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Wochenplanarbeit

Selbstgesteuertes Lernen mit dem Wochenplan

Mit dem Wochenplan bearbeiten schon Grundschüler selbstständig und eigenverantwortlich ein Unterrichtsthema: im eigenen Lerntempo und dem eigenen Leistungsniveau entsprechend.

Wochenplanarbeit: Selbstgesteuertes Lernen mit dem Wochenplan Während der Wochenplanarbeit ist die Lehrkraft Berater und Lernbegleiter, immer dann wenn Schüler Hilfe benötigen © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Der Pädagoge Claus Claussen begründet die Wochenplanarbeit aus „der didaktischen Erkenntnis“ heraus, „dass nicht alle Kinder zur gleichen Zeit die gleichen Aufgaben bewältigen und die gleichen Lernschritte gehen können“. (vgl. Claussen, Claus: „Unterrichten mit Wochenplänen. Kinder zur Selbständigkeit begleiten“, Weinheim und Basel 1997, S. 104) Daher sollte Lernen individuell und differenziert erfolgen. Beides ermöglicht der Wochenplan, bei dem die Schüler selbstverantwortlich differenzierte Aufgaben in ihrem eigenen Lerntempo bearbeiten. 

Dabei gehört die Methode des Wochenplanunterrichts zum offenen Unterricht, der sich durch „das entdeckende, problemlösende, handlungsorientierte und selbstverantwortliche Lernen“ kennzeichnet (vgl. Methodenpool der Universität Köln). Die Idee dazu entstammt bereits der Reformpädagogik der 20er-Jahre, in der es eine Bestrebung weg vom Frontalunterricht hin zum selbstgesteuerten Lernen aus eigener Motivation gab: Eine hohe Selbstaktivität der Schüler sollte das fremdgesteuerte Lernen ersetzen.  

Ein Arbeitsplan für eine Woche

Die Schüler erhalten bei der Wochenplanarbeit für einen bestimmten, am besten im Stundenplan festgelegten Zeitraum möglichst differenzierte Aufgaben zu verschiedenen Fächern. In der vorgegebenen Zeit bearbeiten die Schüler die Arbeitsaufträge in selbstbestimmter Reihenfolge, in eigenem Lerntempo und in verschiedenen, manchmal auch vorgegebenen Sozialformen wie Einzelarbeit, Partnerarbeit oder Gruppenarbeit. 

Oft wechseln die Arbeitsformen zwischen experimentellen, spielerischen, handelnden oder entdeckenden Aufgaben ab. In der Regel beinhaltet die Wochenplanarbeit Pflicht- und Wahlaufgaben, für schneller arbeitende Schüler außerdem Zusatzaufgaben. Mit einer vom Lehrer vorbereiteten Selbstkontrolle überprüfen die Schüler eigenständig ihre Ergebnisse.

Im Anschluss an eine ausführliche Besprechung des Plans und des erforderlichen Materials im Klassenraum arbeiten die Schüler selbstständig daran. Die Arbeitsphasen werden immer wieder durch Reflexionsphasen begleitet, in denen im Plenum gut gelungene Arbeiten, Probleme und nötige Hilfen besprochen werden. 

Vom geschlossenen zum offenen Wochenplan

Es gibt verschiedene Formen des Wochenplans: Während der geschlossene Wochenplan den Schülern keinen Entscheidungsspielraum lässt, bietet ihnen der offene Wochenplan eine Reihe von Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Doch selbstbestimmtes Arbeiten will gelernt sein. Deshalb erfolgt der Einstieg in die Wochenplanarbeit meist mit einem geschlossenen Plan mit viel Anleitung durch den Lehrer: Er formuliert die Aufgaben, bestimmt die Sozialform und gibt das Arbeitsmaterial zum Üben, Festigen und Wiederholen vor. 

Die offene Form des Wochenplans stellt eine Weiterentwicklung des geschlossenen Plans dar. Hier erarbeiten Schüler und Lehrer gemeinsam die Angebote des Plans: Sie verabreden Aufgabenstellungen, die Sozialform und treffen eine Auswahl an Arbeitsmaterialien. Dies setzt bei den Schülern jedoch Erfahrung mit dieser Unterrichtsmethode voraus. 

Die gebräuchlichste Form in der Grundschule ist die Einbindung mehrerer Fächer in einen fächerübergreifenden Wochenplan. Als Alternative bietet sich ein fachbezogener Wochenplan an, zum Beispiel zu einem Unterrichtsthema im Hauptfach Deutsch oder Mathematik. Da sich eventuell nicht alle Unterrichtsinhalte für die Wochenplanarbeit eignen und wegen fehlender Handlungsmöglichkeiten bei der Beschränkung auf nur ein Fach, wird der Plan jedoch meist auf mehrere Fächer ausgedehnt. 

