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Land-Art

Kreativitätsförderung in der Natur mit der Natur

Natur erleben und sinnlich begreifen, das können Schüler, wenn sie mit Mitteln der Natur die Natur künstlerisch umgestalten. Land-Art im Kunstunterricht bietet ganz neue Erfahrungshorizonte.

Land-Art: Kreativitätsförderung in der Natur mit der Natur Mit wenigen Materialien aus der Natur bekommt der Baum ein Gesicht © hajoes2005 - Fotolia.com

Andy Goldsworthy, der bedeutendste Vertreter der Kunstrichtung Land-Art, beschreibt seine Arbeit so: „Sehen, fühlen, das Material, der Ort und die Form sind für mich untrennbar mit der entstehenden Arbeit verbunden. Es ist schwer zu sagen, wo das eine beginnt und das andere aufhört.“ (Goldsworthy, A.: Andy Goldsworthy. Frankfurt am Main, 2000, S. 5). Seine beeindruckenden Werke werden lediglich digital festgehalten, da sie im Naturkreislauf entstehen und dort nach und nach auch wieder verschwinden.

In der Schule verstehen wir unter Land-Art das Gestalten mit Naturmaterialien. Land-Art ist eine Kunstform, die Projekte und Werke in und mit der Natur erschafft. Diese zeichnen sich durch Vergänglichkeit aus, sie verbleiben draußen und werden von der Natur auch wieder zurückgewonnen.

Kreativitätsförderung und respektvoller Umgang mit der Natur

Bei der Land-Art kann man der eigenen Kreativität freien Lauf lassen, seine persönlichen Vorstellungen umsetzen und dabei in einen wichtigen Gestaltungsprozess mit Naturmaterialien eintauchen. Die Schüler erfahren dabei einen vielsinnigen Zugang zur Natur, erleben die Unwägbarkeiten von Wind und Wetter. Sie erfahren Wichtiges über ihre regionale Umgebung und die darin wachsenden Pflanzen. Nicht zuletzt üben sie auch Frustrationstoleranz und Ausdauer. Das bedeutet, die Schüler erwerben über die Kunstform einen respektvollen Umgang mit der Natur. Denn das natürliche Material stellt den Kernpunkt der Land-Art dar. Die Schüler lernen, dass man Pflanzen oder Bäume nicht einfach ausreißen darf, dass Blätter und Blüten gesammelt und gepflückt werden dürfen, ohne dabei die ganze Pflanze zu schädigen. Land-Art eignet sich für alle Schüler, sei es in der Regelschule, der Förderschule oder im inklusiven Setting.

Literaturtipps und Links:

Andy Goldsworthy: Rivers and Tides. DVD von Thomas Riedelsheimer 2003. Hier können Sie sich den Film ansehen.

Andy Goldsworthy: Holz. Frankfurt am Main 1996

Häfele Alexander: Land-Art für Kinder. Mit Natur-Kunst durch die Jahreszeiten. Mülheim an der Ruhr 2011

Einstieg in Land-Art durch Sensibilisierung

Es empfiehlt sich, als Einstieg in das Thema Land-Art zunächst einige Sensibilisierungsübungen durchzuführen, um die Bereiche der Wahrnehmung wie auch des ökologischen Denkens zu fördern. Sehr geeignet sind hierfür Spiele und Übungen, die sich auf die visuelle und taktile bzw. haptische Wahrnehmung beziehen. Nicht alle Schüler haben regelmäßigen Zugang zu Ausflügen in die freie Natur, sie sind ungeübt im Umgang mit der Umwelt und brauchen erst einmal Gelegenheit, sich näher mit den Naturerscheinungen auseinanderzusetzen.
Sensibilisierungsübungen können so aussehen:

  • Röhrenblick: Die Schüler gehen mithilfe eines längeren Papprohrs (alternativ einer Lupe oder einem Fernglas) in den Wald oder auf die Wiese. Durch den Blick durch die Pappröhre wird das Gesichtsfeld auf einen kleinen Ausschnitt eingegrenzt. Die Schüler können Dinge ganz aus der Nähe und aus unterschiedlichsten Blickrichtungen betrachten. Diese Übung kann helfen, wenn mancher Schüler buchstäblich „den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht“.
  • Barfußpfad: Die Schüler gehen barfuß einen vorbereiteten Weg entlang. Dieser wurde abschnittsweise mit unterschiedlichsten Bodenbelägen aus dem Wald gestaltet, z. B. mit Zweigen, Gras, Matsch, Steinen, Wasser usw. Das Wahrnehmungserlebnis lässt sich verstärken, wenn die Schüler mit verbundenen Augen durchgeführt werden.

Annäherung an Land-Art: Naturkunst entdecken

Um sich weiter an die Möglichkeiten in und mit der Natur heranzutasten, schärft man den Blick der Schüler durch gezielte Suche von Kunstwerken, die die Natur selbst erschaffen hat. Die Schüler sollen diese finden und fotografieren. Sie entdecken dabei Muster, Formen, Strukturen und Farben, die sie interessant finden, z. B. Jahresringe an einem Baum oder überlappende bunte Herbstblätter, die symmetrisch um den Stamm gefallen sind, eine Spur im Waldboden oder eine Ansammlung von Pflanzen in besonders harmonischer Anordnung.
Die Fotos der Naturkunst werden unterrichtlich nachbesprochen. Wiederholungen von Strukturen können identifiziert werden, Leitfragen führen die Schüler hin zur Frage, wie man das auch selbst herstellen könnte.

