Fach/Thema/Bereich wählen
Schwellenpädagogik

Deutschunterricht to go

Keine Zeit gehabt, den Unterricht vorzubereiten? Macht nichts! Mit einem Notfallset an Ideen für alle Jahrgangsstufen retten Sie sich gekonnt und lehrplanorientiert über die Unterrichtsstunde.

Schwellenpädagogik: Deutschunterricht to go Lektüre aktiv umgesetzt: Szenen einer Geschichte lassen sich gut nachspielen © SpeedKingz/Shutterstock.com

„Hefte ‘raus, wir schreiben ein Diktat!“ — Diesen berüchtigten Deutschlehrer-Satz fürchteten die Schüler schon vor 40 Jahren. Dass der Lehrer vielleicht am Abend vorher schlicht keine Zeit zur Unterrichtsvorbereitung hatte, kam und kommt den Schülern weniger in den Sinn.

Auch heute noch wenden Lehrer diesen Trick an, wenn sie sich erst beim Übertreten der Schwelle zum Klassenzimmer überlegen, was sie heute mit den Schülern machen wollen. Von dieser sogenannten „Schwellenpädagogik“ berichtet auch der Autor der Spiegel-Kolumne „Lehrergeständnisse: Wie Schule wirklich ist“: In seinem Beitrag vom 21.08.2014 kommt er völlig blank in den Unterricht. Noch während er die Hausaufgaben kontrolliert, fehlt ihm „immer noch die zündende Idee“. Doch dann: „Halt, ja, das könnte funktionieren: ‚Nun schreiben wir ein Diktat‘, triumphiere ich.“ Die Schüler reagieren erwartungsgemäß kleinlaut mit „Sammeln Sie das ein?“, und die Stunde nimmt ihren Lauf.

Mit einem Diktat kann man sich aus der Affäre ziehen, doch gibt es — besonders für die Schüler! — angenehmere Möglichkeiten für unvorbereitete Deutschlehrer, um sich aus der Affäre zu ziehen. Im Folgenden dafür ein paar Anregungen für verschiedene Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts.

Mit Literatur „spielen“

Ohne Vorbereitungsaufwand geht es kaum, wenn die einzelnen Verse eines auseinandergeschnittenen Gedichts zusammengefügt oder zwei ineinander verschränkte Gedichte entflechten werden sollen. Für viele andere produktive Verfahren benötigen Sie nichts als ein Lesebuch. Während die Schüler den Text laut oder leise lesen, haben Sie Zeit, um eine geeignete Aktivität auszuwählen. Noch souveräner wirkt es, wenn Sie Ihr Lesebuch in ein paar ruhigen Minuten präpariert und neben den Texten vermerkt haben, welche Verfahren sich jeweils anbieten. Hier ein kleiner Auszug von „stegreif-geeigneten“ Arbeitsaufträgen für lyrische Texte:

  • Die Schüler verfassen nach dem Muster eines Gedichtes oder einer bestimmten Gedichtart selbst ein Gedicht. Hierfür bieten sich übrigens besonders auch Gedichtformen aus der japanischen Lyrik an, häufig „von zwei oder mehr Partnern geschriebene Gemeinschaftsdichtungen, wie die Deutsche Haiku-Gesellschaft auf ihrer Website erläutert.
  • Die Schüler wandeln eine Ballade in eine andere Textsorte um.
  • Für eine Gruppenarbeit eignet sich das szenische Lesen eines Gedichtes. Dabei überlegen die Schüler, wer welchen Part übernimmt, wie und wo Gesten eingebaut werden sollen etc.

Auch beim Umgang mit erzählenden oder dramatischen Texten gibt es vielfältige Möglichkeiten:

  • Die Schüler spielen einzelne Szenen oder Situationen nach und erstellen dazu einen Handyfilm.
  • Sie überlegen sich, wie sich die Handlung in einem Fotoroman umsetzen lässt.
  • Sie versetzen sich in einzelne Figuren und erfinden einen inneren Monolog, einen Tagebucheintrag, Brief oder Dialog.
  • Arbeitsgruppen bauen zu einzelnen Szenen Standbilder, wie ein Fotograf, der die entscheidenden Momente festhält

Kreatives Schreiben: Dialektgedichte und Liebesbriefe

„Kreatives Schreiben hat in meinem Schulalltag mal ziemlich breiten Raum eingenommen, als ich ein halbes Jahr lang ein Abo für den Vertretungsplan hatte“, schreibt der bekannte Blogger und Deutschlehrer Kubiwahn auf seiner Website. Selbst „pubertierendste Klassen“ konnte er damit „für 45 Minuten focussieren“: Wunderbar zum Beispiel seine Idee, die Schüler Gedichte in ihren regionalen Dialekt übertragen zu lassen. Kubiwahn wählte dafür zwei Gedichte von Rilke aus. „Der Panther“ wurde „live mit der Klasse erstellt — eine Schülerin moderierte die Klasse und arbeitet auf Zuruf das Werk direkt an die Tafel“, berichtet Kubiwahn, und stellt das wirklich lesenswerte Ergebnis in seinen Blog.

