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Stationenlernen

Station für Station — Lernen als Entdeckungsreise

Stationenlernen ist eine motivierende, selbsttätige Unterrichtsform und bietet sich für alle Fächer und alle Jahrgangsstufen in der Grundschule an. Mit der Bereitstellung von differenzierten Wahl- und Pflichtstationen und der Kenntnis der organisatorischen Möglichkeiten schafft sie für Lehrer und Schüler viel Handlungsspielraum.

Stationenlernen: Station für Station — Lernen als Entdeckungsreise Ob einzeln der in Kleingruppen — beim Stationenlernen lässt sich viel entdecken © WavebreakmediaMicro - Fotolia.com

„Heute habe ich schon drei Stationen bearbeitet und Max bei der Versuchsstation geholfen“, verkündet Christian seiner Lehrerin freudestrahlend. Sonst ist er nie so motiviert und zügig im Bearbeiten von Aufgaben. Das Stationenlernen, in dem er zumeist sein Tempo, die Schwierigkeit des Materials, die Reihenfolge und die Sozialform bei Aufgaben selbstständig wählen kann, kommt ihm sehr entgegen. Nicht nur ihm, auch für andere Kinder der Klasse bietet Stationenlernen einige Vorteile gegenüber lehrerzentriertem Frontalunterricht: Die in einem bestimmten Zeitraum erwarteten Aufgaben werden übersichtlich präsentiert und verschaffen einen Gesamtüberblick über die Aufgabenmenge.

Das Holen des Materials und die unterschiedlichen Stationen gewährleisten viel Bewegung: soziale Kontakte mit anderen Kindern der Klasse, kurze Entspannungsphasen zwischen den erledigten Aufgaben, hohe Neugier und Motivation, weitere Stationen zu erledigen und, bedingt durch differenzierte Angebote, auch viele Lernerfolge beim Erarbeiten, Üben und Wiederholen.

Verschiedene Lerntypen werden angesprochen

Durch vielfältige Aufgabenstellungen können verschiedene Lerntypen angesprochen und handlungsorientierte Aufgaben eingebunden werden. Es können wissensvermittelnde Aufgaben zu neuen Themenbereichen und/oder Übungs-/Wiederholungsstationen angeboten werden. Hier bieten sich sowohl Arbeitsblätter als auch Versuche, Rätsel, Knobelaufgaben, Spiele, Hörgeschichten, Arbeit am PC u. Ä. an.

Am sinnvollsten ist es, die Stationen differenziert vorzubereiten, sowohl qualitativ als auch quantitativ. Kurze und lange Lesetexte, zusätzliche Tipps zum Versuch oder zu Knobelaufgaben, Material zum Legen oder handelndem Erforschen, zusätzliche Bücher zum Thema etc. bieten sich sowohl für leistungsschwache Kinder als Hilfen als auch für leistungsstärkere Kinder als Herausforderung an.

Motivierende Wahlstationen als Zusatz

Meist ist das Stationenlernen so angelegt, dass nach den zu bearbeitenden Pflichtstationen von den Kindern Wahlstationen bearbeitet werden können. Die Wahlstationen sollten einen Zusatz zum Unterrichtsstoff beinhalten, da es viele Kinder zeitlich nicht schaffen werden, auch die Wahlstationen zu bearbeiten.

Diese Stationen sollten motivierend sein, damit Kinder die Pflichtaufgaben zügig erledigen. Doch spielerische und handlungsorientierte Stationen sollten auch unter den Pflichtaufgaben sein, damit langsam arbeitende Kinder nicht enttäuscht sind, wenn sie nicht mehr bis zu den Wahlstationen kommen.

Kinder gestalten Stationenlernen als Experten mit

Organisatorisch ist zu überlegen, ob die Wahlstationen im Anschluss an die Stationsarbeit für alle Kinder vorgestellt, aufgelöst oder bearbeitet werden. Kinder, die sie bearbeitet haben, können hier die Experten sein. Als Wahlstationen bieten sich daher Rätsel und Knobelaufgaben mit anschließender Auflösung durch die Expertenkinder im Plenum an. Auch Spiele, die noch einmal gemeinsam gespielt werden. Oder die Erfindung weiterer Stationen, die die Experten für alle Kinder zur Bearbeitung präsentieren.

Auch für den Lehrer entstehen Vorteile: Er gibt seine lehrerzentrierte Rolle auf und wird zum Beobachter, Helfer, Berater und Organisator der Stationen. Die Kinder können und sollten ebenfalls mit einbezogen werden. Bereits im Vorfeld können sie Stationen selbst erfinden, vorbereiten, Material dazu mitbringen, Ideen wünschen und einbringen. Oder in der Stationsarbeit selbst wird aus einer produktiven Aufgabe eine neue Station der Schüler.

