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Umgangsformen und Höflichkeitsnormen

E-Mail-Netiquette für Schüler

Übung macht den E-Mail-Meister, denn auch im Netz gelten Höflichkeits- und Schreibnormen für die E-Mail-Kommunikation. Gut, wenn Schüler sich frühzeitig mit der E-Mail-Netiquette vertraut machen und lernen, adressatengerecht zu schreiben.

Umgangsformen und Höflichkeitsnormen: E-Mail-Netiquette für Schüler E-Mails lassen sich viel leichter schreiben, wenn man weiß, wie sie formal auszusehen haben © Antonioguillem - Fotolia.com

In ihrem Beitrag „Höflichkeitsformen und Höflichkeitsnormen in Internetforen und E-Mails“ im Fachmagazin „Der Deutschunterricht“ zitieren die beiden Sprachwissenschaftlerinnen Carmen Spiegel und Ulla Kleinberger eine E-Mail einer Schülerin an ihren Lehrer:

„Betreff: hi

hallo herr meier ich bin es hatice aus der 5a ich wollte fragen wegen freitag da war ich nicht bei bio ich hatte bauchweh und mußte dringend nach hause und ich möchte die hausaufgaben wissen also falls wir hausaufgaben hatten“

Eine verbindliche Schlussformel fehlt hier offensichtlich ebenso, wie ein höfliches „Könnten Sie mir bitte ...“. Doch immerhin hat „hatice“ ihrer E-Mail eine Art Anrede vorangestellt. — Das ist keine Selbstverständlichkeit, wie ein Blick in den Thread „Emails ohne Anrede und Verabschiedung von Schülern“ in einem bekannten Lehrerforum zeigt: Da berichtet eine Lehrerin über eine E-Mail, die nichts als einen Anhang enthielt und die sie — wegen der kryptischen E-Mail-Adresse — noch nicht einmal einem Schüler zuordnen konnte. „Man muss es ihnen sagen“, schreibt „Herr Rau“: Der bekannte Lehrerblogger behandelt das Thema regelmäßig in seinem Informatikunterricht.

Natürlich ist besonders auch der Deutschunterricht dafür prädestiniert, den Schülern zu vermitteln, wie sie in formellen E-Mails mit verschiedenen Adressaten adäquat kommunizieren und dabei die äußere Form wahren.

Höflichkeit — für Jugendliche oft ein Dilemma

Das Thema bewegt auch viele Schüler, wie ein Blick in das „Lebenshilfeforum“ gutefrage.net beweist: Wie schreibt man einem Lehrer eine E-Mail? Reicht ein einfaches „Hallo“ oder doch „Sehr geehrte Frau ...“? „Wie soll ich mich da verabschieden? Mit freundlichen Grüßen? Oder „Liebe Grüße“? Soll ich meinen Nachnamen auch nennen?“ usw. — Offensichtlich ist Schülern bewusst, dass im Umgang mit Lehrern Höflichkeit angesagt ist, aber wie das geht, wissen sie nicht.

Auf der anderen Seite lehnen Schüler „althergebrachte Formen der Höflichkeit zum Teil aus dem Grund ab, weil sie diese als unehrlich und ‚schleimig‘ empfinden“, fand die Linguistin Eva Neuland in einer Studie mit rund 300 Schülern heraus. (zitiert nach: Susanne Donner, „Hallo Herr Meier ich bin es“, bild der wissenschaft online) in „Bild der Wissenschaft“ zusammen.

Höflichkeit ist sinnvoll — und entlastet

Viele Schüler sind also hin- und hergerissen: Sie sind sich dessen bewusst, dass sie mit einer ranghöheren Person (Lehrer) anders kommunizieren sollten, als mit Gleichaltrigen. Gleichzeitig befürchten sie, selbst an Status oder Selbstachtung einzubüßen, weil Höflichkeit als „Anbiedern“ ausgelegt werden könnte.
Dieses grundlegende Dilemma oder auch einfach nur die Unsicherheit der Schüler beim Thema E-Mail-Nettiquette könnte zum Einstieg in einem Unterrichtsgespräch thematisiert werden. Als Aufhänger könnten einige der oben erwähnten Schülerfragen in gutefrage.net dienen, oder auch einfach die Frage: „Warum fällt es Schülern meist viel schwerer, eine formelle E-Mail, zum Beispiel an einen Lehrer oder an einen Personalchef, zu schreiben, als an einen Freund?“

Hierbei könnte auch auf Sinn und Zweck von Höflichkeitsnormen und -formen eingegangen werden: Sie entlasten uns beim Schreiben, denn sie sparen Zeit und geben uns die Sicherheit, den richtigen Ton zu treffen und weder als anbiedernd noch als unhöflich „rüberzukommen“. Vor allem aber helfen sie dabei, die eigenen Ziele zu erreichen.

Regeln für formelle E-Mails recherchieren

Im Internet finden sich unzählige Seiten mit Tipps und Regeln für formelle E-Mails. Je nach Erfahrung recherchieren die Schüler mehr oder weniger eigenständig, zum Beispiel in vorgegebenen Quellen oder mit vorgeschlagenen Suchbegriffen wie „E-Mail-Knigge“. Parallel zur Präsentation der Ergebnisse hält der Lehrer die Regeln an der Tafel fest.

