Fach/Thema/Bereich wählen
Besondere Projekte

Geocaching: digitale Schnitzeljagd im Unterricht

Orientierung im Raum bekommt, digital unterstützt, einen höchst spannenden Charakter, wenn es gilt, mit Grips und GPS oder Smartphone Schätze zu entdecken.

Besondere Projekte: Geocaching: digitale Schnitzeljagd im Unterricht Gemeinsam auf Schatzsuche gehen motiviert Schüler, erworbene Kenntnisse anzuwenden © kaninstudio - stock.adobe.com

„Mach mit bei der weltweit größten Schatzsuche“ — diese verheißungsvolle Aufforderung steht ganz oben auf der Website Geocaching. Darunter der Startbutton zu einem 75-sekündigen Video, das Geocaching in einfachen englischen Sätzen mit deutschen Untertitel kurz erklärt: „Geocaching ist eine Schatzsuche in der realen Welt, die ständig auch um Dich herum stattfindet und die Dich zu außergewöhnlichen und tollen Plätzen führt“, heißt es da. Drei Millionen Geocaches weltweit gibt es zu entdecken, erfährt der Betrachter, und: Man braucht nicht unbedingt ein GPS-Gerät dafür, sondern kann sich auch einfach mit dem eigenen Smartphone auf die Suche machen. Dazu registriert man sich einfach, zum Beispiel auf der Website geocaching.com (Link s. o.), lädt sich dann eine kostenfreie App herunter und schon sieht man auf einer Karte, wo die Schätze versteckt sind. Hier wählt man einen Geocache aus, und lässt sich „zum Ziel navigieren“.

Nach diesem Video haben selbst „Couch-Potatos“ verstanden, dass Geocaching eine abenteuerliche Alternative zum passiven Medienkonsum ist und richtig viel Spaß machen kann. — Der ideale Einstieg in eine Unterrichtseinheit mit digitaler Schnitzeljagd.

Verschiedene Arten von Caches

Wie unterschiedlich die „Caches“, englisch für „geheimes Lager“, sein können, deutet das Video schon an. Ein „Spezial“ auf der Website „planet schule“ stellt die drei wichtigsten Arten vor:

  1. Der „Traditional“ ist „der einfachste Cache-Typus“. Er führt mit seinen angegebenen Koordinaten direkt zum Versteck.
  2. Etwas kniffliger gestaltet sich die Suche beim „Multi-Cache“: Hier starten die Spieler mit den Koordinaten eines Standpunktes und gelangen „über mehrere darauffolgende Stationen zum eigentlichen Cache“.
  3. Beim „Mystery-Cache“ ist vor Freigabe der Koordinaten ein Rätsel zu lösen.

Die Größe der versteckten Caches variiert stark: Früher hatten sie noch bisweilen die Ausmaße eines Wäschekorbs, heute gibt es auch „sehr kleine, sogenannte Nano-Caches, die kleiner als eine Fingerkuppe sind“ (ebd.). Sie sind oft magnetisch, was die Suche erleichtert, und in jedem Fall — wie alle Caches — wasserdicht verschlossen. Meist sind die Schatzkisten jedoch groß genug für ein Logbuch, in das sich der Finder eintragen kann. Sie enthalten außerdem kleine Spielzeuge oder anderes Tauschmaterial, das die Schüler dann gegen eigene mitgebrachte kleine „Schätze“ austauschen können.

Codex für Geocaching

Bevor Ihre Geocaching-Exkursion startet, sollten Sie mit den Schülern einige Verhaltensregeln für Geocaching, den sogenannten „Codex“ besprechen.

Für das mitzunehmende Tauschmaterial gilt: Lebensmittel sind tabu. Sie könnten Tiere anlocken oder mit der Zeit verderben. Auch empfiehlt es sich, verschiedene Kleinigkeiten dabei zu haben, denn wer etwas aus der Schatzkiste herausnimmt, muss dafür etwas mindestens Gleichwertiges hineinlegen.

In Landschaftsschutz- oder Naturschutzgebieten gelten bestimmte Regeln und rechtliche Bestimmungen, die die Schüler vorab im Netz recherchieren könnten. So gibt es etwa in Naturschutzgebieten ein Wegegebot, das heißt, hier dürfen Wege nicht verlassen werden, um wildlebende Tiere und seltene Pflanzenarten zu schützen. Auch außerhalb besonders geschützter Biotope sollten Schatzsucher in Wald und Flur so lange   wie möglich auf den Wegen bleiben und Rücksicht auf Pflanzen oder Tiere nehmen.