Kompetenzerwerb in der Wochenplanarbeit

Um eine selbstständige Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsthema zu ermöglichen und auch leistungsschwache Schüler zu aktivieren, bieten sich offene Unterrichtsmethoden wie die Wochenplanarbeit an. Durch die Möglichkeit der differenzierten Aufgaben im Wochenplan, die individuelles Lernen ermöglichen, erleben leistungsschwächere Schüler Lernerfolge und werden in ihrem Selbstvertrauen in die eigenen Lernprozesse gestärkt. 

Der Wechsel der Sozialformen fördert auch soziale Kompetenzen wie „Hilfe annehmen können“ oder „die Bereitschaft, anderen zu helfen“. Gleichzeitig unterstützen die möglichst unterschiedlichen Arbeitsformen das entdeckende Lernen und erweitern die Methodenkompetenz. 

Die Schüler arbeiten eigenständig und selbstorganisiert, was weitere Kompetenzen fördert: Sie lernen, sich die Zeit sinnvoll einzuteilen, um am Ende mit allen Aufgaben fertig zu werden. Und sie üben, sich für eine bestimmte Reihenfolge zu entscheiden und die Pflichtaufgaben zuerst zu erfüllen. Bei differenzierenden Aufgaben müssen sie sich selbst richtig einschätzen, um eine Aufgabe entsprechend ihres Leistungsstandes auswählen zu können. Haben sie bei einer Aufgabe Probleme, müssen sie eine leichtere nehmen oder sich passendes Hilfsmaterial beziehungsweise geeignete Experten zur Problemlösung suchen. 

Neben Engagement ist außerdem Durchhaltevermögen gefragt. Nach der Abgabe und Durchsicht durch den Lehrer ist gegebenenfalls Kritikfähigkeit erforderlich, zudem müssen sie nicht korrekt gelöste Aufgaben verstehen und verbessern können. 

Der Lehrer als Organisator und Lernbegleiter 

Der Lehrer übernimmt zunächst die Vorbereitung des Wochenplans: Er konzipiert den Wochenplan, sucht geeignete, möglichst differenzierte Aufgaben für die geschlossene beziehungsweise für die offene Variante heraus und stellt das Material zusammen. Dieses sollte die unterschiedlichen visuellen, auditiven und haptischen Lerntypen ansprechen, vielseitige Möglichkeiten zu handlungsorientiertem und entdeckendem Lernen sowie zur Selbstkontrolle bieten, praktisch und ansprechend gestaltet sein und allein oder gemeinsam bearbeitet werden können. 

In der Einführungsphase macht der Lehrer die Schüler mit der neuen Lernmethode vertraut, organisiert den Klassenraum entsprechend und führt die Arbeitsregeln zur selbständigen Arbeit ein. Während der Wochenplanarbeit übernimmt er die Rolle eines Lernbegleiters auf Augenhöhe mit den Schülern: Er ermutigt und lobt die Kinder und gibt lediglich Impulse und Hilfestellungen, während die Schüler ihre Lernprozesse selbstständig und eigenverantwortlich gestalten. Er greift nur bei Problemen ein, moderiert Feedbackrunden und kontrolliert zuletzt die erledigten Arbeiten. 

Sobald die Wochenplanarbeit gut läuft, gewinnt auch der Lehrer Freiräume, um die Lernfortschritte und neu erworbenen Kompetenzen der Schüler zu beobachten und schriftlich festzuhalten und um einzelne Schüler individuell zu fördern und zu fordern.  

Zu Beginn der Wochenplanarbeit verständigen sich Lehrkraft und Schüler auf Regeln für die Phasen eigenverantwortlicher Arbeit, zum Beispiel auf einen sorgfältigen Umgang mit dem Material, auf den Grundsatz „Eine Aufgabe vor der nächsten Aufgabe beenden“ oder auf das Abhaken erledigter Aufgaben nach der Selbstkontrolle.

Damit die Schüler erfolgreich im Wochenplan arbeiten können, sollten sie die verschiedenen Sozialformen wie Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit sowie eigenständiges Arbeiten bereits kennen. Bestenfalls sind die Schüler auch bereits in der Lage, sich ihre Zeit für die Erledigung der Aufgaben gut einzuteilen und mit der Selbstkontrolle ihre Ergebnisse selbständig kontrollieren zu können.

Marion Keil

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