Auf einem Arbeitsblatt mit einer formellen Muster-E-Mail ordnen die Schüler die Regeln und Empfehlungen den einzelnen Bereichen zu:

  • E-Mail-Adresse des Absenders: seriös, am besten mit Vor- und Zuname
  • Betreff: kurz und aussagekräftig
  • Anrede: förmlich, z. B. „Sehr geehrte/r Herr/Frau Meier“ oder „Sehr geehrte Damen und Herren“,
  • Text: höflich, sachlich, kurz und prägnant, einfache Sätze, klar gegliedert
  • Schlussformel: förmlich, z. B. „Mit freundlichen Grüßen“
  • E-Mail-Signatur: Vor- und Nachname, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse
  • Die von den Schülern recherchierten Regeln und Empfehlungen für formelle E-Mails

Mit dieser „Checkliste“ verfügen die Schüler bereits über das Gerüst für eine vollständige und korrekte formelle E-Mail gemäß der basalen Regeln.

Ideen und Materialien für die Übungsphase

Einen kurzen und informativen Betreff zu erstellen ist gar nicht so einfach: den wichtigsten Begriff an den Anfang stellen und stichpunktartig im Nominalstil formulieren fällt vielen Schülern schwer und will geübt sein, zum Beispiel mithilfe von kurz skizzierten Schreibanlässen, für die dann eine entsprechende Betreffzeile zu entwickeln ist: „Du schickst Deinem Lehrer einen Aufsatz zur Korrektur. Betreff: ...“ Auf der Website „Digitale Schule Bayern“ findet sich dazu ein interaktives Arbeitsblatt, bei dem die Schüler auch gleich eigenständig üben, im Nominalstil zu schreiben.

Dieses Arbeitsblatt ist Teil eines digitalen Lernpfads mit weiteren sinnvollen Übungen für einen sachlichen Brief, mit denen die Schüler üben, die richtige Anrede zu wählen, einen sachlich formulierten Hauptteil zu erstellen, Sätze sinnvoll zu verknüpfen oder auf Rechtschreibung und Zeichensetzung zu achten.

Um Aufbau und Form zu internalisieren, verfassen die Schüler anschließend eigene E-Mails oder formulieren Alternativen zu missglückten Texten, etwa zum eingangs zitierten Beispiel von „hatice aus der 5a“. Mithilfe von E-Mails mit einigen markanten Formfehlern oder Unhöflichkeiten können weitere Regeln ergänzt werden. Dazu konstruiert die Lehrkraft einen Text, z. B. mit

  • flapsiger Ausdrucksweise,
  • eingebauten Emoticons,
  • Abkürzungen wie „mfG“,
  • wirren, unverständlichen oder zu langen Sätze,
  • Rechtschreibfehlern, kleingeschriebenen Anredepronomen, Ausrufezeichen,
  • zu langem Text ohne Absätze,
  • falsch geschriebenem Namen des Adressaten etc.

Was höflich ist, bestimmt der Adressat

Um den richtigen Ton bei einer formellen E-Mail zu treffen, ist es wichtig zu wissen, was Adressaten erwarten. Das finden die Schüler am besten heraus, wenn sie potenzielle Empfänger befragen. Dazu erarbeiten sie zunächst in Gruppenarbeit einen Fragebogen für ein Interview, das sie dann z. B. mit Polizisten, Personalchefs oder Sachbearbeitern im Kundenservice eines Unternehmens führen. Mögliche Fragen könnten dabei sein: „Was ärgert Sie häufig, wenn Sie E-Mails erhalten?“ „Was empfinden Sie als besonders unhöflich?“ „Welche drei ‚No-Gos‘ fallen Ihnen auf Anhieb ein?“ „Wie reagieren Sie auf E-Mails, die Sie unhöflich finden?“ und – ganz wichtig – „Was verrät Ihnen eine E-Mail über den Absender?“ Diese Übung verdeutlicht den Schülern sicherlich, dass es sich lohnt, in korrekte Form und Höflichkeit Zeit und Mühe zu investieren.

Sollte die Zeit für Interviews fehlen, könnte auch ein ironischer Text wie der von Berufsschullehrer Ulrich Rapp für die Erwartungen des Empfängers sensibilisieren. Zum Thema E-Mail_Bewerbungen heißt es auf seiner Website beispielsweise: „Höflichkeitsfloskeln sind alte Kamellen. Lassen Sie Anreden einfach weg, das spart Zeit und der Empfänger sieht gleich, was er Ihnen wert ist. Alternativ können Sie mit Kreationen wie ‚Hi‘ jugendliche Dynamik beweisen. In Bewerbungsschreiben hat es den Vorteil, dass verkalkte Personalchefs ab hier nicht mehr weiterlesen. So kommen Sie gar nicht in die Verlegenheit, mit solchen Leuten zusammen arbeiten zu müssen.“

Textbausteine für schriftsprachliche Höflichkeit

„E-Mail ist gerichtete Kommunikation und meist wird sie versandt, weil man etwas vom Gegenüber möchte oder weil man eine Aufforderung oder Bitte des Gegenübers bedient“, schreiben Carmen Spiegel und Ulla Kleinberger in ihrem eingangs verlinkten Beitrag „Höflichkeitsformen und Höflichkeitsnormen in Internetforen und E-Mails“. Die Konventionen bei Anrede und Verabschiedung hielten Jugendliche auch meist „mit Rückgriff auf standardisierte Formate“ ein. Jedoch fehlten ihnen „höfliche Formate zur Realisierung verschiedener sprachlicher Handlungen wie Nachfrage, Bitte oder gar Reklamation und Einwände“.

Das Sprachportal bab.la bietet dazu eine Sammlung von Phrasen für die Geschäftskorrespondenz, die die Schüler einzelnen Schreibanlässen zuordnen und wieder beim Umformulieren „verunglückter“ E-Mails üben könnten. Schnell werden die Schüler merken, dass formelle E-Mails mit einem Repertoire von einigen wenigen Phrasen für Einleitung, Hauptteil und Schluss wesentlich schneller von der Hand gehen und bei den Empfängern gut ankommen.

Martina Niekrawietz

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