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Erörterung

Aufsatztraining mit der Sechs-Hüte-Methode

Eine Erörterung schreiben zu müssen ist für viele Schüler der Horror — für Lehrer auch. Mit der Sechs-Hüte-Methode aber lassen sich unterschiedliche Aspekte zu einem Thema zusammentragen und argumentierend zu einem Aufsatz verschriftlichen.

Erörterung: Aufsatztraining mit der Sechs-Hüte-Methode Mit einem Schaubild kann die Sechs-Hütchen-Methode verdeutlicht werden © naschy - stock.adobe.com

„Mit dem Erörtern werde ich nicht richtig warm“, gesteht Lehrerblogger Herr Rau auf seiner Website. — Ein Geständnis, das auf jeden Fall die meisten Schüler und vermutlich auch viele, viele Deutschlehrer sofort unterschreiben würden. Schüler finden den „Besinnungsaufsatz“ langweilig oder anstrengend oder beides. Und korrekturgeplagte Lehrer scheuen nicht nur die seitenlangen/ellenlangen/überlangen Ausführungen ihrer Schüler, sondern auch die sich dabei offenbarenden Denkfehler und Wissenslücken.

Trotzdem: Erörterungen beherrschen nun mal den Aufsatzunterricht von Klasse 8 bis 10. Im besten Fall lernen die Schüler dabei eine ganze Menge fürs Leben: Ideen zu sammeln, Pro und Kontra abzuwägen, schlüssig zu argumentieren, sich bei kontrovers diskutierten Themen zu positionieren und durchdachte Entscheidungen zu treffen. — Das alles sind wichtige Skills für Teamfähigkeit im Berufsleben, für politische Teilhabe, für persönliche Beziehungen und für die Lösung innerer und äußerer Konflikte.

Der Zusammenhang zwischen der ungeliebten Erörterung und dem Nutzen für die Schüler erschließt sich besonders gut bei Themen, die die Schüler wirklich betreffen, z. B.: „Soll ein 14-Jähriger ein Laptop mit Internetanschluss in seinem Zimmer haben?“ „Sollten Jugendliche mit 15 noch mit den Eltern in Urlaub fahren?“ „Sollte das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt werden?“ Oder: „Schulcafé, ja oder nein?“

Behandelt man solche Themen dann noch mit der 6-Hüte-Methode, wird der sonst oft so theorielastige Aufsatzunterricht zu einem lebendigen Coworking Space, in dem die Schüler üben, ein Thema unter allen relevanten Blickwinkeln zu betrachten und zu diskutieren.

Sechs Denkhüte — sechs Betrachtungsweisen

Edward de Bono, ein britischer Kognitionswissenschaftler, entwickelte verschiedene Techniken, um sich aus eingefahrenen Denkmustern zu befreien (vgl. Wikipedia, „Edward de Bono“). Eine Methode waren die „Thinking Hats“, die die Bundeszentrale für politische Bildung auf ihrer Website vorstellt. Dabei diskutieren mehrere Personen, zum Beispiel drei oder vier Schüler, ein Thema, und nehmen dabei nacheinander verschiedene Perspektiven ein. Den Wechsel der unterschiedlichen Denkweisen symbolisieren dabei Hüte mit jeweils unterschiedlichen Farben:

  • Der weiße Hut „steht für Sachlichkeit und Neutralität“. Nur Zahlen, Fakten und Daten sind gefragt, Interpretationen und Meinungen bleiben außen vor.
  • Beim roten Hut „spricht der Bauch“: Die Diskutanten äußern ihre Gefühle, z. B. positive oder negative Ahnungen, Ängste, Begeisterung etc.    
  • Mit dem schwarzen Hut geht es um „Gefahren, Risiken, Schwierigkeiten, Unmöglichkeiten und negative Beurteilungen“. Ohne Emotionen mit rationalen Begründungen.
  • Der gelbe Hut signalisiert den Blick durch die rosarote Brille. Hier stehen die positiven Seiten der Angelegenheit im Mittelpunkt, eine konstruktive Bewertung, jedoch ohne Euphorie.
  • Wer den blauen Hut aufhat, begibt sich auf die Metaebene und prüft mit Abstand die anderen Hüte. — Wer diesen Hut aufhat, sagt zum Beispiel „An deiner Stelle würde ich meinen Standpunkt überprüfen, denn ...“ oder „Sollten wir darüber nicht besser diskutieren, wenn ...?“ — Eine Rolle, die Schüler womöglich überfordert, die aber der Lehrer als Moderator übernehmen könnte.
  • Der grüne Hut fehlt auf der bpb-Website, hat aber bei de Bono eine wichtige Funktion: Er ergänzt den Aspekt der Kreativität und zielt darauf, konstruktive Ideen zu entwickeln.

