Fach/Thema/Bereich wählen
Legasthenie/LRS

Wie hilfreich sind LRS-Tests?

Testverfahren sind immer auch anfällig. Wenn es um Legasthenie oder LRS geht, können die Ergebnisse sehr unterschiedlich ausfallen. Fatal für die Schüler, geht es doch um geeignete Fördermaßnahmen.

Legasthenie/LRS: Wie hilfreich sind LRS-Tests? Das Testergebnis hängt auch von der Tagesform der Schülerin ab © Christian Schwier - Fotolia.com

Schüler kommen mit unterschiedlichsten Voraussetzungen in die 5. Klasse. Dabei scheinen die Rechtschreibleistungen immer schlechter werden. Während noch vor einigen Jahren pro Klasse ein oder zwei Kinder mit LRS unterrichtet wurden, sieht es so aus, als wäre es heute nahezu die Hälfte aller Fünftklässler. Eltern kommen zum Teil mit Gutachten und erwarten Förderung, Nachteilsausgleich und Notenschutz. Aber: Wer hat einen Anspruch darauf und wie kann Schule das leisten?

Legasthenie oder LRS („ererbt oder erworben“)? Auf diese Diagnose kommt es in einigen Bundesländern an, obwohl auch in der Wissenschaft unumstritten ist, dass durch Tests keine eindeutigen Grenzen auszumachen sind. Selbst bei der von der KMK gewählten und von einigen Ländern übernommenen Formulierung „Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben“ ist keine exakte Abgrenzung zu solchen ohne besondere Schwierigkeiten anzugeben.

Klare Kriterien fehlen für Nachteilsausgleich und Notenschutz

Wenn es um Nachteilsausgleich und Notenschutz geht, wünschen sich Lehrkräfte Kriterien, die eindeutig für Ja oder Nein stehen. Diskussionen mit Eltern und Kollegen wären unnötig, denn das Ergebnis stünde zweifelsfrei fest. Stattdessen kommt es auf Testverfahren und -durchführung an, besonders auch auf die Person, die testet und natürlich auf denjenigen, der getestet wird. 

Hier spielen nicht nur tatsächliche Voraussetzungen und Tagesform eine Rolle. Einem lese-rechtschreib-schwachen Schüler gelingen unter hoher Konzentration schon einmal ordentliche Ergebnisse, besonders wenn er das Gefühl hat, mit einem Test beweisen zu können, dass er kein „Versager“ ist. Andererseits kann es auch sein, dass das Wissen um Nachteilsausgleich einen Schüler dazu verleitet, eher Fehler zu machen, um als Legastheniker/LRS-Schüler „anerkannt“ zu werden. 

Wo auf formelle Tests verzichtet wird, sind die Lehrkräfte umso mehr gefordert, zu entscheiden, wer als „Schülerin und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben“ Erleichterungen erhalten soll, meist auf Beschluss der Klassenkonferenz.

Screening in der 5. Klasse — vage Ergebnisse

Um einen Überblick über die Rechtschreibkompetenzen in einer Jahrgangsstufe zu erhalten, bietet sich die Hamburger Schreib-Probe (HSP) an. In einer Schulstunde kann der Test durchgeführt werden.

Nun tauchen dabei aber gleich neue Fragen auf:

  • Wer ist ein LRS-Schüler? Das bedeutet Förderung, Nachteilsausgleich, eventuell auch Notenschutz.
  • Sollte eine bestimmte Fehlerzahl nicht überschritten werden? 
  • Weisen Häufungen bestimmter Fehler auf LRS hin? 
  • Wer wird gefördert? Das hängt von den Fördermöglichkeiten ab. Die schlechtesten 6 oder 10 Schüler? Alle mit einer Mindestfehlerzahl?

Wie ungerecht das sein kann, ist offensichtlich: Wer sich im Test anstrengt wird bestraft, indem er keine Förderung bekommt. Wer sich bemüht, in die Fördergruppe zu kommen (meist Tipp der Eltern), macht extra viele Fehler.

Das Gleiche gilt auch, wie beschrieben, für Tests, die von den Ministerien vorgeschrieben sind sowie für externe Gutachter. Es besteht immer die Gefahr, förderbedürftige Schüler nicht zu erfassen.

Unbewertete Diktate könnten zusätzliche Hinweise geben

Sinnvoll ist es, zumindest zusätzlich, mit mehreren (nicht bewerteten) Diktaten den Leistungsstand zu überprüfen. Sollte sich dabei zeigen, dass der überwiegende Teil der Klasse gravierende Rechtschreibschwierigkeiten hat, ist es womöglich angebracht, einen intensiven Rechtschreibunterricht, in dem mit den Grundlagen begonnen wird, für die ganze Klasse durchzuführen. So haben alle, die in der Grundschule etwas nicht verstanden haben, die Chance, die regelgeleitete Rechtschreibung (im Klassenverband und nicht per Nachhilfe) zu erlernen. Nur Schüler, die auch damit ihre Rechtschreibleistungen nicht wirklich verbessern, müssen dann gesondert gefördert werden.

Uta Livonius

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Diagnostik und Förderung
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×