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Berufsorientierung

Der „Stärkencheck“ — erster Schritt zur Berufsfindung

In puncto Berufsorientierung fühlen sich viele Schüler nicht ausreichend informiert:
70 Prozent gaben in einer Studie an, nicht zu wissen, welche Berufe zu ihren Fähigkeiten passen. Berufseignungstests, online und in Printform, schließen diese Lücke.

Berufsorientierung: Der „Stärkencheck“ — erster Schritt zur Berufsfindung Es gibt viele interessante Berufe. Wer seine Stärken und Fähigkeiten kennt, tut sich leichter mit der Berufswahl © industrieblick - Fotolia.com

Mehr als jeder vierte Schüler sorgt sich um seine berufliche Zukunft, so die Ergebnisse einer Studie „Schule, und dann?“ (S. 24 ff.). „Einen Beruf haben, der mir Spaß macht“, das wünschen sich 87 Prozent der Jugendlichen. Damit liegt dieses persönliche Ziel weit vor anderen wie „ein Haus besitzen“ (44 Prozent), „viele Freunde haben“ (67 Prozent) oder „das Leben genießen“ (68 Prozent). Trotzdem fällt vielen Schülern die Berufswahl „ziemlich schwer“ (39 Prozent) oder sogar „sehr schwer“ (7 Prozent).

Fühlen sich die Schüler ausreichend über ihre beruflichen Möglichkeiten informiert? 56 Prozent bejahen dies, während 35 Prozent der Jugendlichen, überwiegend an Haupt-, Real- oder vergleichbaren Schulen ohne gymnasiale Oberstufe Informationsdefizite benennen. U. a. wissen sie nicht,

  • welche Berufe zu ihren Fähigkeiten passen (70 Prozent!),
  • welche Berufe gute Zukunftsaussichten bieten (53 Prozent)
  • und welche Ansprechpartner ihnen bei der Berufswahl helfen könnten (48 Prozent).

Zudem finden diese Schüler — im Gegensatz zu Gymnasiasten — keine Unterstützung bei ihren Eltern. Sie wünschen sich von Lehrkräften und kooperierenden Fachleuten „viel mehr professionelle Beratung und Unterstützung (…) als sie heute tatsächlich erhalten“, betont Prof. em. Dr. Klaus Hurrelmann in seinem Kommentar zur Studie (ebd., S. 20).

Die eigenen Fähigkeiten und Berufswünsche erkennen

„Was kann ich und was will ich?“ – Diese Fragen begleiten den ersten Schritt auf dem Weg zur Berufsfindung. Sie finden sich auch in dem Arbeitsheft „Berufsorientierung“ der Beraterfirma „einstieg“. Für die schriftliche Beantwortung der Einzelfragen sollten sich die Schüler Zeit nehmen und gründlich nachdenken, was ihre Lieblingsbeschäftigungen sind, in welcher Situation sie besonders stolz auf sich selbst waren, welche Fähigkeiten sie dabei eingesetzt haben, welchen Traumberuf sie als Kind hatten und welchen jetzt, für welches höhere Ziel es sich lohnt zu kämpfen etc.

In jedem Fall ist es sinnvoll, anfangs die grundsätzlichen Überlegungen schwarz auf weiß festzuhalten und nicht sofort mit Onlinetests einzusteigen, durch die sich die Schüler erfahrungsgemäß „schnell durchklicken“.

Kostenlose Berufswahltests im Internet

In einem zweiten Schritt könnte man sich einem der kostenlosen Onlinetests zur Berufswahl zuwenden:

Für das Berufe-Universum der Bundesagentur für Arbeit sollte man mindestens eine Doppelstunde einplanen, denn „die Reise durchs BERUFE-Universum“ dauert „mindestens 30 Minuten“ (ebd.). Der „Reise“ voraus geht ein „Stärkencheck“ und am Ende steht eine Liste mit ca. 20 Berufen, die zu den Fähigkeiten passen.

Viele Berufseignungstests sind schon auf eine bestimmte Richtung eingegrenzt: „Azubyo“ etwa führt zu Ausbildungsberufen und Kontaktdaten von Unternehmen, die in diesem Beruf ausbilden. Mit dem MINT-Typ-Test finden Schüler heraus, welches MINT-Fach ihnen besonders gut liegt. Auch bestimmte Industriezweige und Gewerke bieten Tests an, zum Beispiel die Metall- und Elektro-Industrie.

Es empfiehlt sich, auch die Online-Testergebnisse zu dokumentieren oder, wenn möglich, ein persönliches Nutzerprofil anzulegen. Besonders dann, wenn sich die Berufsorientierung im Unterricht über einen Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren erstreckt oder in unterschiedlichen Fächern aufgegriffen wird.

Stärken erkennen mit dem Profilpass

Viele Schulen arbeiten bereits mit dem Berufswahlpass, der Angebote zur Berufsorientierung vorstellt, eine kontinuierliche Dokumentation des persönlichen Weges zur Berufswahl ermöglicht und alle notwendigen Unterlagen zusammenfasst, die für eine überlegte Berufswahl sinnvoll sind. Die Schüler sammeln Informationen und Materialien in einem Ordner mit Einstecktasche, farbigen Registerblättern, Inhaltsseiten und einem Aufgabenheft, der bestellt oder kostenfrei heruntergeladen werden kann und auch in Einfacher Sprache zur Verfügung steht.

Für eine erfolgreiche berufliche Orientierung ist es aber auch wichtig, die Schüler dazu zu ermuntern, sich auch außerhalb des regulären Unterrichts mit diesem bedeutsamen Thema zu befassen. Deshalb wurde für die Feststellung der individuellen Kompetenzen — ergänzend zum Berufswahlpass — das Konzept ProfilPASS entwickelt, das vor allem ein Ziel verfolgt: „Wissen und Können entdecken, das sich nicht in Schulnoten wiederfindet“, so heißt es auf der Website ProfilPASS.

Die Ergebnisse der Arbeit mit dem ProfilPASS-Ordner werden nicht bewertet und fließen auch nicht in den Unterricht ein, dafür werden die Schüler von speziell geschulten ProfilPASS-Beraterinnen und -Beratern unterstützt. Das ermöglicht eine gute Mischung aus Selbst- und Fremdeinschätzung, die zusammen mit dem Stärkencheck im Unterricht verlässliche Ergebnisse hervorbringen sollte — und als Modell für eine intensive Unterstützung bei der Berufsorientierung dienen könnte.

Martina Niekrawietz

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