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Globales Lernen

Webportal als Ideen-Pool für den Lernbereich Globale Entwicklung

Lehrern und Schulen fehlen häufig geeignete Konzepte zum Lernbereich Globale Entwicklung. Das Webportal „Globales Lernen“ bietet umfangreiche Hintergrundinformationen und Materialien für den Unterricht.

Globales Lernen: Webportal als Ideen-Pool für den Lernbereich Globale Entwicklung Plastik im Meer wird mit fatalen Folgen von den Meeresbewohnern gefressen — ein Grund aktiv zu werden © Rich Carey/shutterstock.com

Die Gertrud-Bäumer-Realschule ist eine von vier Modellschulen“ in Nordrhein-Westfalen, die zwischen 2011 und 2013 Wege entwickelten, um Globales Lernen langfristig zu implementieren. Dabei entdeckten die Lehrer an ihren Schülern ganz neue Seiten: „Die Kinder, die WAREN auf einmal in der Musik, die haben aktiv was getan. Auch Leute, die sich sonst vielleicht (...) zurückgelehnt hatten und sagten ‚das interessiert mich alles nicht‘“, erzählt ein Musiklehrer in einem Film über die Erprobungsphase. Und eine Englischlehrerin berichtet, dass ihre Schüler sich in einer Unterrichtssequenz über illegale Einwanderung und Grenzkonflikte in den USA an Materialien heranwagten, die sie im „normalen Unterricht“ überfordert hätten. Bei der abschließenden Diskussion zum Thema hätte sie gemerkt, dass die Schüler „ganz, ganz sicher waren und mit der Einstellung rangegangen sind: ‚Da kenn ich mich jetzt aus‘“(ebd.).

Die Lehrer der Schule befürchteten zunächst, noch zusätzliche Aufgaben „oben drauf“ zu bekommen, sagt Sylvia Denner, die stellvertretende Schulleiterin und Koordinatorin für Globales Lernen in der Modellschule. Doch dem war nicht so: Bei einer Lehrerfortbildung hätte das Kollegium „viele positive Erfahrungen gemacht, so viele neue Denkanstöße bekommen, sehr viele Materialien neu kennengelernt“. Da hätten die Kollegen gesehen, dass sie das „mit wenig zusätzlicher Arbeit“ auch in ihrem Unterricht durchführen können.

Unterstützung finden sie beim „Portal für Globales Lernen“, das zentrale deutschsprachige Internetangebot zum Globalen Lernen und zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es bietet Lehrkräften die relevanten Hintergrundinformationen, das methodische und didaktische Repertoire und minimiert den Vorbereitungsaufwand mit Online-Bildungsmaterialien und laufend aktuellen Informationen über Aktionen und Veranstaltungen.

Einstieg in die komplexe Materie leicht gemacht

Die meisten Lehrkräfte haben sich im Rahmen ihres Studiums kaum oder gar nicht mit globalen Themen auseinandergesetzt. Wer sich grundlegend in Didaktik und Methodik einlesen möchte, kommt mit der umfangreichen, alphabetisch geordneten Sammlung aktueller Fachbeiträge schnell ans Ziel.

Auch der Menüpunkt „Orientierungsrahmen“ hilft dabei, sich in kürzester Zeit über den neuen Lernbereich schlau zu machen und direkt in die praktische Umsetzung einzusteigen. Hier finden Lehrkräfte:

  • den Orientierungsrahmen (OR) in der jeweils aktuellen Fassung (derzeit 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, 2016) und eine fünfseitige Zusammenfassung des komplexen 468-Seiten-Werkes für den schnellen Überblick über Neuerungen, Ziele und Inhalte,
  • den Überblick über Aktivitäten und Themenschwerpunkte in den einzelnen Bundesländern,
  • bundesweit verfügbare Projekte, wie den Schulwettbewerb „Eine Welt für Alle — Alle für eine Welt“ des Bundespräsidenten oder den „Chat der Welten“, bei dem Schulklassen aus dem Globalen Süden und dem Globalen Norden online kommunizieren können
  • sowie Artikel und Beiträge, die bei der praktischen Implementierung des OR ebenso unterstützen, wie bei der Kooperation mit externen Partnern oder bei der Umsetzung globaler Themen im naturwissenschaftlichen Unterricht.

Unterrichtsmaterialien und Multimedia-Angebote

Die Kultusministerkonferenz hat mit der Neuauflage des Orientierungsrahmens für den Lernbereich Globales Lernen im Jahr 2015 den Fächerkanon erweitert: Global relevante Themen sind seither nicht mehr nur dem Erdkunde-, Religions-, Ethik- und Politikunterricht vorbehalten, sondern stehen auch in Deutsch, im Fremdsprachenunterricht, in Geschichte, Sport, Kunst, Musik sowie in Mathematik und naturwissenschaftlichen Fächern auf dem Stundenplan.

Für die gezielte Suche eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten: Die Stichwortsuche lässt sich durch einen Klick auf „Mehr Optionen“ differenzieren, z. B. nach „Bildungsmaterialien“, „Veranstaltungen“ oder „Wettbewerben“. Und über den Menüpunkt „Bildungsmaterialien“ im horizontalen Hauptmenü ist u. a. die „Datenbank“ erreichbar, die eine — auch kombinierte — Suche nach Themen, Ländern, Ziel- und Altersgruppen, Schulfächern und Autoren erlaubt.

Bei den Fundstellen der Ergebnislisten informiert jeweils eine Kurzbeschreibung über Ziele und Zielgruppe, Inhalte, Autoren etc. Per Klick auf die Überschriften erhält die Lehrkraft eine ausführliche Beschreibung, Links zu weiterführenden Informationen oder Websites zum Thema. Wer ein fächerübergreifendes oder -verbindendes Projekt plant, sieht hier auch gleich, welche Schulfächer die Konzepte berücksichtigen.

