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Sozialkompetenz

Kinderrechte thematisieren und soziale Kompetenzen fördern

Im Sachunterricht bietet sich das Thema „Kinderrechte“ an, um Sozialkompetenzen einzuüben. In vielen Kommunikations- und Kooperationsphasen lernen die Schüler einfache Techniken zur Arbeit im Team. Sie helfen dabei, konfliktfrei zu argumentieren und gemeinsam Lernfortschritte zu erzielen.

Sozialkompetenz: Kinderrechte thematisieren und soziale Kompetenzen fördern In Parnerarbeit erschließen sich die Kinder das Thema Kinderrechte © Christian Schwier - Fotolia.com

„Für mich ist Markenkleidung sehr wichtig!“, erklärt Justus. „Gewaltfreie Erziehung finde ich aber viel wichtiger!“, hält Johanna dagegen. Bereits in der ersten Stunde zum Thema „Kinderrechte“ im Sachunterricht der Klasse 4b ist eine heftige Diskussion entbrannt. Die Schüler sitzen im Kreis und sollen sich in jeder Spielrunde einvernehmlich von einer Begriffskarte trennen. Es geht um Kinderrechte, aber auch um Kinderwünsche. Auf den Karten stehen Dinge wie „Gleichheit für alle“, „Geschenke“, „Gesundheit“, „Markenkleidung“, „gewaltfreie Erziehung“, „schulfrei“, „Schule und Bildung“, „Fürsorge durch beide Eltern“, „Süßigkeiten“ etc.

Während einige Schüler auf ihren eigenen Komfort bedacht sind, haben andere schon erkannt, dass es hier um die grundlegenden Rechte für Kinder geht. Eine Diskussion zur Einigung ist also unumgänglich. Bereits in der ersten Unterrichtsstunde wird klar, dass dieses Sachunterrichtsthema prädestiniert ist, neben den inhaltlichen Aspekten auch viele Sozialkompetenzen zu fördern. Um Kommunikation wird es genauso gehen wie um Kooperation und Teamwork. Alle Aufgaben sollen die Schüler kooperativ und konstruktiv lösen, auch wenn dabei Konflikte entstehen.

Rücksicht nehmen im Gespräch

Wenn alle durcheinanderreden, wird es immer lauter, ohne dass jemand etwas versteht. Deshalb ist die Einhaltung von Gesprächsregeln wichtig für die Kommunikation: Nicht wer am lautesten spricht, sondern wer die besten Argumente vorbringt, bekommt Gehör und Zustimmung. Dies lernen die Schüler bei der ersten Übung, wenn sie die Begriffskarten in Bezug auf wesentliche Kinderrechte minimieren sollen. Sich gegenseitig zuhören, andere ausreden lassen und eigene Argumente höflich und sachlich vorbringen, führt hier zum Ziel.

Im zweiten Schritt sollen Schüler in Partnerarbeit Kategorien zu den Begriffen der Kinderrechte finden. Auch in den Überlegungen zu zweit kommt es auf das Kommunizieren an. Jeder soll seine Argumente vorbringen können. Dazu müssen die Schüler sich gegenseitig zuhören und die Meinung des anderen akzeptieren. Nur wenn beide ihre Argumente vorbringen und bündeln, werden sie effektive Ideen in den Unterricht einbringen können. Anne und Jens kommen schnell zum Ziel. Sie haben die Karten den Kategorien „Überleben und Leben“, „Entwicklung“, „Schutz“ und „Mitbestimmung“ zugeordnet. Damit es gerecht zugeht, haben sie überlegt, dass jeder zwei Bereiche vorstellen kann. Im abschließenden Feedback zu dieser Partneraufgabe erklären beide, dass sie höflich und respektvoll miteinander gesprochen und effektiv gearbeitet haben.

Teamwork als Hilfe und Herausforderung 

Es folgt eine zweite Partneraufgabe, die mit der kooperativen Lernform „Think-Pair-Share“ bearbeitet werden soll. Die Schüler bekommen einen kindgerechten Text mit Informationen und Fragen zur „Kinderrechtskonvention“. Zunächst beantwortet jeder Partner für sich die gestellten Fragen („think“), danach stellen sich die Schüler gegenseitig ihre Antworten vor und gleichen diese ab, um eine gemeinsame Antwort zu finden („pair“).

Treten Unstimmigkeiten auf, gilt es auch hier, eine andere Meinung zu akzeptieren, mit der eigenen abzugleichen und einen Konsens zu finden. Wenn der Partner etwas nicht weiß oder Fehler macht, muss der andere Schüler ihn darauf höflich hinweisen und ihm bei der Beantwortung helfen. Durch diese Lernform ist gewährleistet, dass beide Schüler ihre Antworten bereits gemeinsam durchdacht haben. Kommen sie — bestenfalls — zu einer richtigen Lösung, gewinnen sie Sicherheit und trauen sich, ihr gemeinsam erarbeitetes Resultat vor der Klasse zu präsentieren („share“).

