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Nachhilfe 2.0

Mathe lernen mit YouTube

Mathe nicht verstanden? Kein Problem für Schüler, die bei YouTube Erklärvideos sehen — so oft wie nötig bis der Groschen fällt. Das können sich Lehrer zunutze machen: für Nachhilfe, Flipped Classroom oder als Hilfestellung bei den  Hausaufgaben.

Nachhilfe 2.0: Mathe lernen mit YouTube Der Jubel ist groß, wenn man eine Matheaufgabe endlich verstanden hat © bodnarphoto - stock.adobe.com

„Nahezu die Hälfte der Schülerinnen und Schüler hält YouTube-Videos für schulische Belange für wichtig bis sehr wichtig“, wie aus einer Studie des Rates für kulturelle Bildung (S. 8) hervorgeht. Die Jugendlichen nutzen YouTube-Videos dabei „vor allem zur Wiederholung von Inhalten aus dem Unterricht (...), die nicht verstanden wurden“, für Hausaufgaben bzw. Hausarbeiten und zur Vertiefung und zur Vorbereitung von Prüfungen (ebd.).

Besonders beliebt sind dabei Lernvideos im Fach Mathematik. Damit können sich die Schüler zu Hause in aller Ruhe den Stoff noch einmal erklären lassen. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt, so oft, wie sie wollen und in ihrem eigenen Tempo. Die Schüler von Oberschullehrer und -rektor Kai Schmidt können sich dabei sogar ihren eigenen Mathelehrer auf den Bildschirm holen. Denn Kai Schmidt ist der bekannte YouTuber „Lehrerschmidt“.

Mathe besonders einfach — erklärt bei Lehrerschmidt

„Mit Lehrer Schmidt macht’s Klick. “Das steht in großen roten Lettern ganz oben auf der Website von Lehrer Schmidt, die dem Besucher den Überblick über alle Mathematikvideos gibt. Übersichtlich geordnet nach Themengebieten von „Grundrechenarten“ bis „Daten und Zufall — Wahrscheinlichkeit“ wird man hier ganz schnell fündig. — Übrigens auch als Lehrkraft auf der Suche nach guten Ideen für die letzte Schulwoche vor den Ferien: Die „streng geheimen Lehrertricks“ oder Knobelaufgaben wie „Endlich unendlich Schokolade“ ziehen auch Schüler in den Bann, die vielleicht mit dem Kopf schon ganz woanders sind.

Auch wer Mathematik fachfremd erteilen muss oder einfach sein Mathewissen auffrischen möchte, kann hier noch einmal mühelos den Stoff rekapitulieren: In verständlicher Sprache und — bei Mathe-Influencern keine Selbstverständlichkeit — in sauberer, gut lesbarer Schrift bringt Lehrerschmidt jedes Thema minutenschnell auf den Punkt. Etliche Videos — besonders die ersten — sind für Hauptschüler gedreht, um ihnen kostenlose „Nachhilfe“ zu ermöglichen.

Auch alte Hasen können hier vielleicht noch den ein‘ oder anderen Kniff entdecken, zum Beispiel die „GA GA Hühnerhaus AG“, eine Merkhilfe für die trigonometrischen Formeln. Lehrerschmidt nutzt zudem die Kommentare, Klicks und Bewertungen zu seinen Videos, um seine Lernvideos zu optimieren. Manchmal schickt er auch mehrere Videos zu einem schwierigen Thema ins Rennen, um zu ergründen, welche Erklärung die Schüler am besten verstehen, erzählt er in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Wenn er die bessere Erklärung „dann auch in der Schule“ nutzt, „lernt der Lehrer Schmidt von Lehrerschmidt“ (ebd.).

Mit Daniel Jung gegen den „Matheschmerz“

Er sei für jeden da, „der in Mathe Schmerzen hat“, sagt Daniel Jung im WDR-Magazin „Lokalzeit. Im Jahr 2010 hat der damalige Sport- und Mathematikstudent entdeckt, dass amerikanische Professoren ganze Vorlesungen ins Internet stellen. Da kam ihm die Idee, kurze Videos zu den Themen zu drehen, die seinen Nachhilfeschülern Probleme bereiten. Mittlerweile zählt sein kostenfrei zugänglicher YouTube-Kanal über 2300 Mathe-Videos, und an „Top-Tagen“ erreichen manche davon bis zu einer Million Klicks. — Wie die Besucher in Daniel Jungs Mathe-Channel schnell zum gesuchten Thema gelangen, erläutert das Video „Übersicht, Struktur, Navigation“.

