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Wochenplanarbeit

Schritt für Schritt zur fächerübergreifenden Wochenplanarbeit

Selbstgesteuerte Wochenplanarbeit will gelernt sein. Am besten startet der Lehrer mit einem geschlossenen Tagesplan und baut diesen dann zum Wochenplan mit zunehmend offeneren Arbeitsaufträgen aus.

Wochenplanarbeit: Schritt für Schritt zur fächerübergreifenden Wochenplanarbeit Auch Experimentieren und Forschen gehört zur Wochenplanarbeit — das begeistestert die Schüler © micromonkey - Fotolia.com

„Wie beginne ich in meiner Klasse am besten mit Wochenplanarbeit?“, fragt eine Kollegin im Lehrerzimmer. — Eine wichtige Frage, denn um die Kinder nicht zu überfordern, sollte man die komplexe Methode schrittweise einführen.

Idealerweise startet man mit einem geschlossenen, übersichtlichen Tagesplan. Die Begrenzung auf einen Tag reduziert die Aufgabenfülle für den Einstieg und erleichtert den Anfängern die zeitliche Planung. Gerade zu Beginn stellt bereits ein Plan mit Pflicht-, Wahl- und Zusatzaufgaben sowie mit verschiedenen Sozialformen und Arbeitsformen hohe Anforderungen an die Schüler. Daher sollte man sich als Lehrer viel Zeit für die Einführung der Aufgaben und Regeln des Plans nehmen. Gegebenenfalls kann man auch mit einem fachbezogenen Plan und nur einem Unterrichtsthema anfangen.

Anfangs sollte der Tagesplan Aufgabenformen enthalten, die den Schülern schon vertraut sind. Bestenfalls sind auch Selbstkontrolltechniken bereits mit den Schülern eingeübt worden. Lediglich die Auswahl der Reihenfolge und die sinnvolle Zeiteinteilung kommen dann neu hinzu. Dies hat den Vorteil, dass die Kinder den Tagesplan zunächst als Verknüpfung bekannter Aufgaben empfinden und sich auf die Priorisierung der Aufgaben und die zeitliche Planung konzentrieren können.

Zur Beginn: Drei Fächer und ein Plan für einen Tag

Ein fächerübergreifender Tagesplan sollte bereits Pflicht- Wahl- und für schneller arbeitende Schüler Zusatzaufgaben beinhalten. Die Arbeitsaufträge sollten zu Beginn als eindeutige Handlungsvorgaben formuliert sein und nur eine Lösung haben. Nach der Einführung neuer Rechtschreibregeln könnte dies beispielsweise eine differenzierte Auswahl von Aufgaben im Lehrwerk sein, zum Beispiel: „Schlage in deinem Deutschbuch S. 45 auf. Wähle von den Aufgaben 1, 2 oder 3 eine Aufgabe aus. Schreibe in dein Deutschheft. “ Ähnlich in Mathematik: „Wähle zu der neuen Einmaleins-Reihe 1∙7 ein Arbeitsblatt aus.“ Im Bereich Sachunterricht kann beispielsweise ein Informationstext angeboten werden: „Lies den Text, wie die Kartoffel nach Europa kam. Beantworte eine der drei Fragen dazu.“ Zu allen Angeboten sind Selbstkontrollblätter vorhanden, um die Selbständigkeit der Kontrolle einzuüben. 

Als Zusatzangebot kann ein Lernspiel, eine Klassenlektüre oder eine Weiterschreib-geschichte angeboten werden.

Materialien bereitlegen und Regeln besprechen

Hat sich der Lehrer für bestimmte Aufträge zum Start in den Tagesplan entschieden, sollten die kopierten Arbeitsblätter sowie die Materialien für die Zusatzangebote an einem markierten Platz im Klassenraum ausgelegt werden. In einer Einführungsstunde erklärt der Lehrer die Aufgaben, zeigt die Materialien und bespricht die Regeln für die Arbeit am Tagesplan. 

Bewährt haben sich hier folgende Regeln: 

  • „Bearbeite zuerst die Pflichtaufgaben.“
  • „Gehe leise durch den Klassenraum, um dir Material zu holen.“
  • „Arbeite so, dass sich alle Kinder auf ihre Arbeit konzentrieren können.“
  • „Lies den Arbeitsauftrag zuerst selbst durch, bevor du Mitschüler oder den Lehrer fragst.“
  • „Lege ausgeliehenes Material zurück an seinen Platz.“ 
  • „Kontrolliere deine Arbeiten selbst vor der Abgabe.“

Wichtig fürs Gelingen: Probleme besprechen und lösen 

Schüler, die immer zuerst fragen, was zu tun ist, sollten von den Mitschülern und dem Lehrer immer wieder auf das selbstständige Lesen der Arbeitsanweisungen hingewiesen werden. Einige Schüler werden zunächst mit dem attraktivsten Lernangebot beginnen, sich damit zeitlich verzetteln und ihren Plan nicht zu Ende bekommen. Das könnte zum Beispiel ein Lernspiel sein, das als Zusatzangebot ausgewiesen wurde. Auch die Zusammenarbeit von Schülern behindert oftmals die Konzentration und somit die rechtzeitige Erledigung der Aufgaben. Manchmal gibt es auch Schüler, die in einem vermeintlich unbeobachteten Moment von den Mitschülern oder aus dem Kontrollheft abschreiben. 

