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Sozialkompetenz

Musik und Sport: mit Sozialkompetenz zum gemeinsamen Erfolg

Musik und Sport sind zwei Fächer, die ein hohes Maß an sozialer Kompetenz voraussetzen. Nur gemeinsam gelingt das Musizieren und ist ein Team beim Sport erfolgreich.

Sozialkompetenz: Musik und Sport: mit Sozialkompetenz zum gemeinsamen Erfolg Beim Musizieren kommt es auf das Zusammenspiel an: Jeder muss auf den anderen achten © highwaystarz - Fotolia.com

„Wir haben uns in unserer Gruppe Klänge für das Gedicht überlegt. Wann können wir es der Klasse vorstellen?“, fragt Julian seine Musiklehrerin. Während die Gruppe von Julian sich schnell über die Instrumentenverteilung und die Rollen für die Verklanglichung des Gedichts einig wurde, gibt es in Annes Gruppe noch Streit. Jede will das Xylophon für die im Gedicht vorkommenden Regentropfen spielen. Sie finden keine Einigung.

Auch die Vorleserolle ist noch nicht entschieden, da Max und Konstantin beide den gesamten Text vorlesen wollen, während die anderen Gruppenmitglieder an den entsprechenden Stellen die Geräusche mit ihren Instrumenten machen. Was einfach scheint, kann leicht zum Streitfall werden, denn für eine konstruktive und effektive Gruppenarbeit müssen viele soziale Kompetenzen beherrscht werden. 

Musikalische Gruppenarbeit erfordert soziale Kompetenzen

Zur Verklanglichung des Gedichts müssen die Schüler verschiedene Instrumente verteilen, im Gedicht Stellen für Geräusche markieren, die Geräusche dann zuordnen und im Anschluss die Rollen für Vorleser, Geräusche und gegebenenfalls Regisseur festlegen. Dazu müssen sie höflich miteinander ihre Ideen austauschen und Gesprächsregeln beachten: einander zuhören, ausreden lassen und nacheinander sprechen. Dabei müssen sie andere Meinungen akzeptieren, die eigene Idee selbstbewusst, aber rücksichtsvoll einbringen und eine einvernehmliche Einigung erzielen.

In der weiteren Arbeit müssen die Instrumente und Rollen nach den jeweiligen Stärken der Schüler gerecht verteilt werden. Während der Umsetzung der Verklanglichung muss sie ein Regisseur eventuell durch Anzeigen des Einsatzes der verschiedenen Geräusche unterstützen. Erst dann, wenn alle zusammenarbeiten, entsteht ein gutes Endprodukt.

Weitere Gruppenprozesse können beim Erfinden von musikalischen Produkten entstehen. Hier können die Schüler beispielsweise angeregt werden, in einer Gruppe einen Jingle für ein zu bewerbendes Produkt, Tanzschritte für einen aktuellen Popsong, eine einfache Melodie als Schulhymne, eine weitere Strophe für das Lieblingslied der Klasse oder Ähnliches zu erfinden. Auch hierbei ist das gemeinsame Kommunizieren, das Zusammenfügen der verschiedenen Ideen zu einem Ganzen, das Rücksichtnehmen und gegenseitiges Unterstützen notwendig. 

Zuhören und Rücksicht nehmen beim Musizieren

Der Musikunterricht ist prädestiniert für den Erwerb sozialer Kompetenzen. Musikalisches Erleben beim Musizieren ist nur durch den Einsatz und das Mitwirken jedes einzelnen möglich. Die Schüler müssen aufeinander hören, abwarten, Rücksicht nehmen und sich in Übungsphasen unterstützen, um ein Musikstück gemeinsam und synchron aufführen zu können. Ein Rhythmusspiel, ein Flöten-, oder Keyboardstück muss so angelegt sein, dass für alle Schüler die Einhaltung von Rhythmus, Lautstärke und Tempo möglich ist.

