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Körpersprache

Was die Körperhaltung verrät

Körpersprache wird meist nur unbewusst wahrgenommen, dafür aber sehr direkt empfunden. Schüler entschlüsseln intuitiv nonverbale Signale ihrer Lehrer. Sie merken sofort, wie engagiert jemand auftritt. Umso wichtiger ist es, Körpersprache gezielt einzusetzen und für eine gute Beziehung zwischen Lehrer und Schülern zu nutzen.

Körpersprache: Was die Körperhaltung verrät Auch ohne viele Worte verstehen Schüler, was die Lehrerin sagen will. Um so wichtiger ist es, auf die eigene Körpersprache zu achten © pathdoc - Fotolia.com

Lisa M. ist nervös. Nach dem Examen soll sie als Berufsanfängerin gleich in sechs verschiedenen Klassen unterrichten. Lauter neue Schülerinnen und Schüler, lauter kritische  Augen, die sie gnadenlos begutachten werden:  ihr Äußeres, ihre Sprache, ihren Gesichtsausdruck und ihre Gesten. Werden sie sich sympathisch sein oder nicht? Ob es Liebe auf den ersten Blick gibt, ist umstritten. Spontane Sympathie oder Antipathie dagegen kennt jeder. Die junge Lehrerin weiß: Oft fällt die Entscheidung schon bevor das erste Wort gesprochen wurde.

Der erste Eindruck, den eine unbekannte Person macht, hängt nur zu 10 Prozent von dem ab, was sie sagt, haben Wissenschaftler herausgefunden.  90 Prozent  werden von anderen Faktoren bestimmt: von Mimik, Gestik, Körperhaltung und auch der äußeren Erscheinung. Darauf gilt es also sein Augenmerk zu richten, denn, so der Kommunikationsexperte Paul Watzlawick: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Etwas pathetisch, aber eindrucksvoll formuliert es der bekannte Ex-Pantomime und Körpersprachenexperte Samy Molcho: „Der Körper ist der Handschuh der Seele, seine Sprache das Wort des Herzens. Jede innere Bewegung, Gefühle, Emotionen, Wünsche drücken sich durch unseren Körper aus.”

Ein gutes Lernklima schaffen

Sicher gibt es in jeder Klasse ganz unterschiedliche Schüler — die Braven und die Streithähne, die Clowns und die Mitläufer, die Klugen und die Ahnungslosen. Nicht jedem kann man es recht machen und wird es auch gar nicht wollen. Doch was auch immer sich zwischen Lehrerin und Schülern entwickeln wird — es soll in einem guten Klima stattfinden. Dabei können einige Regeln der non-verbalen Kommunikation hilfreich sein. Denn es  gilt zu signalisieren:  Ich bin offen für euch, ich freue mich, hier zu sein und möchte euch kennenlernen.  Das muss man nicht sagen, viel wichtiger ist es, diese Botschaft beim Betreten der „Bühne“  auszustrahlen.

Literatur zum Thema:

Was sendet man aus? Was kommt beim Empfänger an? Der Klassiker der Kommunikationswissenschaft:
Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien, Bern 2011

Grundlegendes Werk  für erfolgreiches Kommunizieren in der Schule. Mit Trainingsprogramm zum Lehrerverhalten: Rudolf Heidemann: Körpersprache im Unterricht — Ein Ratgeber für Lehrende, Wiebelsheim 2007

Eine knappe, zeitsparende Zusammenfassung der wichtigsten Regeln der Körpersprache: Monika Matschnik: 30 Minuten:  Körpersprache verstehen, Offenbach 2007

Samy Molcho, der Großmeister der Körpersprache, beantwortet alle wesentlichen Fragen zur Körpersprache, dazu werden die Antworten mit vielen Fotos illustriert: Samy Molcho: Alles über Körpersprache — sich selbst und andere besser verstehen, München 2009

Die DVD des Pantomimen und Experten: Samy Molcho Live, Was ist Körpersprache? Körpersprache in der Praxis — 2 DVDs, München 2006

Neugier, gute Laune und Optimismus zu verströmen, ist nicht einfach in einer Situation, in der man nervös und ängstlich ist. Und natürlich kann und soll sich niemand verstellen. Denn wenn jemand etwas sagt, das er nicht wirklich denkt und fühlt, dann sendet er womöglich widersprüchliche Signale aus. Das irritiert das Gegenüber und erzeugt Misstrauen.  Aber Lisa M. ist sich sicher: Sie will einen guten und vertrauensvollen Start an der neuen Schule. Und wie ein guter Entertainer, der sein souveränes Auftreten letztlich seinen Helfern und Coaches verdankt,  bereitet sie sich sorgfältig vor und beherzigt ein paar Tipps von Profis.  

Von Anfang an präsent sein

Wie sehe ich aus? Was ziehe ich an? Lauten die ersten Fragen. Manch einer mag das oberflächlich finden, aber: Ein gelungener Auftritt beginnt mit der Planung des Äußeren. Kleidung, Frisur, Parfüm, Schminke — das Outfit sollte die eigene Persönlichkeit positiv unterstreichen, nur so kann man glaubhaft und sympathisch auf sein Gegenüber wirken. Die Kleidung darf bequem sein, damit man sich darin wohlfühlt, aber nicht allzu lässig oder gar jugendlich, denn Kleidungscodes von Schülern und Lehrern sind unterschiedlich, was man als Lehrer tunlichst beachten sollte.  

