Medizin für Kids“ erläutert genau, wie sich Wächterzellen, Killerzellen und Makrophagen in unserem Immunsystem ergänzen.

Äpfel im Geschmackstest

Vor dem großen Apfeltest müssen die Schüler erst einmal an die Früchte kommen. Besonders spannend ist es natürlich, wenn man die Testäpfel selbst pflücken darf. Lässt es die Zeit zu, könnte man eine kleine Exkursion zu einem Apfelbauern in der Nähe unternehmen, eine Streuobstwiese besuchen oder sich in der Stadt auf die Suche nach Apfelbäumen machen.

Es geht aber auch leichter: Für eine Apfelverkostung können die Kinder in der Erntezeit verschiedene Apfelsorten mitbringen (Sorte bei den Erwachsenen erfragen oder im Supermarkt notieren), um sie dann in der Klasse zu probieren. Bio-Äpfel sollten unbedingt dabei sein. Eine wichtige Botschaft könnte dabei herauskommen: Makelloses Aussehen von Äpfeln hat nichts mit gutem Geschmack zu tun, im Gegenteil!

Zunächst testen die Kinder den Geschmack der unterschiedlichen Sorten. Auf Verkostungsbögen (verfügbar in der Broschüre Apfel-Schulprojekt: des Südtiroler Apfelkonsortiums) halten sie ihre Geschmackseindrücke fest und vergeben Noten von 1 bis 4. Die Auswertung der Verkostungsbögen führt dann zu einem Klassenranking: „Welcher Apfel schmeckt uns am besten?“ Danach können Äpfel mit besonders charakteristischen Geschmacksrichtungen mit verbundenen Augen probiert und benannt werden.

Jetzt geht es ans Zerlegen der Äpfel. Auch für die Erkundung des Innenlebens eines Apfels liefert die Broschüre Lernmaterialien, differenziert nach Schwierigkeitsstufen für unterschiedliche Jahrgangsstufen oder Leistungsniveaus.

Anschließend untersuchen die Kinder noch den Zusammenhang von Säuregehalt und Braunfärbung bei den unterschiedlichen Sorten im „Apfellabor“: Saure Sorten verfärben sich nicht so schnell, weil sie mehr Vitamin C enthalten. Arbeitsblätter zur „Laborarbeit“ bietet die Website der DGUV (Link s. o.)

Äpfel als Kunstobjekt

Nun kann man Äpfel nicht nur essen und ihr Innenleben erforschen, sondern sie auch als Vorlage und Objekt für kreative Gestaltungsaufgaben verwenden. Beim Basteln des „frechen Apfelraupen-Hängerli“ lernen die Kinder nicht nur Flechten. Sie schneiden, malen, bekleben und arbeiten mit vielen unterschiedlichen Materialien. Dabei bewältigen sie so manche feinmotorische Herausforderung, zum Beispiel bei der Verzierung kleiner Perlen (Raupenköpfe) mit Federn, Fühlern und Wackelaugen. Das gilt auch für das Fädeln einer Apfelkernkette, für die man Geduld, Nadel und Faden und viele, viele Apfelkerne braucht.

Weitere gute Ideen für den Werk- oder Kunstunterricht liefert der BUND auf seiner Seite „Streuobstwiesen in Niedersachsen“.

Äpfel als Gaumenfreude

Kann Naschen wirklich gesund sein? Unbedingt, wie die zahlreichen, einfachen Rezepte auf der Website kidsweb.de beweisen: Die Apfelbänder bestehen genau genommen nur aus Apfelmus, das auf einem Backblech getrocknet wurde. Ganz nebenbei erkennen die Kinder auch gleich, wie viel Wasser in einem Apfel steckt: Zwei Stunden lang muss das Apfelmus im Ofen trocknen, bevor die dünnen, durchscheinenden Apfelbänder geschnitten werden können. Schneller geht das Trocknen bei den Apfelchips, die in einem Schraubglas als gesunde Alternative mit nach Hause genommen werden können. Diese und viele weitere verlockende, auch herzhafte Rezepte auf dieser Website lassen sich leicht und schnell in der Schulküche realisieren.

Mit Äpfeln rechnen

Natürlich kann man auch mit Äpfeln rechnen: ob Addition, Subtraktion oder Multiplikation — Äpfel-Rechnen bringt gleich mehr Spaß und verdeutlicht die praktische Anwendung. Selbst erste Versuche im Bruchrechnen sind möglich, wie z. B.: „Verteile 13 Äpfel gerecht unter vier Kindern!“ Mit Aufgaben wie dieser lassen sich die Grundlagen der Bruchrechnung kinderleicht vermitteln. Ein kurzes Video verpackt die ersten einfachen Bruchrechenaufgaben in eine spannende Geschichte: Raumfahrer Captain Better landet auf dem Apfelplaneten, wo nur Bruchteile von Äpfeln auf den Bäumen wachsen. Damit versucht er, einen Apfelkuchen zu backen, der aber nur schmeckt, wenn er dazu „genau fünf ganze Äpfel“ verwendet. Sehr anschaulich zeigt der kurze Film, wie Captain Better rechnet …

Auch in Mathematik können die Schüler Äpfel mit Kopf und Hand erkunden: Wer schafft mit dem Spargelschäler die längste Apfelschale am Stück? Wer bringt den schwersten Apfel von zu Hause mit? — Bei diesen Aufgaben üben die Kinder Messen (gar nicht so leicht bei einer gekrümmten Schale) und grammgenaues Wiegen. Auch das Schätzen des Gewichts macht Spaß, wenn es mit einem kleinen Spiel verbunden ist: Wer schätzt genauer? Eine spannende Frage, wenn die rechte Hälfte der Klasse gegen die linke Hälfte spielt.