Hier eignen sich auch Bildbetrachtungen im Unterricht, beispielsweise über die Entstehung der Werke Goldsworthys. In einem sehr beeindruckenden Film wird das Schaffen des Künstlers dargestellt (Andy Goldsworthy, Rivers and Tides, DVD von Thomas Riedelsheimer 2003).

Eigene Land-Art gestalten: Entstehungsphasen

Will man im Unterricht Land-Art mit den Schülern zusammen gestalten, so kann man sich nach folgenden Ablaufphasen richten:

Schaffung eines Kontextes für Land-Art: Nach einer Phase der Sensibilisierung und Sinnesförderung in der Natur stellt die Lehrkraft das Thema in altersgemäßer Weise vor. Um zu ansprechenden Ergebnissen zu gelangen, hilft es, den Kontext für die Schüler zu optimieren, z. B. eine Geschichte zu erzählen, einen besonderen Zusammenhang zu Mustern, Farben oder Strukturen herzustellen oder einfach viele Bilder und Werke zu Anschauung zu präsentieren.

Planungsphase mit den Schülern: Die Schüler sollten Gelegenheit bekommen, vorab zu planen, wie sie an das eigene Kunstwerk herangehen wollen, welche Materialien gesammelt werden sollen, wie viel man dafür etwa benötigt usw. Die Lehrkraft steht beratend zur Seite und sorgt für die nötigen Sicherheits- und Schutzmaßnahmen. Sie berät die Schüler auch darüber, welche Vorstellungen gänzlich unrealistisch sind und welche machbar erscheinen.

Durchführung der Gestaltung: Die Schüler arbeiten außer Haus in freier Natur und sammeln dort die Naturmaterialien. Je nach Ausgangslage gibt es die Möglichkeit, direkt in der Natur zu bleiben und zu gestalten. Oder man führt geeignete Behälter und Taschen mit sich, sammelt und verschiebt die Gestaltung ins Klassenzimmer.

Hierbei verändert sich in der Regel die geplante Vorstellung, passt sich der Realität und den örtlichen Gegebenheiten an. Meist findet eine Erweiterung der geplanten Gestaltungsideen statt. Diesen kreativen Prozess begleitet die Lehrkraft sensibel. In manchen Fällen zeigen sich Schüler auch völlig blockiert, weil sie in der schieren Fülle nicht die geeigneten Materialien auswählen können. Hier kann die ursprüngliche Planungsidee helfen.

Auswahl des Materials: Blätter, Blüten, Äste und Zweige, Beeren und Früchte, Rinde und Zapfen, Moos, Steine, Sand, Schneckenhäuser oder Federn, Schnee und Eis.

Dokumentation der Werke: Die Lehrkraft hält die Ergebnisse mit der Fotokamera fest. Ein Stativ und entsprechendes Objektiv helfen, um die Naturkunstwerke medial in geeigneter Weise festzuhalten. In manchen Klassen stellt auch das Fotografieren selbst ein künstlerisches Ziel dar und kann von den Schülern eigenständig übernommen werden.

Präsentation der Werke: Wichtig für ein solches Projekt ist stets die Frage, wie und wo die Kunstwerke der Schüler präsentiert werden können. Da man sie nicht überall hin mitnehmen kann, sollte die Klasse vorher schon miteinander entscheiden, wie die Werke ausgestellt werden können, z. B. als Fotoausstellung, als Wandkalender, mit Einzelexponaten, die drinnen auf geeignete Unterlagen gesetzt werden usw.

Je nach Auswahl der Materialien und Jahreszeit entstehen — selbst bei gleichem Kontext — sehr unterschiedliche Ergebnisse. Die Schüler sollten in der Lage sein, Kategorien zu bilden, um sich für bestimmte Materialgruppen entscheiden zu können. So wird ein wildes Durcheinander an „Sammelsurium“ vermieden, die Ergebnisse werden klarer.

Die Auswahl der Motive scheint ebenfalls unbegrenzt und sollte dem Entwicklungsalter der Schüler angepasst werden. Freie Vorgaben und Anlehnungen an Märchen und Fabelwesen helfen, sich in die passende Grundstimmung zu versetzen, z. B. Gesichter, Tiermotive, Steintürme, Herz, Sonne/Mond/Sterne, Fabelwesen, Reihungen und Mandalas usw. Auch die jahreszeitliche Orientierung hilft, geeignete Themen und Motive zu finden.

Für die Schüler stellt Land-Art in vielfacher Hinsicht einen besonderen Unterricht dar: Er findet in freier Natur statt, fördert die Eigenverantwortung und Kreativität und bringt mit wenig Übung wunderschöne, ästhetisch ansprechende Kunstwerke hervor, auf die die Schüler stolz sind.

Claudia Omonsky

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