Dann kommt der große Augenblick und die junge Lehrerin betritt die Klasse. Wichtig ist es jetzt, von Anfang an präsent zu sein. Die richtige Kontaktaufnahme beginnt mit einem Blickkontakt und einem freundlichen Lächeln, wobei ein Lächeln nur dann als ehrlich angenommen wird, wenn die Augen mit lachen und strahlen. Was nun folgt ist ein spannender Moment: das Warten. Warten bis sich alle gesetzt haben und Ruhe einkehrt. Warten auf die Aufmerksamkeit, die einem Lehrer zusteht.

Der hat unterdessen die Möglichkeit zur Frage: Wie stehe ich eigentlich da? So wichtig wie Mimik und Gestik ist beim Vortrag auch die Körperhaltung. „Ohne Blickkontakt und Körperspannung ist alles andere nichts“, weiß Erziehungswissenschaftler Rudolf Heidemann.

Der Blick wandert von einem zum anderen, eine ruhige Atmung und eine aufrechte Haltung zeugen von Sicherheit. Der Körper sollte dabei — wie beim professionellen Redner — dem Publikum zugewandt sein. Die Schüler wollen sehen, wer da vor ihnen steht. Umgekehrt will der Lehrer wahrgenommen werden. Er versteckt sich daher nicht hinter dem Pult, auf dem sich womöglich noch Bücher und Aktentasche stapeln,  sondern stellt sich davor. Er läuft auch nicht hektisch hin und her, was die Aufmerksamkeit von seinen Worten ablenken würde, sondern wechselt höchstens in aller Ruhe mit ein paar Schritten den Standort. Die optimale Position beim Sprechen ist ein sicherer Stand auf beiden Füßen, der zeigt: Ich habe einen Standpunkt. Schlecht ist es, dauernd das Standbein zu wechseln und hin und her zu wackeln, es wirkt unsicher und macht die Zuhörer nervös. Besser funktioniert ein leichtes Pendeln nach vorn, das gleichzeitig signalisiert, dass man der Klasse zugeneigt ist. Und nicht — pendeln nach hinten — auszuweichen versucht oder gar flüchten möchte.  

Der Krone-Erbse-Trick

Das Wichtigste beim Stehen ist die richtige Körperspannung. „Bauch rein, Brust raus“, hieß es früher kurz und knapp. Ein Trainer würde heute formulieren: „Lassen Sie die Schultern locker fallen, ziehen Sie die Schulterblätter nach hinten und halten Sie den Bauch gespannt.“ Wer zusammengesunken dasteht, erinnert an ein kraftloses Häufchen Elend. Wer sich dagegen traut, den verletzlichen Brust- und Halsbereich zu zeigen, offenbart Furchtlosigkeit und Selbstbewusstsein.

Links zum Thema:

Jennifer Kappe: Der Lehrkörper — Wie wichtig ist die Körpersprache eines Lehrers?, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Germanistisches Institut, 2012

Schüler verstehen die Körpersprache schneller als das gesprochene Wort — Interview mit Wolfgang Endres, 2014

Die Grundlagen der Körpersprache, Informationen dazu hier.

Samy Molcho: Einleitung zu einer Reihe von youtube-videos

Zur gewünschten Haltung verhilft der Krone-Erbse-Trick der Psychologin Monika Matschnig: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Erbse im Hintern und eine Krone auf dem Kopf.  So erlangen Sie die richtige Körperspannung, ohne dass Sie das Kinn nach oben strecken — was wiederum als Arroganz gewertet werden könnte.“  Außerdem bleiben die Arme locker, so wirkt der Redner nicht steif.  

Für Lehrer gilt: Breitbeiniges Stehen, womöglich mit in die Hüfte gestemmten Händen, zeigt nur eins: Ich möchte mehr Platz einnehmen. Diese Körperhaltung schüchtert ein und wirkt allzu dominant.  Auch sollte man die Hände nicht in die Hosentaschen versenken oder hinter dem Rücken verstecken — schließlich hat man nichts zu verbergen.

Auch umgekehrt wirkt die Körperhaltung auf die mentale Verfassung, das fand die Wissenschaftlerin Julia Koinár von der Universität Bremen heraus: „Versuchsteilnehmer, die eine gebeugte Körperhaltung einnahmen, fühlten sich deutlich trauriger, nachdenklicher und ängstlicher, als die, die ihren Brustkorb durch einen aufrechten Stand geöffnet hatten.“

Lisa M. wählte übrigens für ihren ersten Schultag eine türkisfarbene enge Sommerhose, dazu halbhohe Pumps, um sich etwas größer zu fühlen, und eine locker fallende Tunika für die Bewegungsfreiheit. Ihre Haare trug sie als Pferdeschwanz, dazu modische Ohrringe. Ihr Auftritt machte ihr Mut für das Schuljahr. 

Regine Dee

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