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Stationenlernen Sachunterricht

Forschen erwünscht — Sachunterricht an Stationen

Gerade im Sachunterricht ermöglicht Stationenlernen das entdeckende, selbstbestimmte Lernen. Forschen und Experimentieren werden hier großgeschrieben. Die handlungsorientierten Aufgaben eignen sich für einen leistungsdifferenzierten und auch fächerübergreifenden Unterricht.

Stationenlernen Sachunterricht: Forschen erwünscht — Sachunterricht an Stationen Beim Stationenlernen im Sachunterricht haben die Kinder Gelegenheit, die Dinge selbst zu endecken © Serhiy Kobyakov - Fotolia.com

„Meinen Eltern hat das Weihnachtsbuch sehr gut gefallen“, berichtet Katharina im Morgenkreis nach den Ferien. Das „Weihnachtsbuch“ war das Ergebnis der ersten Stationsarbeit der Kinder im ersten Schuljahr. Alle erarbeiteten Stationsblätter wurden zum Abschluss zu einem „Buch“ geheftet, das die Kinder ihren Eltern überreichten.

Die gesamte Vorweihnachtszeit waren alle Schüler mit Feuereifer dabei, ihr Weihnachtsbuch zu gestalten. Bei der Stationsarbeit im Sachunterricht ließen sich die Kinder kaum bremsen und fragten jede Stunde, wann die Weihnachtsstationen wieder bearbeitet werden können. Hier gab es Angebote wie die Gestaltung der Titelseite des Weihnachtsbuches, Tangramkarten zu einem Stern kleben, Wunschzettel schreiben, Weihnachtsbild-Wort-Domino zum Legen und Aufkleben und ein Weihnachtsmannsuchbild.

Besonders kreativ waren die Kinder bei ihren ersten Schreibversuchen über ihre Vermutungen zur Weihnachtsfrau. Ihre motorischen Fähigkeiten konnten die Kinder durch das Ergänzen von Weihnachtssymbolen erweitern. Als Wahlstation wurde ein Weihnachtswürfelspiel sehr gern angenommen.

Nach der abschließenden Präsentation der fertigen Bücher war klar: Die Stationen waren motivierend und es sind neben all dem erlangten Wissen schöne Weihnachtsgeschenke entstanden. Auch zu weiteren Jahreszeiten lassen sich viele Ideen für eine Stationsarbeit finden.

Menschliche Sinne mit allen Sinnen erfahren

Bereits im zweiten Schuljahr sind Stationen zum Kennenlernen der Sinne möglich. Gerade hier können Inklusions-Schüler mit Förderbedarf besonders gut mit einbezogen werden. Hier können die Sinne entweder einzeln mit Stationen zum Fühlen, Hören, Sehen, Riechen oder Schmecken oder je zwei bis drei ausgewählte Stationen zu jedem Sinn in einer Stationsarbeit bearbeitet werden. Aufgrund der Fülle der Möglichkeiten sollte hier der zeitliche Aspekt nicht außer Acht gelassen werden, damit alle Kinder alle Stationen zu allen Sinnen bearbeiten können. Für jeden Sinn sollten hier mindestens zwei Sachunterrichts-stunden eingeplant werden.

Ideen zum Fühlen mit verbundenen Augen sind: Kind der Klasse erfühlen, Moosgummiteile von Nase, Mund, Augen und Ohren zu einem Gesicht legen, ein blindes Kind sicher durch die Klasse führen und Gegenstände in einer Tasche erfühlen.

Zum Hören bieten sich folgende Bereiche an: eine Minute Geräusche der Umgebung hören, Hörmemory mit je zwei Streichholzschachteln, die den gleichen Gegenstand enthalten,  zum Schütteln, Kind an der verstellten Stimme erkennen, Körpergeräusche erkennen oder einen versteckten, tickenden Wecker finden.

Material aus dem Optikergeschäft wie Sehtests und Farbentests sind ideal für die Sehstationen. Ebenso das bekannte Spiel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ und optische Täuschungen bereiten hier viel Spaß und ermöglichen den Kindern das Entdecken und Verstehen der Funktionen des Sehsinns. Eine Wahlstation zum Aufbau des Auges kann hier das Angebot abrunden.

Erkenntnisse zum Geruchssinn gewinnen die Schüler an Stationen zum Riechen und Schmecken, in denen verschiedene Duftrichtungen und Lebensmittel angeboten werden. Um das Riech- und Geschmackserlebnis zu verstärken, kann hier durch Verbinden der Augen der Sehsinn ausgeschaltet werden.

Als Wahlstationen kann eine Sinnesgeschichte, die alle Sinne anspricht, ausgelegt werden. Die Schüler müssen alle erkennen und benennen.

