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Interkulturelle Verständigung

Interkulturelle Elternarbeit: Die Sprache der Eltern sprechen!

Kooperation funktioniert nur, wenn die Verständigung klappt. Bei der interkulturellen Elternarbeit helfen herkunftsprachliche Informationsangebote dabei, sprachlich und kulturell bedingte Gräben zu überwinden.

Interkulturelle Verständigung: Interkulturelle Elternarbeit: Die Sprache der Eltern sprechen! Eltern mit Migrationshintergrund engagieren sich für die Schule ihrer Kinder, wenn Lehrer wirklich auf sie zugehen © Jasmin Merdan - Fotolia.com

In der Türkei ist der Lehrer eine Respektsperson, „jemand, vor dem man nicht ungebildet erscheinen möchte“, sagt Derya Ovali, Elternlotsin an der Hedwig-Dohm-Realschule in Berlin-Moabit. Deshalb blockieren sprachliche Barrieren den Kontakt zwischen Elternhaus und Schule in besonderem Maße: Da bleiben manche Mütter und Väter einem Elternabend dann lieber fern, als sich wegen schlechter Sprachkenntnisse zu blamieren.

Muttersprachliche Elternbriefe oder -informationen könnten jedoch eine Brücke schlagen: „Als ich die Eltern einer 7. Klasse zum ersten Mal mit einem türkischen Brief in die Schule eingeladen habe, sind 13 von 20 Elternteilen gekommen“, berichtet Derya Ovali, deren Familie selbst aus der Türkei eingewandert ist.

Sie kennt die Sitten und Gepflogenheiten und weiß, dass für türkische Familien der direkte Kontakt besonders wichtig ist. Auch sei es in der Türkei nicht üblich, direkt zur Sache zu kommen: Zunächst werden ein paar Höflichkeiten ausgetauscht, gefragt, wie es dem anderen so geht, was die Familie macht; „und wenn ein Lehrer beim Elternabend einfach mal Kekse herumreichen würde, dann wäre das Eis schnell gebrochen“, sagt die Elternlotsin.

Wenn es gelingt, bei Elterngesprächen oder Informationsveranstaltungen eine angenehme Atmosphäre und ein wertschätzendes Klimas aufzubauen, ist schon viel gewonnen. Denn wesentlich für eine erfolgreiche Kooperation zwischen Schule und Elternhaus ist, dass nicht nur sprachliche, sondern auch kulturelle Hürden überwunden werden.

„Kulturdolmetscher“ an der Schnittstelle von Schule und Elternhaus

Kulturdolmetscher sind die idealen Vermittler zwischen verschiedenen Kulturen. Sie übersetzen nicht nur die Sprache, sondern auch die kulturellen Normen, Werte und Verhaltensweisen der Menschen einer Kultur. So werden sie für Menschen anderer Kulturen verständlich.

Wer diese anspruchsvolle Aufgabe angemessen erfüllen kann, ist in beiden Kulturen beheimatet, kann das komplexe deutsche Bildungssystem verständlich machen und kultursensibel mit unterschiedlichen Wertvorstellungen umgehen.

Geeignete Kulturdolmetscher finden sich häufig in bestimmten Milieus der Migranten-Elternschaft (vgl. dazu Universität Düsseldorf, Zwischenergebnisse zur Studie „Bildung, Milieu und Migration“, Düsseldorf, 2012/13, S. 5).

Auch Migrantenvereine und Integrationseinrichtungen bieten regional verfügbare Übersetzungsressourcen an: In Wuppertal zum Beispiel gibt es einen eigenen Dolmetscherpool, und in Berlin-Brandenburg hat der Türkische Elternverein das Projekt „Mobile Elternlotsen“ auf die Beine gestellt.

Herkunftsprachliche oder zweisprachige Materialien für Ihre Elternarbeit

Besonders wenn es um wichtige Belange für die Entwicklung des Kindes geht, sollte die Schule die Sprache der Eltern sprechen. Die Website der Vodafone-Stiftung Deutschland bietet dazu diverse Informationen und Materialien:

  • Bildungs-TV für türkische Eltern: Mehrere Videos informieren — leider ausschließlich in türkischer Sprache — über zentrale Bildungs- und Erziehungsthemen („Das Bildungssystem in Deutschland“, „Das Schule-Kind-Eltern-Dreieck“, „Medienkompetenz im Kinderzimmer“ oder „Liebe, Wärme, Geborgenheit — was Kinder wirklich brauchen“).
  • „Lernzeit gemeinsam gestalten“: So ist eine umfangreiche Sammlung von Elterninformationsmaterialien übertitelt, der Materialien und Informationen für Kitas und Grundschulen in NRW bietet und auch als Dokumentenmappe genutzt werden kann. Hier erfahren die Eltern beispielsweise, wie der häusliche Arbeitsplatz gestaltet sein sollte, wie sie ihre Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen können oder was ihr Kind mit Beginn der Grundschulzeit beherrschen sollte. Sie bekommen außerdem grundlegende Erziehungstipps und Hinweise zu gesundheitsbewusster Ernährung oder zu möglichen Zuschüssen. Die Materialien liegen in vier Sprachversionen vor (einsprachig Deutsch oder zweisprachig Deutsch-Arabisch, Deutsch-Kurdisch oder Deutsch-Türkisch) und können kostenfrei genutzt werden.

Elternbrief zur Zweisprachigkeit

Sollen wir zu Hause Deutsch oder unsere Muttersprache sprechen? Und was brauchen Kinder, damit sie sich sprachlich gut entwickeln können? Diese zentralen Fragen vieler Eltern beantwortet ein Elternbrief des Bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik, leicht verständlich und mit interkulturellem Fingerspitzengefühl, wie der folgende Ausschnitt zeigt: „Wenn Sie mit Ihrem Kind in Ihrer Muttersprache ein Bilderbuch anschauen, dann lernt das Kind dabei viele Dinge, die ihm in allen Sprachen weiterhelfen werden und die später in der Schule wichtig sind“, heißt es da zum Beispiel.

Und was, wenn die Familie keine Kinderbücher in der Familiensprache hat und auch kein Geld, um welche zu kaufen? Kein Problem: „Es gibt viele deutsche Bilderbücher, die gar keinen oder wenig Text haben. Diese Bücher können Sie in der Bücherei (…) ausleihen“. Hier gibt es den Elternbrief in 18 verschiedenen Sprachversionen zum freien Download.

Interkulturelle Elternarbeit braucht Planung und feste Ressourcen

Ob es um die Übersetzung eines Elternbriefes ins Türkische geht oder um ein wichtiges Elterngespräch vor dem Übergang auf eine weiterführende Schule — immer erfordert die Beseitigung kommunikativer Barrieren Zeit und einigen Vorlauf. Da ist es gut, wenn sich die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen und vom gesamten Kollegium getragen werden.

Sinnvoll und anregend ist dann vielleicht auch eine Bestandsaufnahme zu bereits praktizierten Maßnahmen der interkulturellen Zusammenarbeit.
Ideen und Materialien könnten dann schulweit gesammelt und immer auch gleich allen Kollegen und Elternvertretern zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel in einem geschützten Bereich der Schulwebsite.

Möglicherweise lassen sich auch Eltern mit Migrationshintergrund dafür gewinnen, Informationsmaterialien zu wichtigen Themen (Bildungsübergänge etc.) zu übersetzen, sodass Lehrkräfte und Eltern selbst bei sogenannten Tür- und Angelgesprächen auf fundierte und verständliche Informationen zurückgreifen können.

Martina Niekrawietz

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