Beobachten der Lehrer oder die Schüler solche Probleme, bietet sich eine Besprechungsrunde im Plenum an, zunächst bei Bedarf auch während der Tagesplanarbeit. Hier schildert der Lehrer seine Beobachtungen und regt die Schüler zu Lösungsvorschlägen an, zum Beispiel folgendermaßen: „Einige Schüler sind heute nicht mit der Zeit für ihre Aufgaben zurechtgekommen und konnten den Plan nicht fertigstellen. Was könnte diesen Schülern beim nächsten Mal helfen?“ Schülerantworten könnten in die folgende Richtung gehen: Man sollte zügig beginnen, nur mit zuverlässigen Partnern arbeiten, die sich nicht gegenseitig ablenken, einen ruhigen Platz im Klassenraum wählen, mit den Pflichtaufgaben anfangen, sich Hilfe bei Aufgaben suchen, mit denen man nicht sofort weiterkommt, entsprechende, zu leistende Aufgaben auswählen, Zeit nicht verbummeln etc. Durch diese gemeinsamen Absprachen und Anregungen werden sich die Organisation und die Arbeitsphase des Wochenplanunterrichts zunehmend optimieren.

Erste Schritte zur Wochenplanarbeit mit offeneren Aufgaben

Sobald die Schüler den Tagesplan eigenständig bewältigen und die Strategien zur Lösung der oben genannten Probleme kennen, folgt ein weiterer Schritt in Richtung selbstgesteuertes Arbeiten: Der Lehrer baut den Plan mit offeneren Aufgaben zum Wochenplan aus. In dieser Phase der Einführung sind die Schüler noch nicht in die Aufgabenplanung involviert, was sich in der Grundschule als sinnvoll erwiesen hat.

Jedoch enthält der Plan schon mehr Impulsaufgaben wie beispielsweise im Fach Deutsch: „Lies die drei Geschichten zur Freundschaft durch. Welche Geschichte hat deiner Meinung nach am meisten mit echter Freundschaft zu tun? Begründe deine Antwort.“ Oder im Mathematikunterricht: „Miss die Kinder deiner Tischgruppe mit dem Metermaß aus. Schätze zunächst, wer von euch der/die Größte ist. Vergleiche deine Ergebnisse mit deinen Mitschülern der Tischgruppe. Überlegt bei Abweichungen, was eure Messfehler sein könnten.“ Im Sachunterricht bieten sich hier Experimente an: „Wiege die Kartoffel mit Schale und ohne Schale jeden Tag mit der Waage. Notiere deine Ergebnisse. Was beobachtest du am Ende der Woche? Warum sind die Ergebnisse so? Notiere deine Vermutung.“ Diese Arbeitsaufträge verleiten stärker zum entdeckenden Lernen und beinhalten mehr Handlungsorientierung. Die Motivation der Schüler wächst, eine Abschlussbesprechung mit der Vorstellung der im Plan selbstständig gewonnenen Erkenntnisse rundet den Wochenplan ab.

Gemeinsam mit den Schülern einen offenen Wochenplan erstellen

Im Idealfall erreicht man bereits in der Grundschule die offene Form der Wochenplanarbeit mit einer Mitbestimmung der Schüler. Dabei planen Lehrer und Schüler gemeinsam die Aufgaben zu verschiedenen Themengebieten. Nach der Erarbeitung von Grammatikregeln zur wörtlichen Rede entwickeln die Schüler beispielsweise Ideen für Aufgabenformate im Wochenplan: Vielleicht schlägt ein Schüler die Arbeit mit der Kartei vor, ein anderer wünscht sich das Aufschreiben von Witzen mit Kennzeichnung der Dialoge durch wörtliche Rede. Und wieder ein anderer Schüler möchte ein Arbeitsblatt für seine Mitschüler als Hausaufgabe gestalten. Dabei sind die Schüler in die Gestaltung ihrer Lernprozesse involviert. Dies funktioniert ebenso im Mathematikunterricht, beispielsweise bei der Vorbereitung einer Klassenarbeit zum Einmaleins. 

Auch der Sachunterricht bietet vielfältige Möglichkeiten für einen offenen Wochenplan: Die Schüler wünschen sich hier zum Beispiel, zu einem Thema im Internet recherchieren zu dürfen, etwa gemäß selbst gesammelter Links von Kindersuchmaschinen oder -seiten. Oder sie würden gern Materialien von zu Hause mitbringen und ausstellen etc. All diese Ideen für den Wochenplan werden mit den Schülern gemeinsam besprochen. Passen sie zum Thema und zu den Lernzielen, legt der Lehrer gemeinsam mit den Schülern fest, welche Aufgaben davon als Pflicht- oder Wahlaufgaben in den Wochenplan für die nächste Woche Eingang finden. Eventuell können auch manche nicht unbedingt kompatible Aufgaben als Wahl- oder Zusatzaufgaben in den Plan aufgenommen werden. So finden sich alle Schüler mit ihren Aufgabenformaten im Wochenplan wieder. Das motiviert die Kinder und oft schneller als man denkt vertiefen sie sich in die Arbeit mit dem Wochenplan, den sie maßgeblich mitgestalten durften.

Marion Keil

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