Experimente motivieren zum Weiterforschen

Sehr beliebt bei Jungen und Mädchen sind Experimente in der Stationsarbeit. Da Stationen zum Beispiel zu Wasserexperimenten mit alltäglichen Gebrauchsgegenständen durchgeführt werden, können die Kinder bereits in die Vorbereitung einbezogen werden. So erhalten verschiedene Kleingruppen eine Liste mit den Versuchsmaterialien, die sie von zu Hause mitbringen sollen, um entsprechende Stationen aufzubauen. Geeignet sind hier Versuche wie Pfefferkörner in Sprudelwasser, eine sich öffnende Papierseerose auf dem Wasser, hinauffließendes Wasser mit zwei Gläsern und Trinkhalmen. Die Oberflächenspannung können die Schüler mit einem Wasserbecken, Büroklammern und Spülmittel entdecken.

Durch diese Experimentierstationen wird entdeckendes und selbstständiges Lernen gefördert. Nach Durchführung des Versuchs sollen die Kinder die wissenschaftliche Erklärung des Versuchs erfahren. Hierzu eignen sich Erklärungskarten, auf denen beispielsweise zu den Versuchen die Kapillarwirkung oder Oberflächenspannung kindgerecht erklärt wird. Diese Karten können von leistungsstärkeren Kindern als Wahlstationen zur Vorbereitung für die anschließende Plenumsphase oder leistungsmäßig gemischten Kleingruppen genutzt werden.

In einem gemeinsamen Plenum nach der Einheit können die Schüler ihre Versuche vorstellen und die wissenschaftliche Erklärung dazu weitergeben (von Kindern, die die Erklärungskarten bereits gelesen und verstanden haben oder nach Vorlesen und Erklärung durch den Lehrer). Dieser Abschluss der Einheit mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Versuche ist dringend erforderlich, um neben dem Spaßeffekt auch den Lerneffekt zu erhalten.

Ein weiterer Vorteil von  Experimentierstationen ist die Begeisterung der Kinder, sodass viele Kinder motiviert sind weitere Ideen von zu Hause mitzubringen. Mitgebrachtes Material kann beispielsweise als weitere Wahlstation ausgelegt werden.

Wasser und Wetter — fächerübergreifend

Weiterführend in Klasse 3 und 4 können Stationen zum Wasser und Wetter gestaltet werden. Der ökologische Aspekt des Wassers kann hier durch Wasservorkommen auf der Erde, den täglichen Wasserverbrauch und Wassersparmaßnahmen angesprochen werden. Ebenso lernen Kinder in Stationen die Zustandsformen des Wassers, den Wasserkreislauf, die Wasserversorgung und die Funktion einer Kläranlage kennen.

Zu diesem Thema, ebenso wie zu anderen Themen, bieten sich auch fächerübergreifende Stationen mit den Fächern Deutsch, Kunst oder Musik an. Dies hat den Vorteil, dass durch die Verknüpfung der Fächer mehr Unterrichtsstunden in der Woche zur Verfügung stehen und ein Thema durch Beleuchtung verschiedener Aspekte vertieft werden kann. Durch Sprichwörter zum Wasser, Wasserwörter, Geschichten zum Wasser, Händels „Wassermusik“ etc. entsteht ein umfassendes Wissen zum Thema.

Dies ist ebenso zum Thema „Wetter“ möglich: Sachunterrichtsstationen mit Aspekten wie Thermometer, Himmelsrichtungen, Zeichenschriften vom Wetter und die Entstehung von Niederschlägen. Ergänzend dazu können fächerübergreifende Stationen zum Schreiben eines Wetterberichts, der Gestaltung eines Wetterhörspiels mit Instrumenten und das Führen eines Wettertagebuchs vorbereitet werden. Als weitere Ideen für fächerübergreifende Stationen bieten sich „Vom Korn zum Brot“, „Apfel“, „Kartoffel“ und viele weitere Unterrichtseinheiten an.

Die offene Form des Unterrichts beim Stationenlernen ist sehr vorteilhaft für alle Themen im Sachunterricht der Grundschule. Alternativ zum Frontalunterricht oder anderen Unterrichtsformen bietet es die Möglichkeit, dass alle Kinder die Dinge handelnd erforschen können.

Allerdings bedeutet Stationsarbeit zum Sachunterricht für den Lehrer auch, dass er immer viel Material für Experimente oder zum Anfassen, Anschauen und Begreifen vorbereiten und bereitlegen muss. Ein nicht zu unterschätzender Zeitfaktor — und Materialaufwand — in der Unterrichtsvorbereitung, der allerdings durch das positive Lernklima aufgewogen wird.

Marion Keil

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