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Elternsprechtag

Tipps für effektive 10-Minuten-Elterngespräche

10 Minuten Zeit für ein womöglich schwieriges Elterngespräch — wie ist das zu schaffen? Hier hilft nur eine zugewandte, aber gut strukturierte Gesprächsführung, die die Eltern als Gesprächs- und Erziehungspartner ernst nimmt.

Elternsprechtag: Tipps für effektive 10-Minuten-Elterngespräche Wer sein Elterngespräch durchplant, kann viel entspannter und zugewandter kommunizieren © fizkes/shutterstock.com

„Was mache ich, wenn der Vater im Gespräch wieder ausflippt?“ — „Das letzte Gespräch mit den Eltern von xxx war so schlimm, dass es mir längere Zeit schlecht ging.“ — „Mir graut vor dem nächsten Elternsprechtag.“ Dies sind Aussagen von Lehrern, die in Konfliktgespräche mit Eltern geraten sind oder die belastenden Gespräche nur schwer verkraften können.

Leider sieht die Lehrerausbildung und anschließende Referendariatszeit nicht vor, Lehrer in Gesprächsführung und Gesprächsleitung auszubilden, obwohl das eigentlich eine Kernkompetenz von Lehrern sein sollte. So bemühen sich viele Lehrer selbst darum, durch Fortbildungen und durch Auswertung eigener, womöglich leidvoller Erfahrungen ihre Fähigkeiten darin auszubauen.

Das Problem: Schwierige Elterngespräche nehmen immer mehr zu. Eltern werden aggressiv, beschimpfen Pädagogen oder drohen gar mit dem Anwalt. Konflikte mit Eltern sind heute in der Schule leider an der Tagesordnung. Deshalb ist es eine hohe Kunst, ein gutes Gespräch zu führen, bei dem sich alle wohlfühlen. Durch eine gelungene Gesprächsführung können Sie schneller Kontakte knüpfen, bessere Informationen erhalten oder Ihre Ziele leichter verfolgen.

Die Erfolgsformel einer guten Gesprächsführung bedeutet, Fragen zu stellen. Doch das muss geübt werden. Stolperfallen sind Warum-Fragen. Diese bringen Eltern oft dazu, sich rechtfertigen zu müssen und sie fühlen sich schnell angegriffen.

Zeit gewinnen durch strukturierte Gesprächsführung

Im Alltag bleiben einem Lehrer am Elternsprechtag nur gute zehn Minuten Zeit, um den Eltern die Noten mitzuteilen und sie über das Verhalten und den Lernfortschritt ihres Kindes zu informieren. Daher ist es sinnvoll, gut auf die Fragen der Eltern und ihre möglichen Reaktionen vorbereitet zu sein. Ein strukturiertes Vorgehen und starke Fragen, die geübt wurden, geben Sicherheit in der Gesprächsführung. Je sicherer Sie sich fühlen, umso einfacher werden diese Gespräche für Sie.

Hilfreich kann ein selbst entwickelter Fragengenerator sein, den man sich vorher zusammenstellt und vielleicht auf einer Karteikarte notiert. Er beinhaltet Fragen an die Eltern als Leitfaden durch das Gespräch:

  • Klärung: Was sind die Probleme? Wie kam es dazu? Was muss geändert werden, um die Situation zu verändern?
  • Ressourcen: Was glauben sie, was ihr Kind gut kann? Worauf können wir aufbauen?
  • Skalierung: Was glauben sie, auf einer Skala von 1 bis 10, wo ihr Kind steht?
  • Lösung: Was können wir gemeinsam tun? Was wäre der erste Schritt? Hilft es ihnen, wenn wir die gesammelten Ideen und Lösungsvorschläge für sie aufschreiben?
  • Abschluss: Weitere Vereinbarungen — ist ein neuer Termin nötig?

Auf der Grundlage einiger Umfragen, die ich an einigen Schulen gemacht habe, haben sich folgende Empfehlungen für eine gelingendes Elterngespräch ergeben:

  • Denken Sie immer daran, dass Sie die Leiterin/der Leiter des Gespräches sind und Sie das Gespräch in der Hand haben. Das heißt allerdings auch, nachgeben und empathisch sein können.
  • Strukturieren Sie die 10 Minutengespräche und die explizit schwierigen Gespräche unterschiedlich. D. h. für die schwierigeren Gespräche können Sie sich weitreichendere Fragen vornehmen und sich nicht nur auf die Notenangaben konzentrieren.
  • Wenn das Bildungsniveau der Eltern niedrig ist, sollten Sie ihre Sprache anpassen. Das heißt, Ihre Fragen einfach formulieren. Es hilft nichts, die Eltern zu überfordern. Das könnte sie aufregen.
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass bei schwierigen Eltern ein zweiter Gesprächspartner (Vertrauenslehrer oder Sozialpädagoge) bei dem Gespräch auch anwesend sein kann. Wenn die womöglich längeren oder schwierigen Gespräche zu einem anderen Zeitpunkt festgelegt werden können, ist dies auch organisatorisch eher möglich.
  • Geben Sie Eltern im Gespräch nicht das Gefühl, dass sie etwas falsch machen. Die meisten Eltern verteidigen ihr Kind und fühlen sich angegriffen.
  • Machen Sie sich in Ihrer Schule stark dafür, dass es entsprechende Fortbildungen zum Thema „Gesprächsführung“ gibt.

Mit Kollegen Gespräche reflektieren und verarbeiten

Das Bildungsniveau und damit auch das Gesprächsniveau unserer Schüler und Eltern ist vielschichtiger geworden. Dies erfordert von Lehrern im Schulalltag ein Umdenken und neue Kompetenzen, sich auf verschiedene Gesprächsniveaus einlassen zu können. Je öfter Sie Gespräche nach dieser Struktur (Fragengenerator, starke Fragen) geführt haben, desto sicherer werden Sie sich fühlen. Sie müssen sich im Laufe der Zeit weniger vorbereiten und können schwierige Gespräche besser bewältigen.

Wenn Sie ein schwieriges, für Sie nachhaltiges Elterngespräch hatten, suchen Sie sich anschließend eine kompetente Person, mit der Sie noch einmal das Gespräch durchgehen können. Konflikte im Gespräch zu verarbeiten ist wesentlich besser, als sie mit sich herumzuschleppen. Die beste Lösung wäre allerdings eine Supervision für betroffene Lehrer.

Eine weitere Entlastung wäre es, einen dritten Elternsprechtag für die schwierigeren Gespräche bereitzustellen, der in das Stundenkontingent des Lehrers fällt. Da es sich dann um weniger Eltern handeln würde, könnte die Zeitspanne auf 20 Minuten ausgedehnt werden und das Gespräch sehr viel gezielter vorbereitet werden. Das wäre wünschenswert, lässt sich aber nicht an jeder Schule realisieren. Doch mit den Tipps können Sie auch die wenige Zeit im Interesse der Schüler und Eltern effektiv nutzen.

Ich wünsche allen Kollegen viel Erfolg und Spaß, die nächsten Gespräche zu leiten. Seien Sie ein Profi und führen Sie die Gespräche mit Empathie, Sicherheit und klugen Lösungen. — Falls Sie es nicht schon längst tun.

Angela Hentschel

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