Mit Äpfeln musizieren

Dass in Äpfeln auch Musik steckt, verwundert nicht, gibt es doch auf YouTube jede Menge Apfellieder wie z. B.  „In meinem kleinen Apfel“. Hierbei üben die Schüler beim Mitsingen des bekannten Kinderliedes nach einer Melodie von W. A. Mozart mit dem mitlaufenden Text gleichzeitig das zügige Lesen. Außerdem erfahren sie nebenbei, wie der Apfel aufgebaut ist.

Wer das Lied lieber selbst auf der Gitarre begleiten oder mit den Schülern zusammen instrumental musizieren möchte, findet auf der Website der Bayerischen Landeskoordinierungsstelle Musik einige Kopiervorlagen zum Download: den Liedtext zum Austeilen, eine einfache, achttaktige Begleitung für Orff-Instrumente und die Melodie mit Akkorden für die Begleitung mit der Gitarre, bereits für Gitarrenschüler im ersten Lernjahr leicht zu spielen, da nur zwei einfache Griffe erforderlich sind.

Äpfel zum Spielen

Als Bewegungspause bietet sich in einer Apfel-Projektwoche die Übung „Pantomimisches Apfelpflücken“ an: Dabei erzählt die Lehrkraft eine Geschichte übers Apfelpflücken und macht parallel dazu die Bewegungen vor, die die Schüler möglichst synchron nachmachen sollen. In der Broschüre „Bewegungspausen im Unterricht“ findet sich eine Übung mit Erzähltext (S. 19) dazu.

Mehr Spaß als gymnastische Übungen machen den Kindern natürlich Bewegungsspiele: Bei „Schneewittchens Apfel“ sitzen die Schüler eng im Kreis zusammen und halten ihre Hände „empfangsbereit“ vor sich. Ein roter Ball, als Giftapfel, wird möglichst schnell herumgegeben. Wenn der Spielleiter „Stopp“ ruft, nehmen die Kinder ihre Hände ganz schnell hoch zu ihren Schultern. Wer zuletzt den Ball hat, scheidet aus, sodass der Kreis immer kleiner wird.

Beim „Apfelfischen“ haben alle Mitspieler einen Eimer mit schwimmenden Äpfeln (Anzahl bei allen gleich!) vor sich. „Alle Spieler verschränken ihre Hände auf dem Rücken und versuchen dann nach dem Startsignal, so schnell wie möglich mit dem Mund ihre Äpfel aus dem Wasser zu fischen.“ Apfelfischen ist nur eines von vielen spannenden Spielen auf der Website streuobstwiesen-niedersachsen.de des BUND, die sich wunderbar für einen Projekttag im Freien eignen.  

Äpfel als Forschungsobjekt

Dabei eignen sich Äpfel auch als Forschungsobjekt im Sachunterricht. Ein kleiner Versuch leitet vom „Apfelfischen“ zum spielerischen Experimentieren über: Verwendet man beim eben beschriebenen Spiel „Apfelfischen“ auch Birnen, stellen die Schüler ganz schnell fest: Apfel schwimmt, Birne sinkt. — Warum ist das so? Bei einem kleinen Experiment versuchen die Kinder das herauszufinden. Die Vorgehensweise: Äpfel und Birnen schälen und wieder ins Wasser geben: Gleiches Ergebnis, an der Schale liegt es offensichtlich nicht. Dann die Kerngehäuse entfernen: Wieder sinkt nur die Birne. Damit ist klar: Es muss am Fruchtfleisch liegen, das bei Birnen eine höhere Dichte beziehungsweise weniger Luft aufweist. Ganz nebenbei lernen die Kinder hier auch gleich die wichtigsten Bestandteile des Apfels (und der Birne) kennen.

Genau wie mit Kartoffeln kann man auch mit Äpfeln Strom erzeugen. Für diese Apfelbatterie brauchen die Schüler zwei möglichst saure Äpfel, flache Blechstückchen, eines aus Kupfer, eines aus Zink, Kupferdraht und eine Leuchtdiode. Die Anleitung erklärt auch gleich in einfachen Worten, „was da passiert“ (S. 3).

Etwas aufwendiger und anspruchsvoller — dafür aber mit „wertvollen Tipps für das Gelingen des Versuchs“ — ist die Versuchsanordnung auf der Website der Uni Kassel. Beide Versuchsanleitungen warnen eindrücklich: Die Äpfel sind nach dem Experiment giftig und müssen unbedingt entsorgt werden.

Immer wieder erläutern Kinderseiten, warum Äpfel an der Luft braun werden. Die biochemischen Vorgänge dabei sind jedoch komplex, wie die Erklärung auf der Website kids-and-science.de beweist. Die Kinder könnten aber auch einfach nur testen, mit welcher der auf der Website wikihow genannten Methoden sich eine Braunfärbung am besten verhindern lässt.

Übrigens: Man kann auch verhindern, dass sich die Schale eines Apfels rot „verfärbt“. Denn genau wie Menschen verändern auch Äpfel bei Sonneneinstrahlung ihre Farbe. Sie werden allerdings nicht braun, sondern rot. Klebt man rechtzeitig vor dem Verfärben z. B. ein Herz aus lichtundurchlässiger Folie auf den Apfel, so verfärbt sich die abgeklebte Stelle nicht. Folie abziehen und fertig ist ein Apfel mit Herz. — Dieses Experiment lässt sich allerdings innerhalb der Apfel-Projektwoche nicht bewerkstelligen, weil das aufgeklebte Herz bereits einige Monate früher aufgebracht werden muss, damit sich der Effekt einstellt.

Martina Niekrawietz

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