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Geschichtsbewusstsein

Exemplarisches Lernen mithilfe von Geschichte-Themenheften

Themenhefte ermöglichen im Geschichtsunterricht exemplarisches Lernen. Ausgewählte Ereignisse gestatten dabei einen breiten Blick auf ein historisches Ereignis, das über sich hinausweist sowie zur kritischen Betrachtung auffordert.

Geschichtsbewusstsein: Exemplarisches Lernen mithilfe von Geschichte-Themenheften Kreuzritter sind nicht nur als Historienfilm ein spannendes Thema © Lunstream - stock.adobe.com

Das Fach Geschichte ist wichtiger denn je:  Mithilfe des Unterrichtsfaches sollen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit erhalten, sich kritisch mit der Realität auseinanderzusetzen. Sie sollen eigene und fremde sowie vergangene und gegenwärtige Standorte und Gegebenheiten reflektieren sowie selbstbestimmt und zugleich gemeinschaftsbezogen an der Entwicklung und Gestaltung dieser Lebenswirklichkeit mitwirken. In Besonderem bietet das Fach Geschichte den Lernenden damit die Möglichkeit zu erkennen, wie menschliche Gesellschaften entstanden sind, wie diese sich in den Dimensionen Zeit und Raum entwickelt haben und welche Entwicklungsprozesse bis in die Gegenwart hinein wirken. Sie erfahren, in welchem Maße gesellschaftliche Verhältnisse Entwicklungen prägen und damit Urteilen und Handeln der Menschen sowie ihr Planen in die Zukunft beeinflussen. Kurz: Geschichte ermöglicht Orientierung, auch für das Hier und Jetzt. In diesem Zusammenhang wird die historische Gebundenheit des gegenwärtigen Standortes erkennbar und die Möglichkeit zu dessen kritischer Würdigung eröffnet.

Ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein entwickeln

Das übergeordnete fachdidaktische Ziel des Geschichtsunterrichtes liegt in der Entwicklung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins. Der Begriff beschreibt eine Mischung aus Vergangenheitsdeutungen, Gegenwartserfahrungen und Zukunftserwartungen. Dieses ist durch die Ausprägung von Zeitbewusstsein (gestern — heute — morgen), Wirklichkeitsbewusstsein (real — fiktiv) und Historizitätsbewusstsein (statisch — veränderlich) charakterisiert. Reflektiert ist dieses Geschichtsbewusstsein, wenn sich die Lernenden ihrer Standortgebundenheit und Perspektivität bewusst werden. Solch ein Geschichtsbewusstsein entsteht, wenn historische Sachverhalte zum Verständnis für Fragen der Gegenwart und im Blick auf zukünftige Entwicklungen herangezogen werden. Im Geschichtsunterricht geht es daher um die deutende Verbindung einzelner historischer Sachverhalte der Vergangenheit zu historischen Zusammenhängen.

Nicht zuletzt muss der Geschichtsunterricht die Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, die vielfältigen Angebote der Geschichtskultur, mit der diese in ihrem Alltag konfrontiert werden, zu (re-)konstruieren und sie zur kompetenten und kritischen Teilhabe an der Geschichtskultur befähigen. Hierzu gehört neben der Entwicklung der Urteilsfähigkeit die analytische Kompetenz, vorliegende historische Narrationen auf in ihnen enthaltenen Daten der Vergangenheit, Konstruktionsmuster, Bedeutungszumessungen und Orientierungsabsichten zu untersuchen.

Exemplarische Inhalte, statt stofflicher Vollständigkeit

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der konkreten Auswahl der zu behandelnden Inhalte des Faches Geschichte. Grundlegend ist dabei die Erkenntnis, dass die ausgewählten Inhalte über sich hinausweisen und damit exemplarisch für weitere fachliche Zusammenhänge und Kategorien stehen und insofern übertragbare Einsichten ermöglichen sollen. In diesem Sinne sind Inhalte und Themen dann für den Geschichtsunterricht geeignet, wenn sie

  • Erfahrungen von historischer und/oder kultureller Andersartigkeit und damit Fremdverstehen ermöglichen,
  • Einsichten vermitteln, dass das Denken und Handeln von Menschen immer zeit-, standort-, und interessengebunden ist,
  • anthropologische Einsichten über mögliche Verhaltensweisen des Menschen zulassen,
  • der Erklärung, Einordnung und Relativierung von Gegenwartsphänomenen dienen,
  • die Fähigkeit schärfen, langfristige Entwicklungstrends wahrzunehmen, die von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft reichen,
  • Lernende dabei unterstützen, mit der öffentlichen Verwendung von Geschichte umzugehen, an historischen Beispielen Kategorien politischen und sozialen Handelns und Urteilens vermitteln und gegenwärtiges Engagement historisch begründen. (Vgl.: Sauer, Michael: Geschichte unterrichten — Eine Einführung in die Didaktik und Methodik, 3. Auflage. Seelze-Velber 2004, S. 36 f.)

Nicht zuletzt dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst nicht aus dem Blick verloren werden: Somit kommen Inhalte immer dann als Themen in Frage, wenn sie zur Lebenswelt der Lernenden gehören und dem Lernalter auch entsprechen.

Folgt man diesem Verständnis der Geschichtsdidaktik, so erscheint ein exemplarisch angelegter Geschichtsunterricht unumgänglich. „‚Exemplarisch‘ nennt man einen Unterricht, der darauf angelegt ist, seine Inhalte statt in stofflicher Vollständigkeit in sinnfälligen ‚Beispielen‘ (exempla) zu vermitteln.“ (Rohlfes, Joachim: Exemplarischer Geschichtsunterricht. In: Bergmann, Klaus [u.a.] (Hrsg.): -Handbuch der Geschichtsdidaktik, 5. Überarbeitete Auflage. Seelze-Velber 1997, S. 280.

Das Leitmotiv ist somit, dass sich die Lernenden nicht das gesamtumfassende historische Wissen aneignen sollen, sondern sie sollen mithilfe herausragender Beispiele in die Lage versetzt werden, sich historische Zusammenhänge erschließen zu können. „Man sucht dies zu erreichen, indem man begrenzt, überschaubare Sachverhalte auswählt, die für das gesamte Lerngebiet charakteristisch sind, so daß sich aus ihnen allgemeinere, über den Einzelfall hinausgreifende Einsichten gewinnen lassen.“ (ebd.)

In Anlehnung an den deutschen Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki werden dem exemplarischen Lernen grundlegende Kategorien zugeordnet:

  • Das Elementare (das aus der Komplexitätsreduktion gewonnene Einfache),
  • das Fundamentale (die Grunderfahrungen in den zentralen Lebensdimensionen),
  • das Typische (die anschauungsverbundene Verdichtung charakteristischer Merkmale),
  • das Kategoriale (die begriffliche Fixierung von Grundstrukturen und tragenden Prinzipien) und
  • das Repräsentative (die sinnfällige Akzentuierung des Ganzen in einem seiner Teile). (Vgl.: Klafki, Wolfgang: Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik. Weinheim 1985.)

Dementsprechend können Themenhefte für das Fach Geschichte dabei helfen, exemplarische historische Sachverhalte, die für einen übergeordneten Erkenntniszusammenhang leitend sein können, zu erschließen und somit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines kritischen Geschichtsbewusstseins leisten.

Frank Lauenburg

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