Die Sechs-Hüte-Methode einüben

Wie man mit den fünf bzw. sechs Hüten ein Thema behandelt, zeigt ein kleines Video von Studenten der Hochschule Ravensburg-Weingarten.

Vor der Arbeit mit den Denkhüten fertigen Sie mit den Schülern erst einmal einfache Papierhüte in den verschiedenen Farben (farbiges Tonpapier). Dann erklären Sie die Bedeutung der Farben und erstellen mit der Klasse dazu Memo-Kärtchen oder Memo-Hang-outs.

Bei der Einführung der Methode gibt es verschiedene Möglichkeiten: Sie erklären die einzelnen Arbeitsschritte, die dann jeweils direkt von einer Diskussionsrunde vor dem Plenum ausprobiert werden. Die Ergebnisse werden auf Moderationskarten, farblich entsprechend der Hüte, in Stichpunkten festgehalten. Zuletzt sortieren die Schüler im Plenum die Moderationskarten nach Pro und Kontra und selektieren die stichhaltigen Argumente. Eine andere Möglichkeit: Die Schüler teilen sich in Gruppen mit verschiedenfarbigen Denkhüten auf und präsentieren ihre Ergebnisse vor der Klasse.

Mit der Zeit lernen die Schüler, die verschiedenen Denkweisen auseinanderzuhalten. Sie trennen Fakten von Meinungen und Emotionen von Sachargumenten. Wenn die Schüler genau wissen, welche Perspektive bei welcher Hutfarbe angesagt ist, kann auch der Perspektivwechsel durch Weitergeben der Hüte geübt werden.

Natürlich bleibt den Schülern das schriftliche Festhalten der Ergebnisse in Form eines Aufsatzes nicht erspart. Ganz sicher werden aber Stoffsammlungen bei Prüfungen und Übungsaufsätzen wesentlich differenzierter und vielseitiger ausfallen und Meinungen oder Emotionen nur noch dort auftauchen, wo sie hingehören: in den Schlussteil.

Recherche-Skills: wissen, wovon man spricht

Herr Rau führt in seinem oben verlinkten Blogbeitrag übrigens näher aus, was ihm an Erörterungen nicht gefällt: „Die Schüler müssen Aufsätze schreiben zu einem Thema, zu dem sie zu wenig Wissen haben.“ Besonders häufig sei das in Prüfungen der Fall, wenn Themen nicht vom Lehrer, sondern zentral von der Schulbehörde gestellt werden.

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von „prüfungsverdächtigen“ Themen, die Sie als Lehrkraft im vorbereitenden Unterricht der letzten beiden Schuljahre abhaken. Wenn sich die Schüler dabei zudem eigenständig faktenorientierte Argumente erarbeiten, prägen sich diese besser ein. Deshalb hat auch der Bereich „Recherche“ im Erörterungsunterricht einen hohen Stellenwert. Abwechslung und verschiedene Perspektiven bringt da die fächerübergreifende Zusammenarbeit mit IT-, Ethik- oder Religionslehrern oder auch mit Kollegen der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Im Idealfall erfolgt die Zusammenarbeit regelmäßig im Rahmen von AGs, Projekttagen oder gemeinsamen Unterrichtsstunden.

Und weil die Schüler das Internet als primäre Informationsquelle nutzen, ist es auch wichtig, dass sie bei der Einschätzung glaubwürdiger Webseiten lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Der unten verlinkte Beitrag „Internetrecherche: gute Seiten, schlechte Seiten“ zeigt, welche Aspekte bei der Beurteilung wichtig sind und gibt Ihnen und Ihren Schülern eine Checkliste an die Hand, um Onlinequellen sicher einschätzen zu können.

Martina Niekrawietz

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