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Zeitmanagement

Ein guter Lehrer wird man erst im Beruf

Ein guter Lehrer wird man „mit Berufspraxis und Zeit!“, sagt die Bochumer Schulpädagogin Prof. Dr. Gabriele Bellenberg. — Für viele Berufseinsteiger beruhigend zu wissen, denn meistens ist das erste Schuljahr auch das anstrengendste. Doch erst einmal ist die Devise „Überleben!“ Und das funktioniert nur, indem man gnadenlos Prioritäten setzt.

Zeitmanagement: Ein guter Lehrer wird man erst im Beruf Ein vernünftiges Zeitmanagement hilft dabei, Routinen zu entwickeln und schützt vor allzu viel Stress © Saskena - Fotolia.com

Wer dachte, mehr als im Referendariat kann man gar nicht arbeiten, wird meist im ersten Schuljahr mit vollem Stundendeputat eines Besseren belehrt. Aus den maximal 12 Stunden im Referendariat werden plötzlich mindestens doppelt so viele, dazu umfangreiche Terminverpflichtungen „nebenher“: Konferenzen, Sitzungen, Ausschüsse, Elternveranstaltungen, Klassenfahrten und so weiter.

Hinzu kommt womöglich noch ein Stundenplan, den „ein wahrer Sadist (…) gebaut zu haben scheint“: viele Freistunden, trotz langer Schulwege oder Stau immer die erste Stunde oder Aufsichten an den vollsten Tagen, und kaum „einmal kommt das Gefühl auf, alles terminlich im Griff zu haben und in Ruhe seiner Hauptaufgabe, nämlich dem Unterrichten und der Unterrichtsvorbereitung nachkommen zu können“, resümiert eine Broschüre der GEW. Trotz alledem verspricht die Handreichung eine „Feierabendgarantie für junge Lehrerinnen und Lehrer“. Wie soll das gehen? Mit Mut zur Lücke und indem man den Zeitdieben den Kampf ansagt, versichern die Autoren.

Regel Nummer 1 lautet dabei: „Prioritäten setzen!“ Nach der Devise „Das Wichtigste zuerst“ sollte man seine Aufgaben bewerten und, möglichst auch in Absprache mit erfahreneren Kollegen, herausfinden, „wo wirklich Eile geboten ist und wo zeitlich noch etwas Luft ist“ (ebd., S. 9) Anschließend sollte man dann die obligatorischen schulischen und die individuellen Termine in einem Plan zusammenführen.

Den eigenen Zeitfallen auf die Spur kommen

Zeit ist gerade im ersten Jahr als Lehrer ein knappes Gut. Um sie effizient zu nutzen und den Tag zwischen Schule und Zuhause sowie zwischen Arbeit und Freizeit zu rhythmisieren, sollte man zunächst den eigenen Umgang damit reflektieren. Beim Aufspüren der persönlichen Zeitfallen hilft eine Checkliste (S. 11 ff.) mit den typischen Zeitfressern als Ich-Aussagen, zum Beispiel: „Ich arbeite häufig eher planlos vor mich hin und komme dadurch nicht richtig voran.“ Lösungsvorschlag dazu: Terminplan anlegen und sich anfangs die Planung dadurch vereinfachen, indem man Aufgaben und Zeitaufwand auf einzelne Blätter schreibt und so lange hin- und herschiebt, bis eine optimale Zeitnutzung gefunden ist. „Beachten Sie aber unbedingt auch Ruhepausen!“, raten die GEW-Autoren dringend. (ebd., S. 13)

Gute Organisation schafft Freiraum

Schulaufgaben, Stegreifaufgaben oder eingesammelte Hefte können — unerledigt auf dem Schreibtisch — recht belastend sein. Deshalb am besten: sofort wegkorrigieren! Wem das Anfangen schwerfällt, der findet bei lehrerfreund.de wertvolle Tipps und Tricks.

Eine gute Organisation schafft auch Luft, wenn es zum Beispiel darum geht, den Arbeitsplatz im Lehrerzimmer zu optimieren: Erfahrungsgemäß haben Lehrer dort nur wenig Platz. Um den verfügbaren Raum zu erweitern, empfehlen die GEW-Autoren eine Klappbox oder Curverkiste, zum Beispiel um Büromaterial aufzubewahren oder auch Material für unvermutete Vertretungsstunden griffbereit zu haben. Sie kann einfach unter dem Arbeitsstuhl verstaut werden. (GEW-Broschüre Zeitmanagement, S. 15)

Unterricht = Prio 1!

Der organisatorische Druck in den ersten Wochen lässt oft vergessen, dass der Unterricht oberste Priorität besitzt, so die Autoren der Broschüre. Ihre Erfahrung: „(…) je besser die ersten Stunden laufen, umso reibungsloser wird die Arbeit in den ersten Wochen und Monaten sein.“ Dann werde das „unvermeidliche Kräftemessen“ (S. 16) zwischen Schülern und neuen Lehrern weniger massiv ausfallen.

Ebenfalls wichtig: Pünktlichkeit. Von Anfang an sollte man mit dem Klingelzeichen in der Klasse sein, da unbeaufsichtigte Klassen unfallgefährdet sind und größere Unruhe aufbauen. Um eine „Wertschätzung der Unterrichtszeit“ zu vermitteln, empfiehlt es sich zudem, pünktlich, aber nicht zu früh zu schließen.

Von sogenannter „Türschwellenvorbereitung“ rät die Handreichung allerdings ab, Stunden sollten möglichst immer „eine vernünftige inhaltliche und zeitliche Struktur haben“ und auch möglichst bald nach heterogenen Lerngruppen differenzieren. — Zu ambitioniert? Manche erfahrene Kollegen ermutigen hier explizit zum Improvisieren (vgl. dazu den Beitrag „Das erste Jahr als Lehrer überstehen“, ebenfalls hier im Lehrerbuero). Und viele machen damit sogar sehr gute Erfahrungen. So postet eine Lehrerin im Rückblick auf ihr erstes Berufsjahr in einem Lehrerforum: „Manches Mal bin ich auch schon unvorbereitet im Unterricht erschienen, weil mir mein Schlaf oder auch meine Gesundheit wichtiger waren als die Unterrichtsvorbereitung. Und siehe da, die improvisierten Stunden sind oft sogar richtig gut geworden!“

Praxis verschafft Sicherheit

Natürlich ist das erste Jahr als Lehrer in der Regel das anstrengendste der Schullaufbahn. Doch gerade im Lehrerberuf gilt das alte Sprichwort: „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Das Verschränken von fachlichem, fachdidaktischem und erziehungswissenschaftlichem Wissen kann erst in der Praxis gelingen: „in der Zusammenarbeit mit Kollegen, in der Vorbereitung von Unterricht, bei der Korrektur von Klassenarbeiten“, sagt die Schulpädagogin Prof. Dr. Gabriele Bellenberg. Bis „man ein guter Lehrer ist, dauert es sieben, acht Jahre“, prognostiziert sie an anderer Stelle.

Martina Niekrawietz

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