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Hochbegabung

Das Drehtürmodell - Ein Weg zur individuellen Förderung

Welcher hochbegabte, leistungsstarke Schüler hat nicht den Wunsch, in der Schule einmal ein Angebot wahrzunehmen, das ihn besonders interessiert und für das im Unterricht keine Zeit bleibt? Mit dem Drehtürmodell gibt es einen Weg, der hochbegabten und besonders begabten Schülern die Möglichkeit zur individuellen Förderung ermöglicht und deren Stärken entfalten lässt.

Hochbegabung: Das Drehtürmodell - Ein Weg zur individuellen Förderung Es ist nicht leicht, dass Interesse bei Hochbegabten hoch zu halten © contrastwerkstatt - Fotolia.com

An vielen Schulen versucht man diese Schülerwünsche mit Hilfe des Drehtürmodells, das in diesem Artikel vorgestellt wird, zu verwirklichen.

Das Drehtürmodell bildet eine zusätzliche individuelle Fördermöglichkeit für hochbegabte Schüler, für Schüler mit besonderen Teilbegabungen sowie für interessierte und motivierte begabte Schüler. Das Modell stammt ursprünglich aus den USA. Es wurde dann von den Niederländern Renzulli und Mönks weiterentwickelt.

Die schulischen Maßnahmen, die diesem Modell zugeordnet werden, sind sehr vielfältig, da jede Schule das Modell auf ihre spezielle Situation überträgt. Es lässt sich grundsätzlich in jeder Schulen verwirklichen. Das Lernangebot der Schule wird einerseits erweitert, andererseits soll der normale Unterrichtsstoff schneller gelernt werden. Durch Akzeleration (beschleunigtes Lernen) gewinnt der Schüler Zeit, die er dann für verschiedene Angebote im Enrichmentbereich (Bereich des vertiefenden Lernens) nutzen kann.

Im Zentrum steht der einzelne Schüler mit seinen besonderen Begabungen, die in diesem Erweiterungsprogramm gestärkt werden sollen. Diese individuelle Förderung bietet den Schülern, die im Unterricht trotz Binnendifferenzierung unterfordert sind, die Möglichkeit, den regulären Unterricht zu verlassen, um an zusätzlichen Unterrichtsangeboten teilzunehmen oder selbstständig an ausgewählten Projekten zu arbeiten. So erhalten die Schüler ihre eigenen individuellen Förderprogramme, ohne die Klassengemeinschaft verlassen zu müssen. Da die Schüler zwischen dem normalen Unterricht und der individuellen Förderung wechseln, spricht man von einem Drehtürmodell.

Die zusätzlichen Angebote sind vielfältig und variieren von Schule zu Schule. In der Grundschule können Schüler beispielsweise in bestimmten Fächern stundenweise am Unterricht höherer Klassen teilnehmen. In den Stufen 5/6 können zusätzliche Kurse im Bereich der Naturwissenschaften besucht werden. Ab Stufe 7 kann an einer Schule parallel zum Unterricht das Erlernen einer weiteren Fremdsprache angeboten werden. Im Differenzierungsbereich der Stufen 8/9 besteht die Möglichkeit, dass hochbegabte Schüler zwei Fächer gleichzeitig wählen. Die Schüler nehmen dann an den unterrichtenden Fächern mit halber Stundenzahl teil. Am Gymnasium können besonders begabte Schüler stundenweise nach Interesse den Unterricht der Oberstufe besuchen oder an Veranstaltungen einer Universität teilnehmen.

Eine weitere Form des Drehtürmodells ist die selbstständige Arbeit der Schüler an ausgewählten Projekten parallel zum Unterricht und in der Freizeit. Die Projekte sind so verschieden wie die Talente der Schüler. Sie sind abhängig vom Alter und von den Interessen der Teilnehmenden.

Naturwissenschaftlich interessierte Schüler können in der Grundschule beispielsweise über Tiere oder Pflanzen in der näheren Umgebung forschen. Projektthemen wie Ameisen, Schnecken, Haustiere oder Schmetterlinge sind sehr beliebt. Auch Zeitreisen oder Themen aus dem Bereich der Heimatkunde sind sinnvoll.

