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Projektunterricht

Wie Projekte das Begreifen fördern

Was man anfasst und begreift, das bleibt länger im Gedächtnis. Diese Idee liegt dem Projektunterricht zugrunde. Schüler sollen dabei selbstständig und möglichst eigenverantwortlich lernen. Aber auch für Lehrer sind Projekte interessant: Sie können Schüler dabei von einer ganz neuen Seite erleben.

Projektunterricht: Wie Projekte das Begreifen fördern Lernen, das Spaß bringt: Die Schüler planen zusammen und erarbeiten sich ein Thema zusammen © Pressmaster/Shutterstock.com

Die Idee, dass der Lernende einen Lernstoff besser durchdringt, wenn er ihn nicht nur lernt, sondern auch tut und im wahrsten Sinne des Wortes begreift, ist nicht so neu. Schon Konfuzius sagte: „Was du mir sagst, das vergesse ich. Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich. Was du mich tun lässt, das verstehe ich.“ Eine weitere Reihe von Pädagogen erwähnte immer wieder das Prinzip des Handelns, z. B. Pestalozzi, der eine Pädagogik mit Kopf, Herz und Hand proklamierte. Am radikalsten mit seinem Ansatz ist wohl der amerikanische Pädagoge und Philosoph John Dewey, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Theorie des „experience“ veröffentlichte. Der experimentelle Ansatz Deweys war die zündende Idee für die Projektmethode. (Vgl. Dewey, John / Kilpatrick, William Heard: Der Projektplan — Grundlegung und Praxis. Herausgegeben von Peter Petersen. Weimar, Hermann Böhlaus Nachfolger, 1935)

Was aber ist eigentlich die Projektmethode oder Projektarbeit? Beide Begriffe werden in diesem Artikel synonym verwandt. Projektarbeit meint das selbstständige Bearbeiten einer Aufgabe oder eines Problems durch eine Gruppe von Lernenden und Lehrenden von der Planung über die Durchführung bis zur Präsentation des Ergebnisses. Projektarbeit ist eine Methode handlungsorientierten Lernens, bei der sich Lernende zur Bearbeitung einer Aufgabe oder eines Problems zusammenfinden, um in größtmöglicher Eigenverantwortung handelnd-lernend tätig zu sein.

Thema und Ziele gemeinsam festlegen

Das Themenfeld, aus dem sich die Aufgabenstellung ergibt, sollte in der Regel von der Lerngruppe selbst ausgewählt werden. Am Ende steht ein Ergebnis, das von der Gruppe selbst ausgewertet und der Gesamtgruppe bzw. der Öffentlichkeit präsentiert wird. Dieser Form des Lernens liegt ein demokratisches Verständnis von Unterricht und den Rollen von Lernern (Schülern) und Lernberatern (Lehrern) zugrunde, welches im Zusammenhang mit einer grundsätzlich mitbestimmenden, partizipativen Handlungs- und Interessorientierung zugleich der Forderung nach ganzheitlichen Lernerfahrungen Rechnung trägt. (vgl. hier — 13.09.2018 - 08:19)
Der Deutsch-Pädagoge Herbert Gudjons hat die von Dewey skizzierten Merkmale des Projektunterrichts 1986 in die heute bekannten 10 Merkmale zusammengefasst und untergliedert. Diese sind:

  1. Situationsbezug und Lebensweltorientierung
  2. Orientierung an den Interessen der Beteiligten
  3. Selbstorganisation und Selbstverantwortung
  4. Gesellschaftliche Praxisrelevanz
  5. Zielgerichtete Projektplanung
  6. Produktorientierung
  7. Einbeziehung vieler Sinne
  8. Soziales Lernen
  9. Interdisziplinarität
  10. Grenzen

Vorbild Finnland: Lehrer arbeiten landesweit zusammen

Dieses grundlegende Prinzip wird in den meisten Schulen weltweit — nicht in der von Dewey geforderten Reinform — mehr oder weniger oft praktiziert. Sei es in Projektwochen, an Projekttagen oder in wirklichem Projektunterricht. Was macht die Projektmethode so attraktiv?

Ein Grund dafür mag der Vorstoß des Pisa-Gewinners Finnland sein. Die Finnen wollen den Projektunterricht nun zum Prinzip erklären. Sie sind nicht so revolutionär, wie es manches Mal vermeldet wurde. Sie schaffen die Schulfächer nicht ab. Aber die Schüler sollen sich regelmäßig gesellschaftlich relevante Phänomene selbstständig erarbeiten. Lehrer werden landesweit verpflichtet, eigene Projekte anzubieten und interdisziplinär zusammenzuarbeiten.

Neu ist diese Idee nicht. Interdisziplinäre Projektarbeit hatte der bereits erwähnte amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey schon im frühen 20. Jahrhundert in seiner Laborschule in Chicago eingeführt. Auf ihn berufen sich noch heute die Verfechter des Projektunterrichts. Sein Schlagwort ist seit vielen Jahrzehnten Programm: Learning by Doing. Dazu wollen die Finnen ihre Lehrer verpflichten.

Ergebnis am Ende fast immer großartig

Der Schulleiter der Hamburger Max-Bauer-Schule Herbert Goetsch war schon vor dem finnischen Vorstoß ein Verfechter der Projektmethode. Er nutzt diese schon seit den 80er-Jahren und berichtet in einem lesenswerten Artikel in der Zeitschrift „Die Zeit“ ( — 13.09.2018 - 08:35 Uhr) über seine Erfahrungen mit der Methode: „Eigentlich habe es in jedem Projekt diese Phase gegeben, in der er dachte: ‘Jetzt kracht es, das geht nicht gut‘, sagt er. Erst sei da die große Euphorie, dann merkten die Schüler, wie viel Arbeit es macht, sich alles selbst zu erarbeiten und sie bekommen schlechte Laune. Aber dann legen sie sich kurz vor der Präsentation noch einmal richtig ins Zeug. Im Abschlussbericht steht dann, wie viele Nächte die Schüler durchgearbeitet haben. Fast immer sei das Ergebnis am Ende großartig gewesen.“

Die Projektmethode ist nicht nur lohnenswert, weil die Finnen sie propagieren oder die Idee schon seit Jahrhunderten in den Köpfen diverser Pädagogen herumkreist. Nein, die Arbeit und Ergebnisse der Schüler sind es, die diese Methode, trotz des Aufwandes, den sie bei der Einhaltung von Deweys Prinzipien bereitet, so überaus wertvoll macht. Auch hier sollten die Kollegen dazu verpflichtet werden, einmal im Schuljahr eine interdisziplinäre Projektarbeit durchzuführen. Zum Wohle der Lernenden und um die Schüler einmal in einer anderen Lernsituation mit ganz anderen Augen zu sehen. Hier werden die wahren Kompetenzen der Lernenden deutlich und vor allem gefordert und gefördert.

Babett Kurzius-Beuster

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