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Lehrer als Eltern

Herausforderung mit Hürden: Baby, Beruf und Alltag

Wenn Lehrer Eltern werden, muss der Lehreralltag neu organisiert werden. Gar nicht so einfach, gerade am Anfang. Rituale und ein striktes Zeitmanagement helfen dabei, Beruf und Familie ins Gleichgewicht zu bringen.

Lehrer als Eltern: Herausforderung mit Hürden: Baby, Beruf und Alltag Wenn Lehrer Eltern werden, müssen sie sich auch beruflich neu organisieren © Prostock-studio - stock.adobe.com

Ein ganz normaler Montag, nachmittags daheim, ca. 16.30 Uhr. Die Klassenarbeiten türmen sich bereits mit Pisaschieflage. Der Unterricht müsste auch dringend vorbereitet werden. Und dann ist da noch das Badezimmer, welches auch mal wieder einen Wischmopp sehen sollte. Doch leider ist der Zauberlehrling nur lyrische Fiktion.

Ein ganz normaler Mittwoch, mitten in der 4. Stunde. Plötzlich klingelt das Telefon — es vibriert. Das ist nun immer an, auch während der Stunden. Der aufgeregte Partner informiert, dass das Kind 39 Fieber habe. Oh nein! Was nun?!

Ein Samstagabend, ca. 20 Uhr. Man sitzt mit dem Partner mal wieder auf dem Sofa, schaut sich die zigste Serie an und merkt, dass man schon lange nichts mehr zu zweit unternommen hat.

Lehrerberuf und Alltag — eine Herausforderung für Eltern kleiner Kinder

Aber vor ein paar Wochen ist da dieses kleine Wesen in mein Leben getreten. Dieses kleine, runde, dicke Ding, das häufig Hunger hat, gern auf dem Arm einschläft und einen so unschuldig mit seinen süßen, runden Augen ansehen kann. Und am Montag, Mittwoch und am Samstag möchte es Aufmerksamkeit — und zwar sehr viel davon. Und am Montag, Mittwoch und am Samstag kann es sehr laut schreien, wenn es diese nicht bekommt.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Auch an den restlichen Tagen der Woche hat es Hunger. Möchte gewickelt werden und auf dem Arm einschlafen. Fieber gemessen und Fieberzäpfchen verabreicht bekommen. Alle frischgebackenen Eltern kennen das. Und werden mich verstehen, wenn ich sage, dass Beruf und Alltag mitunter schwierig vereinbar sind — oder dass es zumindest Tage gibt, die als Hürden zu verstehen sind, über die man irgendwie mit seinem Partner springen muss. Eine Herausforderung ist das ganze Unterfangen ohnehin.

Die Kombination von Beruf und Alltag ist in der Theorie kein Problem. „Du nimmst das erste halbe Jahr Elternzeit, ich das zweite.“ „Guter Plan, dann haben wir beide Verantwortung und können wieder in den Beruf starten, ohne dass der andere ewig raus ist.“ „Wir teilen uns die Arbeit.“ Alles schön und gut, doch „aufteilen“ wird schwierig.

Natürlich lasse ich alles stehen und liegen, wenn meine Tochter 39 Grad Fieber hat. Ich suche einen Kollegen und bitte ihn, die Aufsichtsplicht zu übernehmen — dann eile ich nach Hause und fahre mit dem Partner zum Arzt. Der sagt einem dann, dass es überhaupt nicht schlimm ist, 39 Fieber zu haben (als Baby). Na gut, dazugelernt, werde ich in Zukunft nicht mehr machen.

Das Büro zu Hause unter Daueralarm

Der Berg Klassenarbeiten nervt! Ich meine, der nervt auch ohne Baby, hat schon immer genervt. Mit den Fächern Deutsch und Englisch bin ich quasi die personifizierte Korrigiermaschine — und bisher war das alles auch irgendwie machbar. Korrigieren in einem schönen Café, hippe Leute um mich rum. Das beseelt mich und gibt mir kreative Kraft. Oder daheim, Mozart oder manchmal Rammstein im Hintergrund — je nachdem, wie spannend die Korrektur ist. Auch das gibt mir Konzentrationskraft. Doch mit einem damoklesschwert-ähnlichen Schreien über meinem Haupt ist Korrigieren gleich eine ganz andere Hausnummer. Manchmal klappt es, da habe ich eine Stunde Ruhe. Aber von den stundenlangen Korrekturmarathons der Vergangenheit kann keine Rede mehr sein. Wenn‘s Baby schreit, habe ich keinen Kopf mehr für das oder dass. Es wird mir auch schnurzpiepegal, ob jemand das he/she/it-s angehängt hat. Ich möchte einfach Zeit mit meiner Tochter verbringen. Und wenn sie schreit, mich anlächelt oder einfach strampelt, dann hilft kein Mozart, kein Hipster und auch kein Rammstein: Dann gibt es nur noch meine Tochter.

Rituale und feste Zeiten helfen bei der Aufgabenbewältigung

Doch dann ist da ja noch das Pflichtbewusstsein. Es gibt ja noch andere Kinder, die von einem abhängig sind und die auf einen zählen. Die sind zwar nicht so wichtig wie das eigene Kind, aber sie sind da. Und darum überlege ich mir Strategien, wie ich beides unter einen Hut bekommen kann: Beruf und Alltag. Und hier sei bereits vorweggenommen: Die Crux heißt: „Alle Fünfe häufiger mal grade sein zu lassen.“

Während der Osterferien stehe ich also jeden Tag um halb sieben auf, mache mir einen sehr starken Kaffee und habe zumindest zwei volle Stunden Ruhe, meinen Job zu machen. Wie sehr ich genervt war? Sehr! Aber man gewöhnt sich an Abläufe, es hilft einem, das Leben zu strukturieren. Rituale sind nicht nur für Schüler gut — auch einem selbst helfen sie sehr. Nach dem vierten Morgen war alles nur noch halb so wild und der tolle Nebeneffekt war, dass, als meine Kleine aufgewacht ist, ich schon produktiv war und mich richtig auf die Zeit mit ihr konzentrieren konnte.

Irgendwann legen wir sie auch ins Bett bzw. auch tagsüber schläft sie mal ein. Eigentlich mag ich keine gekauften Unterrichtsmodelle. Aber glauben sie mir — eigentlich sind viele davon brauchbar. Besonders in dieser Zeit muss ich das Rad nicht neu erfinden! Es reicht, wenn die Schüler gut vorbereitet werden. Also nehme ich mir zwei Abende in der Woche Zeit und bereite den kompletten Unterricht für die kommende Woche vor. Auch das nervt! Wenn man aber fertig ist, freut man sich sogar wieder auf die Schule, denn vorbereitet zu unterrichten macht viel mehr Spaß.

Der Schlüssel zum Erfolg sind also (zumindest für mich) Rituale und feste Zeiten, an denen ich Dinge erledige. Wenn diese Zeitfenster zu sind, dann ist eben auch Feierabend. Dann gibt es ja noch meinen Partner. Das Gute ist:  Je mehr Wochen ins Land gehen, desto routinierter wird man, mit Fieber geht man entspannter um, die Klassenarbeiten dürfen auch ruhig mal drei Wochen später zurückgegeben werden und das Badezimmer ist dann eben manchmal  auch nicht klinisch rein. So what?!

Das hat doch alles einen Haken, sagen Sie? Ja, der Schlaf wird weniger: Irgendwo muss man ja sparen.

Tim Heidemann

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