Nach einzelnen Übungsphasen wird das gesamte Musikstück immer mehr synchron mit Partnern, dann in Kleingruppen und schließlich mit der ganzen Klasse zusammengeführt. Gelingt dies, werden alle Schüler durch den gemeinsamen Erfolg und den damit verbundenen Aufführungsapplaus motiviert sein, weiterhin zusammen Musik zu machen.

Regeln und Rituale im Sportunterricht

Das Miteinander-Agieren und Rücksichtnahme spielen im Sportunterricht noch einmal eine ganz besondere Rolle. Dort bewegen sich die Schüler im größeren Raum der Turnhalle mit vielen Erlebnis-, aber auch Gefahrenquellen. Aufeinander zu achten ist dabei besonders wichtig. Schließlich muss sich der Lehrer auf die Schüler in verschiedenen Bereichen verlassen können. Dazu müssen sie viele Regeln einhalten. Sie dürfen beispielsweise nicht an Geräte gehen, die nicht abgesichert sind, sondern müssen warten, bis der Lehrer das Gerät für die Übung freigibt. Zudem dürfen sie sich nicht in den Geräteraum oder andere Materialräume gehen, wenn das nicht vorher abgesprochen wurde – auch sie noch so  gern überall hineingehen, herumklettern und alles erkunden wollen.

Dies geht aber nur im vorgeplanten Rahmen. Bereits beim Aufbau von Übungsstationen zeigt sich, wer mithelfen, abwarten, Rücksicht nehmen kann und hilfsbereit ist. Sind alle Stationen aufgebaut, gibt es oft wieder Warte- und Zuhörphasen für die Erklärungen der Übungen und beim Anstellen an den Übungsstationen.

Dazu kommen die Kommentare: Es sind nur positive Rückmeldungen und keine Hänseleien erwünscht. All dies zu beachten, erfordert genaue, klare Ansagen und die Einübung von Ritualen. Werden diese von den Schülern beachtet, steht einem erfolgreichen, bewegungsfreudigen Erlebnis nichts mehr im Wege.

Verlieren können muss gelernt sein

Speziell Mannschaftsspiele haben ein hohes Konfliktpotenzial. Zunächst kann es Unstimmigkeiten bei der Wahl der Mannschaften geben. Viele Schüler pochen immer wieder auf Gerechtigkeit bei der Mannschaftsverteilung und im Spielablauf. Das ist richtig, muss aber adäquat vorgetragen werden, nämlich in einem freundlichen Umgangston.

Für manche Schüler ist es nicht leicht, ihre Wut über ein Foul herunterzuschlucken und Kritik leise und freundlich anzumerken. Auch verlieren ist für viele Schüler sehr schwierig. Oftmals verlagert sich ein Streit über die vermeintliche Unfähigkeit von Teammitgliedern, die Ungerechtigkeit der Schiedsrichterentscheidung etc. in den weiteren Schultag. Nicht zuletzt weil die Schüler von Fußballprofis Beschimpfungen und Wutausbrüche kennen. Umso wichtiger ist es, im Sportunterricht nicht nur Einzelaktionen im Bereich Leichtathletik oder Geräteturnen anzubieten, sondern immer wieder auch Mannschaftssportarten wie Fußball, Basketball, Völkerball, Volleyball oder Brennball. Dabei können die Schüler lernen, mit leistungsschwächeren Schülern im Team respektvoll umzugehen, im Spiel zu kooperieren, andere Schüler an den Ball zu lassen, den Frust des Verlierens auszuhalten und angemessen zu reagieren.

Der Lehrer sollte sich immer Zeit nehmen, Regeln und Absprachen im Vorfeld zu klären. Maßnahmen wie „rote Karte“ oder ein Ausschluss vom Spiel muss der Lehrer vor Spielbeginn ankündigen und gegebenenfalls bei Fehlverhalten zügig durchsetzen. Nur so entstehen neben neuen Bewegungserlebnissen auch viele positive Erfahrungen in der Gemeinschaft mit anderen.

Marion Keil

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