Kinder können ebenfalls als „Experten“ von Stationen helfend agieren. Dazu kann in der Vorbereitung eine Expertenstartstation für jedes Kind bestimmt werden. Alternativ können sich Kinder nach erfolgreicher Bearbeitung einer Station als Experten in eine Stationsliste eintragen.

Gute Organisation erleichtert den Start

Organisatorisch ist folgendes Vorgehen zu empfehlen: Die Lehrerin, eventuell auch Kinder, bereiten die differenzierten Stationen vor und legen das benötigte Material auf Fensterbänken, Zusatztischen, Regalen etc. aus. Mögliche Sozialformen (Einzel-, Partner-, Gruppenarbeit) und Schwierigkeitsgrade können als Piktogramme auf den Stationsschildern notiert sein.

Als Einführung kann die Lehrerin selbst die Stationen vorstellen oder den Schülern die Möglichkeit geben, die Station im Plenum zu zeigen und zu erklären. Sinnvoll ist ein Laufzettel für die Kinder, auf dem sie ihre erledigten Aufgaben abhaken können. Auch sollten geeignete Materialien zur Selbstkontrolle durch die Kinder zur Verfügung gestellt werden, die entweder an der Station selbst oder am Lehrerpult in Form von Lösungsblättern ausliegen. Eine Endkontrolle durch die Lehrerin für jede Station sollte ebenfalls erfolgen.

Wichtig: Absprachen und Regeln

Eine Schwierigkeit gerade in der Grundschule ist es, dass manche  Kinder das eigene Leistungsniveau nicht gut einschätzen können. Hier ist ein stärkeres Eingreifen des Lehrers möglicherweise notwendig. Sollen bestimmte Kinder also nicht eigenverantwortlich ihr Schwierigkeitsniveau bestimmen, kann dies mit den jeweiligen Kindern vorab besprochen oder auf dem Laufzettel notiert werden.

Gerade bei Grundschülern ist es wichtig, gemeinsam Verhaltensregeln aufzustellen und diese ggf. für alle sichtbar als Plakat auszuhängen. Sind die Verhaltensregeln besprochen, können die Kinder direkt losarbeiten.

Ist eine Station beziehungsweise eine Aufgabe bearbeitet, sollte eine Selbstkontrolle folgen, ob alle Aufgaben richtig/entsprechend gelöst wurden. Sinnvoll ist eine Absprache, dass alle erledigten Aufgaben abgeheftet werden sollen — auch um als Lehrer sehen zu können, ob ggf. noch Förderbedarf besteht.

Probleme im Blick behalten

Neben vielen Vorteilen sind bei dieser Unterrichtsform folgende Nachteile zu nennen: Hoher Arbeitsaufwand der Vorbereitung, mehr Unruhe, paralleles Arbeiten der Kinder an verschiedenen Aufgaben, dadurch eventuell Verlust des Überblicks durch die Lehrerin.

Auch gestaltet sich die Leistungsmessung etwas schwieriger, wenn Kinder gemeinsam arbeiten. Weitere Schwierigkeiten: organisatorische Probleme durch nicht zurückgestelltes Material, Schwierigkeiten der Kinder beim selbstständigen Organisieren wie Zeiteinteilung, Tempo, Auswahl von zu schwierigem oder zu leichtem Material (vielleicht, um mit einem Partner daran gemeinsam arbeiten zu können), Kontrolle durch den Lehrer erst am Ende möglich etc.

Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, könnte die Lehrerin mit Kindern einen zeitlichen Rahmen und die zur Verfügung stehende Zeit (beispielsweise eine Unterrichtsstunde pro Aufgabe) verabreden. Langsam arbeitende Kinder könnten auch Aufgaben zu Hause oder ggf. in einer Förderstunde beenden. Damit Kinder sich für den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben realistisch einschätzen, ist es sinnvoll, zunächst die Stationen mit Namen zu kennzeichnen. Um die Kinder in die Entscheidung mit einzubeziehen, wäre ein vorheriges Abgleichen der Selbsteinschätzung mit der Einschätzung des Lehrers möglich.

Alle Probleme können und sollten in regelmäßigen gemeinsamen Gesprächsphasen während des Stationenlernens angesprochen werden, in Fragen und Stellungnahmen der Kinder zu: „Welches Problem ist heute aufgetreten? Wie könnte eine Lösung dazu aussehen? Welche Tipps gibt es für meine Klassenkameraden beim Bearbeiten einer Station?  Was habe ich heute gut geschafft?“ Dann kann für Schüler und Lehrer zufriedenstellendes Stationenlernen gelingen.

Marion Keil

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