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Sozialkompetenz

Die Kommunikationsfähigkeiten von Anfang an fördern

Sozialkompetenz lernen Schüler am besten während des Unterrichts. Kommunikation, Kooperation und Konfliktfähigkeit sind dabei besonders wichtig. Mit den richtigen Ideen, Übungen und Spielen kann der Lehrer die Sozialkompetenzen seiner Schüler entscheidend fördern.

Sozialkompetenz: Die Kommunikationsfähigkeiten von Anfang an fördern Damit die Kinder zu einer guten Klassengemeinschaft zusammenwachsen, sollte von Anfang an auf einen wertschätzenden Umgang miteinander Wert gelegt werden © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Darf ich bitte deinen Spitzer ausleihen?“, fragt Anne ihre Klassenkameradin Lisa während der Deutschstunde leise und bekommt still den Anspitzer gereicht. Im vierten Schuljahr haben viele Schüler bereits gelernt, sich höflich anzusprechen. Neben der Kommunikation gehören Kooperations- und Konfliktfähigkeit zu den sozialen überfachlichen Kompetenzen des Unterrichts. Daher sollten die Schüler immer wieder verschiedene Sozial- und Arbeitsformen trainieren. Der Lehrer kann sie darin auch mit zusätzlichen Übungen und Ideen fördern. So fließt die Entwicklung der Sozialkompetenz harmonisch in den Unterricht ein.

Freundlich miteinander kommunizieren

Freundlich miteinander zu sprechen ist Voraussetzung für einen friedlichen Umgang mit anderen. Ist das Klassenklima vom positiven Umgang der Schüler untereinander geprägt, so erzielen die Schüler bessere Lernfortschritte. In der wertschätzenden Ansprache der Mitschüler kommt dem Lehrer eine entscheidende Rolle zu. Er ist in der sprachlichen Formulierung sowohl Vorbild als auch Regulator, falls Schüler unhöflich sprechen. Durch die Einführung von Gesprächsregeln werden mündliche Phasen wie Erzählkreis, Plenum, Erklärungen, Wortmeldungen und Vorträge von Lehrern und Schülern geregelt.

Wichtigste Regel dabei ist, anderen zuzuhören und ihnen nicht ins Wort zu fallen. Vor Gesprächsphasen müssen daher alle Schüler beispielsweise durch ein akustisches Signal auf das Zuhören aufmerksam gemacht werden. Die Sprechenden warten so lange, bis alle zuhören. Schüler, die immer wieder Kommentare geben, können durch die 1-2-3-Regel mit einer Auszeit bei der dritten Ermahnung auf ihr unhöfliches Verhalten hingewiesen werden.

Wichtig in der Höflichkeitserziehung ist auch ein entsprechender Wortschatz. Hier können von den Schülern explizit höfliche Formulierungen im Umgang miteinander gesammelt und vorgestellt werden: „Darf ich bitte …“, „Kannst du mir bitte helfen?“, „Danke, dass du mir geholfen hast“ etc. Immer wieder kann der Lehrer Verhalten von Schülern spiegeln und deren Gefühle dabei benennen lassen. So werden die Schüler sensibel für wertschätzende, höfliche, sozial gebräuchliche Redewendungen.

Gefühle wahrnehmen und Grenzen respektieren

Viele Schüler sind es als Einzelkinder nicht mehr gewohnt, mit anderen zu kooperieren oder auf andere Rücksicht zu nehmen. Sich zurückhalten zu können, Gefühle anderer zu (er-)kennen und zu akzeptieren oder sich für andere einzusetzen sowie miteinander effektiv zu arbeiten, steht bei dieser Kompetenz im Fokus. Hierbei ist es zunächst wichtig, die Gefühle anderer wahrzunehmen. Dies gelingt durch Rollenspiele, in denen die Mitschüler anhand der Mimik und Gestik anderer erkennen sollen, wie sie sich gerade fühlen. Durch die Darstellung verschiedener Gefühlszustände werden die Schüler vertrauter miteinander und können sich gegenseitig besser einschätzen.

Wenn Anne beispielsweise weiß, dass Lisa gerade wütend ist, wird sie sie nicht auf den Streit von gestern ansprechen, sondern rücksichtsvoll warten, bis es Lisa besser geht und sie bereit ist zum Reden. Um zu merken, wann es dem Partner zu viel ist, eignen sich zur Verständigung verbale und nonverbale Zeichen. Hier ist das „Stopp“-Symbol, die erhobene Hand vor dem Körper, eventuell verbunden mit einem lauten „Stopp“-Ruf ein Zeichen, dass es dem Gegenüber nun reicht und man aufhören soll. Gerade in Streitsituationen ist diese Rückmeldung effektiv.

