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KMK-Präsident Lorz

Bildungssprache für alle!

Ohne gute Deutschkenntnisse geht gar nichts: Besonders Schüler mit Migrationshintergrund werden beim Lernen abgehängt. Deshalb muss die Bildungssprache Deutsch in jedem Fach für alle Schüler auf dem Stundenplan stehen.

KMK-Präsident Lorz: Bildungssprache für alle! Besonders im Fachunterricht ist es wichtig, sprachlich alle Schüler abzuholen und einzubeziehen © goodluz - stock.adobe.com

„Wer nicht in der Lage ist, Texte zu verstehen, ist komplett abgehängt“, sagt Prof. Dr. Klaus Hurrelmann in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, über das die WELT am 08.01.2019 berichtete. Und das treffe für rund ein Fünftel der jungen Generation zu. Diese Jugendlichen haben schlechte Berufsaussichten und laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Sie bereiten Hurrelmann „Sorgen“, denn es sei „eine entwurzelte Gruppe“, die „ein Potenzial für ständige Unzufriedenheit, Unruhe, auch Hadern mit der Demokratie, der Politik und den Parteien“ biete. Sie seien nicht im Stande, „sich politisch stark zu artikulieren“, und besonders „die jungen Männer“ würden dann „radikale Parteien (...) wählen, darunter auch rechtsextreme“, warnt der Bildungsforscher.

Neben einer halb- bis ganzjährigen Berufsorientierungsphase am Ende der Schulzeit fordert Klaus Hurrelmann daher vor allem eines: Schulen sollten „wieder mehr Wert auf Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen (...) legen“ (ebd.).

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sieht das ganz ähnlich. Er übernahm am 01.01.2019 den Vorsitz der Kultusministerkonferenz und sprach mit der Deutschen Presse-Agentur über seine Pläne.

Ohne gutes Deutsch keine Ausbildung

Gutes Deutsch öffnet Schülern „alle Tore für eine Ausbildung“, sagt der KMK-Chef in der Pressemeldung der dpa-infocom GmbH, die die WELT am 6.01.2019 auf ihrer Website veröffentlichte. Ihm gehe es darum, „alle Kinder so mit einer Bildungssprache Deutsch auszustatten, dass sie ihre Talente im Bildungssystem optimal entfalten können“.

Deshalb will Lorz die Förderung der Bildungssprache Deutsch in den Mittelpunkt seiner Amtszeit stellen und mit den Ministern der KMK „bundesweit gezielt angehen“ (ebd.). Der Anteil von Schulkindern, die in Deutschland aufgewachsen sind, in ihrer Familie aber eine andere Sprache sprechen, sei groß. Diese Schüler brächten zwar Deutschkenntnisse mit, könnten damit jedoch nicht „dem Schulbetrieb von Anfang an folgen“. Das will der neue KMK-Vorsitzende ändern.

In welche Richtung könnte das konkret gehen? Das zeigt ein Blick auf die Umsetzung der bildungssprachlichen Förderung in Hessen, wo Alexander Lorz seit 2014 Kultusminister ist.

Das Hessische „Gesamtsprachförderkonzept“

Hinter dem „schulischen Gesamtsprachförderkonzept“ in Hessen verbirgt sich eine „durchgängige Sprachbildung im Unterricht aller Fächer“, so informiert die Website des Hessischen Kultusministeriums. Sie besteht aus mehreren Bausteinen und setzt bereits im Vorschulalter an. Wenn die Eltern ihre Kinder im März/April eines Jahres zur Einschulung anmelden, kann bereits festgestellt werden, ob sie über altersgemäße deutsche Sprachkenntnisse verfügen. Wenn nicht, können die Eltern ihre Kinder auf freiwilliger Basis in die sogenannten „Vorlaufkurse“ schicken, die zwölf Monate vor der Einschulung starten.

Sollten die Sprachkenntnisse der Kinder bei der Einschulung noch unzureichend sein, können sie vom Schulbesuch zurückgestellt werden. Sie besuchen dann einen verpflichtenden Deutsch-Sprachkurs in Vorklassen oder in speziellen Sprachkursen der Grundschulen. Bei positiver Sprachentwicklung ist auch noch die nachträgliche Aufnahme in Jahrgangsstufe 1 möglich. Und mit dem Baustein „Deutsch & PC“ werden die Kinder unterrichtsbegleitend im ersten Schuljahr und in den folgenden Grundschuljahren gefördert. Dabei lernen die Kinder mithilfe von PC-Lernprogrammen differenziert nach ihrem individuellen Sprachentwicklungsstand.

Zudem gibt es verpflichtende Deutsch-Förderkurse für Schüler verschiedener Altersstufen bis zu einem qualifizierten Schulabschluss. In den Grundschulen umfassen sie bis zu zwei zusätzlichen Wochenstunden, in den weiterführenden Schulen bis zu vier Stunden pro Woche.

Neuankömmlinge ohne hinreichende Deutschkenntnisse fördert Hessen in Intensivklassen, die ein Jahr lang auf die Aufnahme in die Regelschule vorbereiten. Sollte der Besuch nicht möglich sein, erhalten die Schüler unterrichtsbegleitende Intensiv- und Alphabetisierungskurse. Auch die beruflichen Schulen bieten Intensivklassen für 16- bis 18-jährige Schüler an.

Lehrkräfte werden mit speziellen DaZ-Fortbildungsangeboten für die Sprachförderung in diesem Konzept qualifiziert. Dabei stehen zum einen die Vermittlung der Bildungssprache, zum anderen die für diese Aufgabe erforderliche Werteorientierung und interkulturelle Kompetenzen im Fokus.

Auch deutsche Kinder haben Sprachdefizite

Schüler mit Migrationshintergrund haben aufgrund sprachlicher Defizite de facto schlechtere Chancen in deutschen Bildungsinstitutionen. Sie sind zum Beispiel überdurchschnittlich häufig in Förderschulen repräsentiert und verlassen erheblich öfter die Schule ohne Schulabschluss. Trotzdem weisen Lehrkräfte immer wieder darauf hin, dass auch viele deutsche Schüler — oft aus bildungsfernen Familien — aufgrund von Sprachdefiziten Probleme in der Schule haben. Auch diese Schüler brauchen einen kontinuierlichen Sprachförderunterricht vom Vorschulalter an. Außerdem sind für eine positive Sprachentwicklung auch noch andere Faktoren förderlich, zum Beispiel sozial gemischte Klassen und der Ausbau der Ganztagsschule mit vielen — auch sprachlichen — Angeboten.

Martina Niekrawietz

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