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Beratungsbedarf

Eltern behinderter Kinder kompetent beraten

Regelbeschulung, Nachteilsausgleich, Eingliederungshilfe — viele Eltern, die für ihre behinderten Kinder Rechte durchsetzen möchten, wenden sich häufig ratsuchend an den Lehrer ihres Kindes. Mithilfe aktueller Informationsquellen werden Lehrer in die Lage versetzt, Eltern kompetent zu beraten.

Beratungsbedarf: Eltern behinderter Kinder kompetent beraten Nur wenn Eltern ihren Anspruch auf Beratung auch von der Schule einfordern, können sie die für ihr Kind richtige Entscheidung treffen © goodluz - Fotolia.com

Ob ein Kind mit einer Beeinträchtigung in Deutschland eine Regelschule besucht, hängt von vielen Faktoren ab: So haben zum Beispiel Schüler mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ weitaus weniger Chancen auf eine inklusive Beschulung als Kinder oder Jugendliche mit den Förderschwerpunkten „Emotional-soziale Entwicklung“, „Hören“, „Sehen“, „Sprache“ oder „Körperliche und motorische Entwicklung“, wie die Bertelsmannstiftung in ihrem 2014 erschienen Datenreport „Update Inklusion“ berichtet (S. 9). Und während etwa in Bremen der Inklusionsanteil bei 63,1 Prozent liegt, besuchen in Niedersachsen nur 14,7 Prozent der Schüler mit attestiertem Förderbedarf eine Regelschule. (ebd., S. 12)

Eine wesentliche Rolle spielt jedoch das „Nachfrageverhalten der Eltern“, denn „Formen schulischer Einzelintegration“ werden „vorrangig dann praktiziert (…),wenn Eltern diesen Anspruch gegenüber Schulen und der Schulverwaltung einfordern“, betonen die Autoren der Expertise „Diskriminierung im vorschulischen und schulischen Bereich“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. (S. 46 f.)

Voraussetzung dafür ist jedoch „ein umfassendes bildungspolitisches Know-how und die entsprechenden sprachlich-kommunikativen Kompetenzen für die in der Regel stattfindenden Auseinandersetzungen mit den entsprechenden Entscheidungs- und Kostenträger_innen“ (ebd.). Manche Eltern sind damit überfordert und oft sind die Lehrer ihrer Kinder dann die erste Anlaufstelle für Fragen.

Wie sieht die aktuelle Rechtslage?

Seit 2009 ist die UN-Behindertenrechtskonvention in Deutschland in Kraft. Trotzdem gilt nach wie vor: „Einen unbedingten Rechtsanspruch auf gemeinsamen Unterricht gibt es derzeit (noch) in keinem Bundesland“, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf der Website einfach-teilhaben.de mitteilt.

Doch inwieweit haben die einzelnen Bundesländer die schulrechtlichen Weichen für eine inklusive Bildung gestellt? Diese Frage beantwortet eine Studie der Monitoring-Stelle zur UN-Menschenrechtskonvention, deren Vorabfassung im März 2014 erschienen ist.

Demnach hat der gemeinsame Unterricht bisher nur in Hamburg, Bremen oder Niedersachsen Vorrang. Förderschulpflicht besteht noch immer in Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und im Saarland. (S. 57)

Alle Länder außer Hamburg stellen die „Zuweisung zu einer allgemeinen Schule“ noch unter einen Ressourcen- und Organisationsvorbehalt. Das bedeutet, dass der Besuch einer Regelschule an bestimmte Voraussetzungen geknüpft ist, zum Beispiel, dass genügend Personal zur Verfügung steht. Die Autoren der Studie halten solche Vorbehalte „gemessen am völkerrechtlichen Maßstab der UN-BRK“ für unzulässig. (S. 61)

Wegweiser für die Rechte von behinderten Kinder und Jugendlichen

Was können Eltern tun, deren Antrag auf inklusive Beschulung wegen fehlender Ressourcen abgelehnt wird und die Rat vom Lehrer ihres Kindes erwarten? Hilfe bei der Beratung bietet die Broschüre „Wegweiser für Eltern zum gemeinsamen Unterricht“, ein Gemeinschaftsprojekt des Elternverbands „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen e.V.“ und des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung.

Hier erfährt der Leser zunächst, was ein stichhaltiger Ablehnungsbescheid enthalten muss und welches Grundsatzurteil (mit Aktenzeichen) dafür relevant ist. Danach werden die rechtlichen Möglichkeiten aufgezeigt: von den Widerspruchsmöglichkeiten und -formalien bis zu einer Klage beim Verwaltungsgericht.

In dieser Art widmen sich die Autoren unter anderem den „Besonderen Hilfen für besondere Bedürfnisse“ (sonderpädagogischer Förderbedarf), den Möglichkeiten des Nachteilsausgleichs oder auch der „Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit besonderem Unterstützungsbedarf“. Immer praxisbezogen, mit rechtssicheren Handlungsanleitungen und Hinweisen zu weiterführenden Quellen und Beratungsstellen.

Den Wegweiser zum gemeinsamen Unterricht gibt es in adaptierten Versionen für mehrere Bundesländer und auf der Website des Behindertenbeauftragten der Bundesregierung auch in einer Hörfassung.

Eine Version in Leichter Sprache ist leider nicht verfügbar, was vermutlich damit zusammenhängt, dass sich die komplexen und überwiegend rechtlichen Inhalte nicht weiter vereinfachen lassen, als in den klaren, realtiv gut verständlichen Texten des Wegweisers bereits geschehen.

Infos für Eltern mit Migrationshintergrund

Wie können Sie bei Lehrer-Eltern-Gesprächen Sprach- und Verständnisprobleme überbrücken? Im Kontakt mit Familien mit Migrationshintergrund könnten Dolmetscher hinzugezogen werden. Einige Verbände oder Institutionen geben grundlegende Informationen auch in verschiedenen Sprachen heraus: So ist etwa der Ratgeber „Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es“ auf der Website des Bundesverbandes für körper- und mehrfachbehinderte Menschen in zweisprachigen Versionen (deutsch-türkisch und deutsch-arabisch) verfügbar.

Martina Niekrawietz

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