Eine höhere Anforderung an die Kooperation stellt die Gruppenarbeit dar. Hier müssen die Schüler die Gefühle anderer noch stärker wahrnehmen, sich noch rücksichtsvoller einbringen und gegebenenfalls viele verschiedene Meinungen akzeptieren. Dazu ist es wichtig, sich noch mehr zurückzuhalten und gemeinsam friedlich und freundlich zu agieren. 

Dazu gehört die Absprache der Gruppenmitglieder über eine gerechte Aufgabenverteilung je nach Stärken und Schwächen, gegenseitiges Zuhören (evtl. regelt ein Erzählstein, wer gerade sprechen darf) und das Akzeptieren anderer Meinungen, ohne aufzubrausen. Als höfliche Ansprache können die Schüler mit „Ich-Botschaften“ beginnen. So hat der Satz „Ich finde aber, dass jedes Kind ein Recht auf ein gutes Leben hat“ vor den Partnern eine positivere Wirkung als „Das stimmt überhaupt nicht, was ihr da sagt. Jedes Kind hat ein Recht auf ein gutes Leben, das weiß doch jeder!“ Hier werden die anderen als unwissend und unfähig dargestellt, was sich schnell zu einem Streitgespräch auswachsen kann.

Ein gemeinsames Ergebnis: die „Placemat“

Eine weitere Kooperationsmethode für ein gemeinsames Gruppenergebnis ist die „Placemat“. Dazu bekommen die Schüler ein leeres Blatt, das außen in vier Bereiche, innen in einen Bereich eingeteilt ist. Zunächst schreiben jeweils vier Schüler zum gelesenen Text über „Kinderarbeit“ ihre eigenen Gefühle und Gedanken auf. Im Anschluss sammeln sie gemeinsame und für wichtig erachtete Ideen in der Mitte und überlegen, wer die Argumente der Gruppe der Klasse vorstellt.

Hier kommt eine weitere wichtige Kompetenz ins Spiel: anderen eine angemessene und konstruktive Rückmeldung zu ihrem Ergebnis zu geben. Dabei hat sich das System „Lob und Tipp“ bewährt. Neben dem Lob zur Präsentation sollte der Tipp, die konstruktive Kritik, wieder als „Ich-Botschaft“ formuliert sein, um die persönliche Bewertung deutlich zu machen, die eben nicht pauschal und allgemeingültig ist. Dies könnte nach der Placemat-Arbeit zur Kinderarbeit vielleicht sein: „Ich finde, ihr hättet noch mehr Argumente zusammentragen können“.

Neben dem Ergebnis ist es immer auch wichtig, die Arbeitsphasen innerhalb der Gruppe zu reflektieren. Hierzu sollten alle Schüler der Gruppe zu Wort kommen, um zu benennen, dass beispielsweise die Aufgabenverteilung innerhalb der Gruppe gelungen war. Kritikpunkte wie „Ich würde mir wünschen, dass sich einige Schüler mehr beteiligen und nicht warten, bis das Ergebnis da ist“ sind ebenfalls ernst zu nehmen. Die Gruppen können dann gegebenenfalls im Sinne des Helfersystems besser mit leistungsstarken und leistungsschwachen Schülern durchmischt werden etc. 

Ein Fragebogen dokumentiert den Fortschritt

Nach vielen Gesprächen, Lesetexten und kooperativen Partner- und Gruppenarbeiten sollen die Schüler abschließend ihre Leistungsfortschritte dokumentieren. Dies geschieht anhand eines Fragebogens, den die Schüler allein ausfüllen sollen. Auch in dieser Einzelarbeit wird schnell deutlich, dass soziale Kompetenzen gefordert sind. Neben leisem und konzentriertem Arbeiten müssen die Schüler aufeinander Rücksicht nehmen, um auch langsam arbeitenden Schülern die nötige Arbeitsruhe bis zum Abschluss ihrer Arbeit zu gewähren. Wieder geht es um Rücksichtnahme und darum, die eigenen Stärken und Schwächen im Fragebogen realistisch einzuschätzen.

Beim Abschlussspiel, bei dem der Lehrer absichtlich nur eine passgenaue Anzahl an Brettspielen zu Kinderrechten bereitgestellt hat, müssen sich die Schüler selbstständig in entsprechenden Gruppen einteilen, Material teilen, abwarten, Funktionen von Spielleiter, Vorleser und Punktevergeber einvernehmlich absprechen.

Neben dem Thema „Kinderrechte“ eignen sich auch viele andere Unterrichtseinheiten mit ihren kommunikativen, kooperativen und konfliktträchtigen Herausforderungen, um die Sozialkompetenzen der Schüler in besonderem Maße einzuüben.

Marion Keil

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