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Stationenlernen Mathematik

Station für Station die Welt der Zahlen entdecken

Stationenlernen ist gerade wegen der handlungsorientierten Aufgaben, die das selbstständige Lernen fördern, ideal für den Mathematikunterricht. Und das schon ab den ersten Aufgaben, die mit allen Sinnen gelöst werden. Auch Inklusion und Differenzierung kann hier leicht gelingen.

Stationenlernen Mathematik: Station für Station die Welt der Zahlen entdecken An einer Station können die Kinder geometrische Formen am Geobrett ausprobieren © Woodapple - Fotolia.com

„Ich habe gerade die Aufgabe geklopft. Kommst du mit mir an die Fühlstation?“, fragt Markus eine Mitschülerin. Bereits in der ersten Klasse kann mit Stationsarbeiten in Mathematik begonnen werden. Die ersten Additions- und Subtraktionsaufgaben bieten sich geradezu an, um die Anzahl von Mengen und die Bedeutung der Symbole mit allen Sinnen zu begreifen.
Diese erste Stationsarbeit ist bei Kindern und Lehrern beliebt, weil sie viele Lernzugänge und Anschauungen ermöglicht: Um Kinder vom zählenden Rechnen wegzubringen, eignet sich eine Station mit „Anschau-Aufgaben“. Hier werden je nach ausgewähltem Schwierigkeitsgrad eine oder zwei Karten mit Punkten kurz gezeigt und ein Partner soll die Anzahl der Punkte oder bei zwei Karten ihre Gesamtmenge nennen.

Neben dieser visuellen Übung sprechen die „Klopfaufgaben“ auditiv orientierte Kinder an: Eine Anzahl an Klopfgeräuschen oder die Summe zweier Klopfaktionen muss genannt werden. Für den haptischen Sinn gibt es Karten mit Filzpunkten, deren Anzahl oder Summe zweier Karten blind gefühlt und genannt werden muss.

Legeaufgaben festigen das Verständnis der Übertragung der enaktiven in die ikonische Ebene durch Übertragung einer Menge von verschiedenen Punkten in die Ziffer- und Zeichendarstellung einer Aufgabe. Wahlaufgaben ergänzen die Stationsarbeit: Würfelaufgaben mit der Addition der Augen zweier Würfel oder Aufgabenkarten zum Kopfrechnen. Die Vielfältigkeit der Stationsideen von der Ermittlung der Mengen bis zu ersten Rechenaufgaben kann immer wieder im Zahlenraum bis 20 variiert eingesetzt werden.

Grundrechenarten motiviert üben und festigen — auch inklusiv

„Päckchenaufgaben ins Heft abschreiben ist langweilig“, mault Jonas und er hat recht: Viele Schulbücher bieten nach der Einführung der halbschriftlichen oder schriftlichen Grundrechenarten seitenweise Aufgaben zum Abschreiben und Üben. Das ist für Kinder wenig motivierend. Auch hier bedarf es verschiedener Übungsformen, um die Lust am Festigen der Aufgaben zu erhalten.

Kinder lieben es, Geheimschriften zu entziffern. Dazu lösen sie auch schriftlich Aufgaben, um mit jedem Ergebnis dem Lösungssatz mit einem Lösungsbuchstaben näherzukommen. Ebenso ist ein Domino mit Aufgabe und Ergebnis als Anlegepartner spannend zu lösen. Ein Bilderrätsel, zu dem es zu jeder Aufgabe ein passendes Puzzleteil eines Bildes gibt, gefällt Kindern ebenfalls.

Eigene gewürfelte Aufgaben können nach Schwierigkeitsgrad gern größer ausfallen, um stolz ein Ergebnis im größeren Zahlenraum zu präsentieren. Mit der Anzahl der Aufgaben und Stellen kann bei allen Vorschlägen mühelos eine qualitative und quantitative Differenzierung erfolgen.

Auch Sachaufgaben bieten sich an: Berechnung von Preisen eines Einkaufs, zurückgelegte Strecken und besonders Gewichte von Tieren interessieren Kinder ebenfalls. Als Wahlmöglichkeiten finden Schüler die Erfindung eigener Sachaufgaben und das Lösen der Aufgaben durch ihre Mitschüler gut. So ist die Kiste an Wahlaufgaben immer voll und es kommt auch bei Kindern, die die Pflichtaufgaben erfüllt haben, keine Langeweile auf.