Immer wieder müssen Schüler in der Kooperation mit anderen auch im eigenen Selbstbewusstsein gestärkt werden, um ihre Grenzen wahrzunehmen und ziehen zu können. Neben der Möglichkeit „Nein“ oder „Stopp“ zu sagen, müssen Schüler ermutigt werden, Hilfe zu holen, wenn sie sich oder andere in Gefahr wissen. Das Bauchgefühl täuscht hier selten, und die Schüler sollen lernen, darauf zu hören und bei Gefahr entsprechend intuitiv zu handeln. Auf der anderen Seite sollte man nicht jede Kleinigkeit petzen und darf über kleine Fehler anderer auch mal hinwegsehen.

Mitschüler als Helfer und Paten

Viele Schüler möchten gern andere unterstützen und ihnen helfen. Ein Helfersystem oder Lerntandems hat sich hier bewährt. So können leistungsstarke, schnelle Schüler Mitschülern zur Seite stehen und ihnen zusätzlich zum Lehrer Aufgaben erklären. Es muss zuvor abgesprochen sein, dass der Partner die Hilfe möchte. Erlaubt sind nur Erläuterungen und Tipps, es dürfen keine Aufgaben vorgesagt oder abgeschrieben werden, damit der Mitschüler seinen eigenen Lernfortschritt machen kann.

Zudem können viele Schüler in ihrer Hilfsbereitschaft durch Botengänge, Dienste für die Klasse oder Schule, Patenschaften für jüngere Schüler, als Streitschlichter etc. gefördert werden.

Damit Schüler ihre Stärken und Schwächen im Umgang miteinander realistisch einzuschätzen lernen, ist eine permanente Rückmeldung durch die Mitschüler und den Lehrer hilfreich. Durch Lob und Tipps können beispielsweise Arbeitsphasen hilfreich bewertet werden. 

Durch Kooperation zum guten Ergebnis

Mit anderen effektiv etwas be- oder erarbeiten zu können, ist ebenfalls für die Sozialkompetenz wichtig. In Partner- oder Gruppenarbeiten ist die Rollenverteilung innerhalb der Lerngruppe entscheidend. Alle Schüler müssen sich beteiligen und ihrer Kompetenz entsprechend eingesetzt werden. Beispielsweise vorlesen, Ideen einbringen, Probleme lösen, aufschreiben, illustrieren, zusammenfassen, erläutern, erklären etc., um einen guten Unterrichtsbeitrag zu entwickeln.

Hier bieten sich kooperative Lernformen an: wie Placemat („Platzdeckchen“ mit vier eigenen Bereichen für Ideen der Schüler und einem Feld für die Zusammenfassung aller Ideen), Think-Pair-Share (allein denken, sich absprechen und gemeinsam die wichtigen Dinge bündeln, dann dem Plenum vorstellen) oder Gruppenpuzzle (mehrere Kinder bekommen die gleiche Aufgabe, besprechen sich und gehen dann in gemischte Gruppen, in der jeder sein Ergebnis präsentiert). 

Eine Urkunde für Höflichkeit

Voraussetzung für die gemeinsame, effektive Arbeit ist der soziale, friedliche, höfliche Umgang miteinander. Dazu gehört auch die Konfliktfähigkeit der Schüler. Wiederum durch Rollenspiele können in Streitsituationen gewaltfreie Handlungsmöglichkeiten wie Beruhigungsmethoden, Rückzug, mit einer vertrauten Person sprechen etc. eingeübt werden, damit die Schüler immer wieder durch Gespräche und Mediation einen Weg finden, gemeinsam in einer Klasse lernen, arbeiten und spielen zu können.

Besonders motiviert sind die Schüler in der Steigerung ihrer Sozialkompetenz, wenn eine Höflichkeitstafel angeboten wird. Hierbei wird jeweils am Ende des Tages reflektiert, welche Schüler der Klasse höflich und ohne Streit miteinander lernen und arbeiten konnten. Alle Schüler, die das von sich denken, können sich dazu selbst einschätzen und sich melden.

Andere Schüler können ein Veto einlegen, falls es einen Streit mit ihnen gab. Alle „höflichen“ Tagesschüler dürfen auf der Höflichkeitstafel ein Feld nach vorn rücken. Wer zehn Schritte erreicht hat, bekommt eine Höflichkeitsurkunde. Haben dies alle Schüler der Klasse erreicht, kann eine extra Spiel- oder Vorlesezeit vereinbart werden. Durch diese positive Verstärkung gelingt die Förderung des Sozialverhaltens in Bezug auf Kommunikation, Kooperation und Konfliktfähigkeit ein Stück mehr.

Marion Keil

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