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Beratung

Supervision: So können Sie den Schulalltag besser bewältigen

Problemschüler, ausufernde Klassenkonferenzen oder besserwisserische Eltern: Die Probleme, mit denen sich Lehrer in ihrem Alltag konfrontiert sehen, sind vielseitig. Eine Hilfestellung gibt es an Schulen dafür kaum. In Supervisionen können diese Themen gemeinsam mit Kollegen reflektiert werden. Doch wie sieht diese in Bildungseinrichtungen noch wenig bekannte Form der Beratung genau aus?

Beratung: Supervision: So können Sie den Schulalltag besser bewältigen Der Austausch im geschützten Raum gibt Sicherheit für schwierige schulische Situationen © iStockphoto.com/asiseeit

Der Raum ist hell, in seiner Mitte stehen sieben Stühle in einem Kreis. Fast könnte man meinen, es handele sich um einen Klassenraum. Doch auf den Stühlen sitzen keine Schüler, sondern Lehrer. Seit einem halben Jahr treffen sich die drei Männer und drei Frauen einmal im Monat zur Supervision in der Gemeinschaftspraxis in Frankfurt. Die Gruppe ist heterogen. Von der Grundschule bis hin zur Gesamtschule sind Lehrer verschiedener Bildungseinrichtungen vertreten. Gemeinsam reflektieren sie unter Anleitung von Supervisor und Psychodramatiker Didier Kulikowsky-Valentin die Probleme, die in ihrem Beruf anstehen. „Immer noch denken viele Lehrer, dass sie ihren Schulalltag allein bewältigen müssen“, sagt Kulikowsky-Valentin.

Ziel der Beratungen ist es, dass sich Kollegen in einem geschützten Raum austauschen können. „Viele erleben diese Form der beruflichen Begleitung als Entlastung und Stärkung der eigenen Person. Sie fühlen sich dadurch sicherer, in schwierigen schulischen Situationen zu handeln, “ sagt Kulikowsky-Valentin, der seit 25 Jahren als Supervisor arbeitet.

Stärkung durch die Gruppe

Zu Beginn der Supervision kann jeder Teilnehmer sein eigenes Thema mit der Gruppe teilen. „Jeder soll Raum haben, seine Probleme kurz zu schildern“, sagt Kulikowsky-Valentin. Der Mathelehrer Helmut Apel beginnt. Er berichtet von den langatmigen Monologen seines Schulleiters bei der Lehrerkonferenz. Er fühle sich seiner Zeit beraubt. Angelika Wagner, Deutsch-Lehrerin an einer großen Gesamtschule, beschäftigt eine Schülerin in ihrer Klasse. Dem Mädchen fehle die Motivation im Unterricht, ihre Versetzung sei fraglich. Auf Wagners Schilderung folgt die von Karin Sauerwein, einer jungen Referendarin: Sie hadere mit ihrer Rolle als Lehrerin und fühle sich unsicher im Klassenzimmer. Katja Baumann, Biologie und Sportlehrerin hingegen leidet unter dem Stress ihres Jobs. Walter Baumann sucht nach Möglichkeiten, seinen Beruf mit seiner Vaterrolle in Einklang zu bringen. Zuletzt schildert die Grundschullehrerin Ursula Rosenbaum ihr Problem: Eine Mutter versuche ihr immer wieder Ratschläge für ihren Unterricht zu erteilen. Rosenbaum ist seit fast 20 Jahren Lehrerin. „Dennoch lasse ich mich auf solche Diskussionen ein. Ich reagiere nicht immer sofort gut, das ärgert mich maßlos. Ich weiß das und tappe dennoch immer wieder in dieselbe Falle.“ Rosenbaum wippt nervös mit dem rechten Fuß und blickt Hilfe suchend in die Runde. Die Gruppe scheint zu spüren, wie hoch der Leidensdruck der 45-Jährigen ist. Ihrem Problem widmet sich die Runde in dieser Sitzung.

Weiterführende Links:

Die Deutsche Gesellschaft für Supervision (DGSv) bietet auf ihrer Internetseite hilfreiche Informationen rund um das Thema Supervision, z. B. zu Beratungsformen, Aus- und Weiterbildung, Veranstaltungen sowie zu Publikationen.

Mitglied im Berufsverband der DGSv ist auch der Arbeitskreis Supervision und Schule. Er bietet Lehrkräften aller Schularten Supervision und Coaching an.

Kontakt und Informationen zur Praxis für psychosoziale Gesundheit, Gesundheitsmangement und Kommunikation von Didier Kulikowsky-Valentin finden Sie hier.

Techniken zur Problemlösung

Als Supervisionstechniken dienen oft kreative Abstraktionsmethoden wie Rollenspiele oder psychologische Modelle. Supervisor Kulikowsky-Valentin schlägt das Persönlichkeitsmodell des „Inneren Teams“ des Psychologen Friedemann Schulz von Thun vor, um Rosenbaums Problem zu reflektieren. Demnach setzt sich die Persönlichkeit aus fünf Anteilen zusammen: einem Zweifelnden, einem Wehrhaften, einem Selbstbewussten, einem Verunsicherten und einem sich Rechtfertigenden. Rosenbaum soll nun diesen inneren Stimmen für die geschilderte Situation in einem Satz Ausdruck geben. Der Zweifel: „Mache ich vielleicht keinen guten Unterricht?“. Die Abwehr: „Was mischt die sich in meinen Unterricht ein.“ Das Selbstbewusstsein: „Ich bin eine kompetente und erfahrene Lehrerin und muss mir von niemandem etwas sagen lassen.“ Die Angst: „Bloß keine Auseinandersetzung, das kostet so viel Kraft.“ Die Rechtfertigung: „Pass dich der Mutter an. Erkläre Dich, begründe dein Verhalten.“

Gemeinsam analysiert die Gruppe, welche dieser inneren Stimmen Rosenbaums Gespräch mit der Mutter beeinflusst hat. In der Nachschau wird deutlich: „Die konfliktvermeidende Stimme war die lauteste, die verbal zum Ausdruck gekommen ist“, sagt der Supervisor. „Während des Gesprächs mit der Mutter haben der Körper und die Stimmlage von Frau Rosenbaum verhaltene Ablehnung gezeigt, bevor sie sich ihrer ablehnenden Seiten bewusst wurde.“ Zum Ende der Analyse erkennt die Lehrerin ihre Konfliktscheu: Um mögliche Auseinandersetzungen zu meiden, setze sie zu wenig Grenzen. Eine Betrachtung, die sie bei kommenden Gesprächen berücksichtigen werde.

Supervisionsangebote

Um als Lehrer selbst eine Supervision zu nutzen, bietet die DGSv einen Überblick über die verschiedenen Angebote in den einzelnen Bundesländern an. Eine Sitzung für eine Gruppensupervision kostet insgesamt zwischen 120 und 180 Euro. Während in Kindertagesstätten und Einrichtungen im Bereich der sozialen Arbeit, die Beratungen bereits zum Pflichtprogramm gehören und von den Trägereinrichtungen bezuschusst werden, ist es Schulen freigestellt, ob sie einen Teil ihres Budgets dafür aufbringen.    

Linda Richter, Didier Kulikowsky-Valentin


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