Übrigens: Auch in der darauffolgenden Deutschstunde kann sich die Lehrkraft die Stundenvorbereitung getrost ersparen: Da dichten die Schüler in Partnerarbeit „Herbsttag“ um. „Zu zweit ist dies eine stundenfüllende Aufgabe“, verspricht der erfahrene Deutschlehrer.

Falls Ihre Schüler gar keinen Dialekt sprechen, wählen Sie als Zielsprache einfach eine Mischung aus Jugendsprache und/oder einen Szenejargon. Oder Sie setzen eine weitere Idee von Kubiwahn um, die er unter „Kreatives Schreiben im DU 3 — Liebesbriefe/Möbelliebe“ beschreibt. Dabei versetzen sich die Schüler in einen Gegenstand im Klassenzimmer, der sich in einen anderen verliebt und seine Gefühle in einem Brief ausdrückt. Auch zu dieser Aufgabe veröffentlicht Kubiwahn einige wirklich charmante Schülerlösungen auf seiner Website.

Die Liebesbriefe schreibt Kubiwahn mit seinen 10. Realschulklassen. Und manche der Texte beweisen, dass auch höhere Jahrgangsstufen nicht vor dem häufigsten Rechtschreibproblem in deutschen Klassenzimmern gefeit sind: der richtigen Schreibung von „das“ und „dass“. An dieser Stelle kann dann ein kleiner Grammatikexkurs folgen. Das gilt auch für alle anderen, bei der Korrektur auftauchenden Rechtschreibprobleme, die flugs die Stunde weiter füllen.

Geschichten erfinden mit „Story Cubes“

„Story Cubes“, auf der Website des Herstellers in einem kurzen (englischen) Video vorgestellt, sind Würfel mit verschiedenen Icons auf jeder Würfelseite. Ein Grund-Set besteht aus neun Würfeln mit insgesamt 56 Icons, die zum freien Erzählen anregen. Diese Grafiken, zum Beispiel eine Glühbirne oder ein Schlüssel, haben nicht etwa eine feste Bedeutung, sondern regen zum freien Assoziieren an. Die Spieler würfeln und erzählen dann Geschichten, in denen die gewürfelten Icons komplett berücksichtigt werden müssen.

Wenn Sie im Plenum spielen möchten, schreiben Sie zunächst mögliche Geschichtenanfänge an die Tafel, zum Beispiel „Es war einmal ...“, „Vor langer Zeit ...“, „Eines Tages ...“. Auch verschiedene Ausgangssituationen können vorgegeben werden, z. B. „in unserer Klasse“, „bei unserem letzten Ausflug ...“ oder „in den Sommerferien“.

Die Schüler stellen inzwischen die Tische in Hufeisenform, sodass sich alle gut sehen können. Noch eine kurze Ansage, dass die Klasse gemeinsam eine Geschichte erfindet und es wichtig ist, dass alle einander gut zuhören, damit man die Geschichte folgerichtig fortführen kann, dann kann es losgehen. Die Würfel wandern in einem Säckchen reihum. Jeder Schüler zieht einen Würfel, würfelt, bindet sein Bildsymbol in die Klassengeschichte ein, und legt den Würfel zurück ins Säckchen. Der Lehrer unterstützt die Schüler, indem er auf Logik achtet, wichtige Informationen wiederholt und die Spannungskurve steuert. Parallel dazu notiert der Lehrer den Plot in Stichpunkten an die Tafel.

Eine mögliche Variante: Die Klasse teilt sich in zwei oder mehrere Gruppen, die jeweils ihre eigene Würfelgeschichte zu einem für alle Gruppen verbindlichen Thema erfinden und vortragen. Die beste Geschichte wird prämiert oder später vielleicht sogar in der Schülerzeitung veröffentlicht.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber

Dazu passende Arbeitshilfe


Mehr zu Ratgeber Fachunterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×