Bisher (Stand August 2017) entspricht nur ein Dutzend der derzeit 236 Bildungsmaterialien dem Orientierungsrahmen Globale Entwicklung. Auch nach diesen Zwölf kann gezielt gesucht werden, indem im Pfeilmenü „Themen“ in der Datenbank „Orientierungsrahmen Globale Entwicklung“ eingestellt wird. Wer eigene oder andere Materialien auf die Vorgaben des Orientierungsrahmens ausrichten möchte, nutzt dabei am besten die praktische Checkliste der Bundesarbeitsgemeinschaft Englisch an Gesamtschulen mit gezielten OR-Seitenangaben und Links zu wichtigen Hintergrundinformationen (z. B. Beutelsbacher Konsens).

Zu wichtigen zentralen „Fokusthemen“, hat die Redaktion des Webportals bereits vor-recherchiert und alle relevanten Informationen auf eine Überblicksseite gepackt, zum Beispiel

  • zum Thema “Fridays for Future”,
  • zu den „17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung“ (engl. Sustainable Development Goals),
  • zu „Abfall und Müllexporten weltweit“,
  • zum Thema „Lebensmittelverschwendung“ oder
  • zu „Flucht und Asyl“

Diese Themen eignen sich wegen der Vielzahl von Materialien, Multimedia-Angeboten und möglichen Aktivitäten besonders gut für längerfristige und fächerübergreifende Unterrichtsprojekte.

Das Portal Globales Lernen bietet einen umfangreichen Pool interessanter Multimedia-Angebote: Da verdeutlichen Erklärfilme komplexe Sachverhalte, wie Biodiversität oder die Zusammenhänge von Konsum und Nachhaltigkeit, und auch mit den digitalen Medien werden die Schüler aktiv: Sie messen z. B. mit „grünen“ Apps den Lärmpegel oder checken Produktinfos, kommen mit einer digitalen Schnitzeljagd der Herkunft unserer Lebensmittel auf die Spur oder absolvieren ein Online-Training zum Thema „Menschenrechte und Tourismus“.

Die meisten Videoclips und viele Informations- und Lernplattformen sind direkt online und kostenfrei verfügbar, und auch die Unterrichtsmaterialien zu Filmen, CDs und DVDs können meist sofort eingesehen und heruntergeladen werden.

Die Schüler aktivieren — auch über das Schulprojekt hinaus

Erkennen — Bewerten — Handeln, das sind die drei grundlegenden Kompetenzbereiche des Lernbereichs Globale Entwicklung. Informationsverarbeitung und Wissenserwerb sind dabei „notwendige Grundlagen für Meinungsbildung, Entscheidungsfindung und verantwortungsbewusstes Handeln“, so die Kultusministerkonferenz in ihrem „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung“ (S. 90)

Wie auch der eingangs verlinkte Film über die Modellschule in Nordrhein-Westfalen zeigt, werden die Lernenden dabei in allen Phasen des Unterrichts aktiv: Vielfältige themenspezifische Methoden (ebenfalls auf dem Webportal zu finden) fördern den Perspektivwechsel und steigern den Erkenntnisgewinn. Das führt dazu, dass die Schüler sich ihr eigenes Urteil bilden können.

Ein Beispiel: Wenn die Schüler die ungleiche Verteilung des Weltreichtums auf einem Balkendiagramm sehen, berührt sie vermutlich die Schere zwischen armen und reichen Ländern nur wenig. Erfahren sie hingegen beim Weltverteilungsspiel mit allen Sinnen, wie es ist, sich „in Afrika“ zwei Stückchen Schokolade mit zwanzig Mitschülern zu teilen, während in den vergleichsweise dünn besiedelten „USA“ ein Schüler fast eine ganze Tafel allein bekommt, spüren sie die ungleiche Verteilung des Reichtums am eigenen Leib. Dadurch wächst das Bewusstsein für Ungerechtigkeit und damit auch die Bereitschaft zu „Partizipation und Mitgestaltung“, eine wesentliche Kernkompetenz im Lernbereich Globale Entwicklung: „Die Schülerinnen und Schüler können und sind aufgrund ihrer mündigen Entscheidung bereit, Ziele der nachhaltigen Entwicklung im privaten, schulischen und beruflichen Bereich zu verfolgen und sich an ihrer Umsetzung auf gesellschaftlicher und politischer Ebene zu beteiligen“, so heißt es im Orientierungsrahmen (vgl. dazu: OR, S. 95).

Wer über die eigentliche Unterrichtseinheit aktiv werden möchte, findet ebenfalls Unterstützung durch das Portal Globales Lernen. Sie unterstützt Schüler und Lehrer bei der Ideenfindung mit laufend aktualisierten Hinweisen auf „Veranstaltungen und Aktionen“). Und auch im alltäglichen Umgang mit Ressourcen und im Konsumverhalten eröffnen sich viele konkrete Möglichkeiten umzudenken, nachhaltig zu handeln und Verantwortung zu übernehmen: Im Kollegium der Gertrud-Bäumer-Realschule (Link zum Video über Modellschulen s. o.) hat das Umdenken ebenfalls begonnen und zwar beim Kaffeeverbrauch: „Da wird jetzt Fair-trade-Kaffee gekauft und kein anderer mehr“, erzählt Sylvia Denner. „Das sind natürlich so kleine Schritte, aber die bringen ‘ne Menge“.

Martina Niekrawietz

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