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Gesundheitsbericht

Alles too much! — Immer mehr Schüler werden psychisch krank

Endstation Depression, wenn der Schulstress Schüler zu erdrücken droht? — Psychische Erkrankungen unter Schülern nehmen zu und das bereits bei den Kleinen. Das sollten Pädagoge im Blick haben, um rechtzeitig intervenieren zu können.

Gesundheitsbericht: Alles too much! — Immer mehr Schüler werden psychisch krank Wenn alles zu viel wird und Schule nur noch stresst, dann sollten Eltern und Lehrer einschreiten © andreaobzerova - stock.adobe.com

Schulstress ist für die meisten Schüler der Klasse 6a an der Christian-Rauch-Schule in Bad Arolsen ein Problem. Hausaufgaben, mehrere Klassenarbeiten in einer Woche, dazu der Druck von Eltern, Freunden und Lehrern — das überfordert die Jugendlichen oft. „Und dann lieg ich halt abends so im Bett und denk so ‚Nein, das hab ich nicht gemacht, und das‘ und dann kann ich halt meistens nicht gut schlafen“, erzählt ein Mädchen im Interview mit der Reporterin Malin vom ARD-Jugendmagazin „neun1/2“. Und ein Junge berichtet: „Ich bin sehr gereizt dann, wenn ich Stress habe, und dann werd‘ ich schon mal ein bisschen lauter, und dann tun mir meine Eltern auch leid, eigentlich.“

Kopfschmerzen vom langen Lernen, Bauchweh vor wichtigen Prüfungen, Schlafstörungen und sogar Burnout — mit diesen Warnzeichen signalisiert der Körper, dass er dringend eine Ruhepause braucht. Doch offenbar gehen immer mehr Schüler über ihre Grenzen und werden psychisch krank, wie im Oktober 2018 eine Studie der KKH Hannover ans Licht brachte.

Anstieg von Depressionen bei Schülern um 120 Prozent

Laut einer Datenerhebung der Kaufmännischen Krankenkasse KKH wurden bei rund 26.500 Sechs- bis 18-Jährigen psychische Erkrankungen und Beschwerden ohne körperliche Ursachen diagnostiziert. — Das seien hochgerechnet auf ganz Deutschland „etwa 1,1 Millionen Kindern und Jugendliche“, so die KKH in der Pressemeldung 86/24.10.2018 auf der Website der Versicherung (zu finden unter „Pressemappe“).

Allein an „Anpassungsstörungen“ litten im Jahr 2017 rund 8.300 Sechs- bis 18-Jährige: Sie zeigten depressive Reaktionen „aufgrund körperlicher und seelischer Belastungen wie sie etwa bei hohem Leistungsdruck und Mobbing entstehen“ (ebd.). Offenbar nimmt der Stress „mit den Schuljahren und den Anforderungen zu“, denn die 13- bis 18-Jährigen sind davon besonders häufig betroffen. Zudem gab es bei diesem Krankheitsbild einen Anstieg um 90 Prozent im Vergleich zu 2007. Etwa 3.400 Schülern litten sogar unter Angststörungen wie Panikattacken. Auch hiervon waren vor allem die älteren Schüler betroffen. Bei rund 1000 der sechs- bis 18-jährigen Schüler stellten die Ärzte die Diagnose Burnout. Das sei zwar „keine eigenständige Krankheit“, gelte aber doch als Vorstufe zur Depression.

Stressreaktionen unterscheiden sich nach Alter und Geschlecht

Grundsätzlich vermehren sich auch die Stresssymptome mit „steigendem Konkurrenz- und Leistungsdruck und zunehmendem Alter der Schüler“: Fast ein Drittel der 16- bis 18-Jährigen klagt nach Auskunft der von forsa befragten Eltern „über Müdigkeit und Erschöpfung und jeder Vierte über stressbedingte Kopfschmerzen“ (ebd.). — Kein Wunder, denn in diesem Lebensalter lernen die Schüler meist für ihren Schulabschluss.

Typische Stresssymptome bei den Zehn- bis Zwölfjährigen hingegen sind Magen- und Bauchschmerzen. Während Stress bei körperlichen Bedrohungen zu vermehrter Adrenalinausschüttung und damit zu potenziell schnelleren Reaktionen führt, ist er für geistige Arbeit eher kontraproduktiv: 28 Prozent der befragten Eltern beobachteten, dass ihr Kind unter Stress „sehr häufig bis häufig (...) unkonzentriert ist“, und etwa 20 Prozent gaben an, dass ihre Sprösslinge unter Druck „sehr häufig oder häufig (...) schnell aggressiv“ werden (ebd.). Zwölf Prozent der Kids, tendenziell häufiger die älteren, kapseln sich bei Stress ab, neun Prozent reagieren mit Traurigkeit und acht Prozent mit Angst.

Typische Stressoren und was Sie als Lehrkraft tun können

„Stress und ein gewisses Maß an Leistungsdruck in der Schule sind (...) ein Teil unseres Lebens“ und unumgänglich, sagt KKH-Psychologin Franziska Klemm in einem Statement auf der KKH-Website (vgl. dazu: „Expertenstatement und Interview“ unter „Pressemappe“). Was Eltern und Lehrkräfte den Schülern jedoch vermitteln können, ist ein adäquater Umgang mit Herausforderungen und Belastungen. Klemm rät dazu, Präventionsprogramme, zum Beispiel von den Krankenkassen, zu nutzen: Sie fördern gezielt die Resilienz und die „Lebenskompetenz“ der Schüler. Wichtig sind auch stabile soziale Kontakte und das Erleben von „Anerkennung, Wertschätzung, (...) Erfolgen“ sowie eines respektvollen Miteinanders. Ein gutes Klassenklima, in dem Konflikte offen angesprochen werden können, gegenseitige Unterstützung beim Lernen, zum Beispiel durch ein Tutorensystem innerhalb der Schule, gemeinsame Unternehmungen im Klassenverband — das alles wirkt stressmindernd.

Mobbing und Cybermobbing sind ebenfalls häufige Stressoren für Kinder und Jugendliche. Hier unterstützen Sie Ihre Schüler, indem Sie auf Anzeichen für Mobbing achten (vgl. dazu den unten verlinkten Beitrag „So erkennen Sie Mobbing rechtzeitig“), bei Verdacht auf Mobbing entschlossen intervenieren und das wichtige Thema immer wieder einmal im Unterricht aufgreifen. Vertrauenslehrer oder Schulpsychologen könnten sich regelmäßig für „Mobbingsprechstunden“ anbieten. Auch die Möglichkeit für anonyme Beratungsangebote könnte geschaffen werden.

Um den Stresspegel bei den Schülern auszuloten, eignen sich „Stresstests“ für Schüler. SPIEGEL ONLINE etwa bietet ein jugendgerechtes „Quiztool“, das von der Lebenswelt pubertierender Jugendlicher ausgeht und sicherlich auch die Schülerinnen und Schüler anspricht, die sich bei Stress eher zurückziehen. Von Zeit zu Zeit könnten bei steigendem Stresslevel dann die aktuell virulenten Stressoren ermittelt werden und Klassenleiter- oder Unterrichtsstunden genutzt werden, um den Schülern situationsbezogen Strategien zum Stressabbau zu vermitteln: zum Beispiel Entspannungs- und Bewegungsübungen, Lernpläne vor großen Prüfungen, Survival-Maßnahmen bei Akutstress und Ähnliches mehr.

Martina Niekrawietz

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