Anders als in der Schule fehlt bei Lernvideos auf YouTube natürlich die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Diese Lücke schließt Daniel Jung mit dem von ihm betreuten Forum „#LETSROCKMATHE“. Nach einer einfachen Registrierung mit Nutzername und E-Mail-Adresse können die Schüler hier Fragen stellen oder für sie schwierige Aufgaben posten, die dann von der Community erklärt und oft auch berechnet werden. Neuerdings gibt es „#LETSROCKMATHE“ sogar als kostenfreie App für Android und iOS.

Der „coole“ Mathe-Crashkurs mit SIMPLECLUB

Alexander Giesecke und Nicolai Schorck sind die Macher von „SIMPLECLUB“ und veritable YouTube-Stars. Ihre Lernvideos sollen „cool sein, so dass [sic!] man richtig Bock hat, sie anzuschauen“, sagen sie im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen. Sie erklären Mathe, „wie man es einem Kumpel erklären würde. Das fasst unser didaktisches Konzept zusammen und ist der Grund, warum es funktioniert.“ (ebd.) Flapsige Jugend- und Umgangssprache, schnelle Schnitte, Animationen, Soundeffekte — die dynamischen Lernvideos verbinden gekonnt mathematische Inhalte mit Witz und Unterhaltung. — Für „ältere Semester“ ist das vielleicht manchmal „too much“, die Kids lieben es, wie viele begeisterte Kommentare unter dem Video „Die binomischen Formeln“ beweisen: „Die Lehrer sollten einfach den Schülern eure Videos zeigen, dann checkt es jeder! :D“, schreibt „sörem“ und Felix postet: „Ihr habt mein Leben gerettet danke.“

Kriterien für gute Lernvideos vermitteln

Apropos „binomische Formeln“: Alle drei hier vorgestellten Lernvideo-Schmieden widmen sich diesem Thema. Und wer die drei Videos vergleichend ansieht, bekommt einen ganz guten Eindruck von den Stärken und Schwächen der YouTuber. Ein kleines Experiment macht den Schülern bewusst, dass Lernvideo nicht gleich Lernvideo ist: Nachdem Sie die binomischen Formeln im Unterricht besprochen haben, bekommt jeder Schüler in der folgenden Stunde ein Aufgabenblatt mit Termen, die mit den drei binomischen Formeln aufzulösen sind. Dazu den Link zu jeweils einem Erklärfilm, entweder von Lehrerschmidt, von Daniel Jung oder von SIMPLECLUB. Die Schüler sehen sich das Video an und lösen dann in Stillarbeit die Aufgabe. Anschließend besprechen Sie die Lösungen und die Schüler berichten von ihren Erfahrungen mit „ihrem“ YouTuber. Dann zeigen sie im Plenum alle drei Videos, und die Schüler erstellen „ihr persönliches Ranking“. Vermutlich wird SIMPLECLUB bei den meisten Kids ganz oben rangieren.

Anschließend erarbeiten Sie mit der Klasse Kriterien, um Lernvideos zu bewerten, zum Beispiel „verständlich erklärt“, „angemessenes Erklärtempo“, „angemessene Informationstiefe“, „klar und lesbar verschriftlicht“, „unterhaltsam“ etc. Nach diesen Kriterien bewerten die Schüler dann die drei Videos auf einer vierstufigen Skala mit „trifft voll zu“, „trifft zu“, „trifft weniger zu“ und „trifft nicht zu“. Daraus leiten Sie anschließend ein Klassenranking ab. — Egal, wer dann „on top“ ist, die Schüler haben in jedem Fall gelernt, was die Qualität eines guten Lernvideos ausmacht. Zudem kennen die Kids danach drei „echt gute“ Anlaufstellen für Mathe-Tutorials bei YouTube. Und Sie als Lehrkraft sehen direkt, welchen der drei Kandidaten Sie zum Beispiel für den Einsatz im zieldifferenten Unterricht präferieren würden. — Wetten, es ist Lehrerschmidt?

Martina Niekrawietz

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