Gerade in der Arithmetik und der Einführung der automatisierten schriftlichen Rechenverfahren ist es leicht, durch Reduktion der Zifferstellen und der Aufgabenzahlen die Stationen für inklusiv beschulte Kinder anzupassen. Sie können die Einführungsphasen ebenso verstehen und rechnen die gleichen Stationen mit Aufgaben, angepasst an den Zahlenraum, in dem sie sich gerade befinden.

Größen handelnd erforschen

Handlungsorientierte Aufgaben fördern beim Stationenlernen die Eigentätigkeit der Kinder, ideal, wenn es um das Thema Größen geht. Beim Größenbereich „Längen“ können an Stationen Strecken berechnet oder Wege abgelaufen werden; das Ermitteln und Vergleichen von Körpergrößen der Klassenkameraden und Ausmessen vieler Gegenstände in der Schule schulen die Größenvorstellung.

Nach dem Kaufladenspiel im ersten Schuljahr bieten sich zum Thema „Geld“ für die weiteren Jahrgänge aufbauend weitere Stationen an: Geldwechselstube, Einkauf mit Rückgeld, Bank zum Geldzählen von Sparschweininhalten, Berechnen der Kosten von Schulmaterialien u. Ä.

Auch zur Uhr können Stationen wie Uhrzeit einstellen, Berechnung von Zeitspannen und Zeitdauer, Umrechnung von Stunde in Minute, Schätzung der Dauer einer Minute etc. eine Stationsarbeit gelingen lassen. Zu allen Größenbereichen können inklusive Aufgaben sehr gut integriert und alle Kinder in der Einführung und der Stationsarbeit mit differenziertem Material gemeinsam beschult werden.

Ideenpool für Geometrie

Gerade in Geometrie benötigen Grundschüler zur Anschauung viel Material und müssen Dinge herstellen, erkunden und von allen Seiten betrachten. Daher bietet sich die Arbeit an Stationen mit viel Bewegung und Aktion für die Kinder in diesem Bereich an. Ebenfalls kann hier wieder im ersten Schuljahr mit Stationen begonnen werden: Symmetrie erfahren Kinder durch die Herstellung von Klecksbildern, Faltschnitten, durch symmetrische Prickelbilder, Schmuckkarten und symmetrischer Ergänzung von Schmetterling etc.

Nach der Einführung der geometrischen Körper sind auch hier Stationen eine gute Möglichkeit, um geometrische Körper in der Umgebung zu entdecken und Kantenmodelle und Würfelnetze zu konstruieren. Auch Netze, Ansichten und Bewegungen können durch die Differenzierung an den Stationen mit oder ohne Material handlungsorientiert erarbeitet werden. Ein Wahlspiel zu allen geometrischen Körpern rundet das Stationsangebot ab.

Umfang und Bearbeitungszeit im Blick behalten

Gerade in Mathematik ist aufgrund der Vielfalt der Aufgabenformate die Gefahr groß, dass zu viele Stationen für eine zu kurze, festgelegte Zeit angeboten werden. Das Curriculum ab Klasse 2 beinhaltet viele Themen, sodass oft Stationsarbeiten auch nicht nach Bedarf um einige weitere Unterrichtsstunden verlängert werden können, ohne mit der Bearbeitung aller vorgesehenen Themen in Verzug zu kommen. Daher sollte bei der Auswahl der Pflichtstationen darauf geachtet werden, den Umfang und die vorgesehene Zeit für alle Schüler im Blick zu behalten. Gelingt das, wird die Stationsarbeit sowohl für die Einführung in ein Thema als auch zur Übung und Wiederholung effektiv sein. Denn Stationenlernen spricht verschiedene Lerntypen an, bietet daher verschiedene Zugänge, ermöglicht Lernen im eigenen Tempo und den eigenen Fähigkeiten entsprechend. Gerade im Fach Mathematik motivieren Stationenlernen die Schüler, sich die Welt der Zahlen anzueignen.

Marion Keil

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