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Spiele

Spielen und Lernen — ideale Partner im Grundschulunterricht

Überall auf der Welt und in allen Kulturen wird gespielt. Auch im Unterricht ist Spielen wichtig: für das Selbstwertgefühl der Schüler, für die Klassengemeinschaft und für Lernerfolge. Entscheidend ist, dass der Lehrer die richtigen Spiele kennt und sie zum richtigen Zeitpunkt und Zweck einsetzt.

Spiele: Spielen und Lernen — ideale Partner im  Grundschulunterricht Bewegungsspiele wie die „Reise nach Jerusalem" aktivieren den Körper und erfrischen den Geist © Mirko Raatz - Fotolia.com

„Bevor wir unser Spiel beginnen, müssen alle Schüler gut zuhören, um die Spielregeln zu verstehen. Nur dann können wir schnell damit anfangen“, erklärt die Klassenlehrerin der ersten Klasse den Einstieg in die Interaktionsspiele. Die Schüler sind sehr gespannt und freuen sich auf eine Abwechslung im Unterricht. Auch die Klassenlehrerin ist für diese ganzheitliche Phase des Lernens als interessante Unterbrechung dankbar.

Beim Spiel ist der Mensch mit Kopf, Hand und Herz bei der Sache. Spielerisch wird schon im Babyalter die Welt entdeckt und erforscht. Durch Spiele lernen Kinder, Regeln anzuerkennen. Sie dürfen sich über Gewinne freuen, müssen aber auch mit Verlusten umgehen. Spiele sind spannend und machen Spaß. So ist es nicht verwunderlich, dass Schüler bereits im ersten Schuljahr selbstvergessen, motiviert, ausdauernd und konzentriert spielen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt.

Spiele entspannen Geist und Körper

Für das Spiel in der Grundschule bieten sich verschiedenen Spielformen an. Spiele können Lerninhalte vermitteln, das Sozialverhalten fördern oder auch nach langem Sitzen für Bewegung sorgen. Solche Bewegungsspiele helfen, den Körper zu aktivieren und den Kopf zu erfrischen. Sie sind eine willkommene Pause und Entspannung im noch ungewohnten Schulalltag. Auch Rollenspiele, in denen Schüler „Pferd“, „Schule“ oder „Familie“ spielen, sind in den ersten Grundschuljahren beliebt. Hierbei erproben die Schüler Kommunikations- und Beziehungsstrukturen und stellen oft Erfahrungen aus ihrem Alltag nach. Beim freien Spiel nutzen Schüler gern angebotene Brett- und Kartenspiele, Holzbausteine oder Ähnliches aus dem Klassenzimmerregal.

Spiele fördern die Gemeinschaft und festigen Inhalte

Wer bin ich? Wer sind die anderen? Und warum verhalten sie sich so? — Spiele können Grundschüler an wichtige Fragen zum Selbstkonzept und zum Sozialverhalten heranführen und damit wesentlich zu einer guten Klassengemeinschaft beitragen.

Beliebte Spielformen sind hier Interaktionsspiele und Kooperationsspiele, die gemeinsam mit der gesamten Klasse gespielt werden. Ebenso zählen angeleitete Rollenspiele oder darstellendes Spiel dazu. In der Regel werden diese Spiele vom Lehrer angeleitet.

Reine Lernspiele gibt es in vielen Varianten zu verschiedenen Lernthemen zu kaufen: als Gesellschaftsspiel, Kartenspiel oder Lernsoftware. Sie dienen neben den freien Spielformen immer dem Zweck, die Unterrichtsinhalte zu festigen und zu vertiefen.

Motiviertes Lernen im spielerischen Wettbewerb

Spiele können die Intelligenz und die Sensorik fördern. Außerdem geht von Spielen eine hohe Motivation aus, sodass Schüler sich in der Regel länger und intensiver, meist auch konzentrierter mit einem Thema beschäftigen. Diese intensivere Auseinandersetzung kommt dem Thema und dem jeweiligen Lerntempo zugute.

Ebenso werden Dinge, mit denen man sich aktiv und lustvoll auseinandersetzt, besser im Gedächtnis gespeichert. So ist beispielsweise ein Einmaleins-Spiel effektiver als das sture Abfragen der Reihen.

Durch Spiele ist auch eine Differenzierung möglich. Schüler können sich individuell mit Lerninhalten beschäftigen. Ist ihnen die Spielform bekannt, können sie parallel mit verschiedenen Spielen je nach Leistungsstand arbeiten. Gewinnt ein Schüler ein Spiel, so steigert dies sein Selbstwertgefühl. Beim Spielen geschieht ein gewaltfreies Kräftemessen, wenn z. B. bei Wettbewerbsspielen „Kämpfe“ auf dem Spielbrett ausgetragen werden. Viele Spiele helfen so indirekt bei der Lebensbewältigung.

Spiele brauchen Zeit und Vorbereitung

Für den Lehrer bedeutet Spielen einen zeitlichen Mehraufwand, da er eine Fülle an Spielmaterialien und eigenen Spielideen bereitstellen muss.

Trotz der möglichen Probleme, die beim Spielen auftreten können, sollte diese Unterrichtsmethode aufgrund der vielen Vorteile nicht vernachlässigt werden. Der Lehrer muss die Spiele nur zum richtigen Zeitpunkt und didaktisch überlegt einsetzen.

Regeln gehören zunächst dazu. Voraussetzung für ein gelungenes Spiel ist, dass sich alle Mitspieler an die Spielregeln halten, d. h. genau zuhören, sie verstehen und umsetzen. Der Lehrer muss darauf achten, dass alle Schüler die Spielregeln aufmerksam aufnehmen und Fragen im Anschluss zulassen. Ebenso sollte er die Organisation während der Spielphase deutlich ansagen. Gegebenenfalls muss er Gruppen einteilen, Plätze zum Spielen zuteilen und Hilfe beim Spiel anbieten, sollten die Schüler nicht selbstständig zurechtkommen.

Natürlich geht es beim Spielen im Klassenraum lauter zu als bei der Stillarbeit am Platz. Durch Platzwechsel, nötige Gruppeneinteilungen, Holen von Material etc. entstehen Freiräume, mit denen die Schüler umgehen lernen müssen. Auch das Verlierenkönnen gehört zum Spiel dazu, sonst macht es keinen Spaß.

Nach einer Ausprobierphase erfolgt eine Feedbackrunde, damit Probleme beim Spielen, mit dem Verlieren, der Lautstärke etc. angesprochen werden können.

Das Spielerepertoire langsam erweitern

Es ist wichtig, mit einfachen Spielen zu beginnen und das Spielerepertoire der Klasse schrittweise zu erweitern. Oftmals sind Eltern bereit, für die Spieleecke im Klassenraum ausgediente Spiele an die Schule zu spenden.

Bei Lernspielen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Spiel dem Leistungsstand des jeweiligen Schülers bzw. der Lerngruppe gerecht wird und am besten eine selbstständige Lernkontrolle möglich ist. So ist mit Spielen in Übungsphasen eine sinnvolle individuelle Förderung möglich.

Immer wieder sollten verschiedene Spielformen abwechseln und nicht nur Lernspiele eingesetzt werden. Es muss auch der Spaß am Spielen und dem Erleben von Gemeinschaft durch Interaktions-, Kooperations-, Bewegungsspiele sowie freie Spielphasen angeregt werden. Schon bald werden die Schüler zu Spielesammlern und bringen eigene Spiele und Spielideen in den Unterricht mit.

Marion Keil

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