In der Haupt-, Realschule oder am Gymnasium sollten umfangreichere Projektthemen angeboten werden. Beispielsweise interessieren Schüler in diesem Alter Projekte aus dem Fach Geschichte oder Erdkunde. In Geschichte lassen sich einzelne Epochen untersuchen. Weiterhin kann man das Leben historischer Persönlichkeiten erforschen. In Erdkunde können bestimmte Länder wie beispielsweise Australien entdeckt werden. Auch Themen wie Naturkatastrophen, Müllvermeidung oder Klimawandel bieten sich an. Experimente aus dem Bereich der Physik oder Chemie sind ebenfalls sehr beliebt. Man kann weiterhin auch praktisch im sportlichen oder künstlerischen Bereich arbeiten. Da es zahlreiche Möglichkeiten gibt, ist diese Darstellung natürlich lückenhaft und lässt sich je nach Situation ergänzen.

Sie als Pädagoge sollten gemeinsam mit dem betroffenen Schüler einen sinnvollen Bereich je nach Interesse und Schülerpersönlichkeit auswählen.
So vielfältig die Projektthemen, die bearbeitet werden können, auch sind, alle haben gemeinsam, dass die Teilnehmer sich sehr intensiv für einen bestimmten Bereich engagieren. So wird auch nach der Schule und in den Ferien sehr Zeit investiert.

Ziele

Durch diese Fördermaßnahme sollen hochbegabte Schüler, Schüler mit besonderen Teilbegabungen sowie motivierte begabte Schüler gezielt individuell gefördert werden. Es sollen Hilfestellung bei der Entwicklung dieser Begabungen gegeben werden. Weiterhin sollen das selbstständigen und eigenverantwortlichen Lernen über den Regelunterricht hinaus geschult sowie eigene Lernstrategien und Durchhaltevermögen trainiert werden.

Vorgehensweise

Die Vorgehensweise lässt sich in fünf Schritten zusammenfassen:

Schritt 1:
Nach Schülerbeobachtungen im Unterricht und Gesprächen mit Lehrern, Schülern, deren Eltern und eventuell externen Experten werden besonders leistungsfähige und interessierte Schüler, die im Unterrichtsalltag noch freie Kapazitäten haben, für das Projekt nominiert.

Schritt 2:
Es folgt eine intensive Beratung durch einen Lehrer, der sich durch Fortbildungsveranstaltungen auf den Bereich der Hochbegabung spezialisiert hat. In dieser Beratung wird u.a. über die Fördermaßnahme informiert.

Schritt 3:
Nominierte Schüler und deren Eltern entscheiden dann über die Teilnahme und finden in Absprache mit dem Beratungslehrer einen individuellen Bearbeitungsbereich. Dann werden Ziele festgelegt und eine grobe Zeitplanung aufgestellt.

Schritt 4:
Nach dieser Beratung beginnt das Drehtürmodell. Falls an einem Projekt gearbeitet wird, sucht sich der Schüler bei Bedarf einen Mentor für den fachlichen Bereich. Der Schüler führt ein Lerntagebuch über seine Tätigkeiten außerhalb des Unterrichts.

Schritt 5:
Am Ende der Fördermaßnahme erfolgt eine angemessene Präsentation der Ergebnisse innerhalb der Schulöffentlichkeit, ein Abschlussgespräch mit dem Beratungslehrer sowie die Aushändigung eines Zertifikates als Dokumentation der erfolgreichen Teilnahme.

Verwendete Literatur:

Wissenschaftliche Vorstellung des Drehtürmodells als Betreuungskonzept von Hochbegabten

Klingen, Franz Josef (2001). Das „Drehtür-Modell“ – ein individuelles Konzept der Begabtenförderung. In: DGhK. Das Labyrinth 69/2001 (S. 28-32)

Bedingungen für das Gelingen:

Neben der Unterstützung der Fördermaßnahme durch das gesamte Schulkollegium und eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus ist die Motivation und Ausdauer der
teilnehmenden Schüler eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. Falls getroffenen Vereinbarungen mit den Schülern nicht eingehalten werden oder Schwierigkeiten auf anderen Gebieten auftreten, kann die Fördermaßnahme jederzeit abgebrochen werden.



Anette Töniges

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