Wichtig ist es außerdem, bei der Suche auf „Muggel“ zu achten. Das sind „Menschen, die nicht ins Cache eingeweiht sind“, erläutert Eva Wiersdorff in ihrer informativen Broschüre „Geocaching in der Schule“ (S. 7). Sie erhöhen die Spannung für die Suchenden, die ihnen möglichst aus dem Weg gehen, um sie nicht auf die Fährte des Caches zu bringen.

Werden eigene Caches versteckt, so müssen sie „legal und öffentlich zugänglich sein“ (ebd.): Naturschutzgebiete, Privatgrundstücke oder Gebäude etc. kommen also nicht in Frage. Auch „sollte ein Cache immer ohne Gefahr für die Geocacher erreichbar sein“, so die Autoren der Website „planet schule“ (Link s. o.), „sicherheitsrelevante Örtlichkeiten wie Flughäfen oder Bahngleise“ sind also ausgeschlossen (ebd.).  

Mit kleinen Ausflügen rund um Ihre Schule starten

Geocaching-unerfahrene Lehrkräfte bzw. Klassen beginnen am besten mit der einfachen Suche nach einem „Traditional-Cache“ in der näheren Umgebung der Schule. Als registrierter Nutzer auf der Website Geocaching bekommen Sie schon mit der kostenfreien Basisversion die Koordinaten verschiedener Caches in der Nähe. Und Sie sehen auch gleich, welchen Schwierigkeitsgrad die jeweilige Aufgabe hat und wie weit das Ziel von Ihrem Startpunkt entfernt ist. Am besten probieren Sie zunächst selbst aus, welche Exkursionen sich für Ihre Klasse eignen, welche im angesetzten Zeitrahmen zu bewältigen sind, welche für eine Brotzeitpause Platz bieten usw.

In der Regel werden Sie die Klasse in mehrere Kleingruppen aufteilen, damit alle Schüler aktiv in die Suche eingebunden sind. Dazu sind natürlich bei jüngeren Schülern entsprechend mehr Aufsichtspersonen erforderlich. Falls es aus organisatorischen Gründen nicht möglich ist, dass die einzelnen Gruppen zeitversetzt starten, könnten Sie auch mehrere verschiedene Caches zur Auswahl stellen.

Eine weitere einfache Möglichkeit: Sie unterteilen den Weg zum ausgewählten Cache in mehrere Teilstrecken mit Koordinaten von Zwischenstationen, wo jeweils die nächste Kleingruppe die Führung übernimmt. Liegen die Zwischenstationen auf einem Kreis um den Cache, können die Schülergruppen auch an unterschiedlichen Stationen starten.

Klassenfahrt mit Geocache-Event

Wenn Sie Ihre nächste Klassenfahrt mit Geocaching verbinden möchten, finden Sie im Netz viele Angebote von freizeitpädagogischen Anbietern oder Einrichtungen: So bieten beispielsweise diverse Jugendherbergen, Schullandheime oder Naturfreundehäuser GPS-geführte Schatzsuchen an. Und auch in vielen Städten kann man die Sehenswürdigkeiten via GPS-Koordinaten erkunden.

Auf der oben verlinkten Website „planet schule“ gibt es vier verschiedene Multicache-Touren in Baden-Württemberg, bei denen die Schüler zum Beispiel den Kelten und Römern im Schönbuch auf der Spur sind oder auf der Westwall-Exkursion Überbleibsel der jüngeren deutschen Geschichte erkunden. An mehreren Stationen lösen die Schüler vorbereitete Aufgaben, die sie zu den Koordinaten der nächsten Station führen und sie gleichzeitig dazu motivieren, Texte auf Tafeln wirklich zu lesen, Bauwerke bzw. die Umgebung genau zu betrachten oder geschichtliche Daten und andere Informationen im Netz zu recherchieren.

Geocaching-Anleitung für Lehrkräfte

In Verbindung mit einer Multicache-Tour wird auch „Lernen an Stationen“ für die Schüler zur spannenden Herausforderung: Schließlich gelingt eine erfolgreiche Schatzsuche nur dann, wenn alle Aufgaben korrekt gelöst werden.

Wie Sie am besten bei der Planung einer solchen Stationenarbeit vorgehen, bringt Eva Wiersdorff in der oben verlinkten Broschüre auf den Punkt: Den schnellen Überblick über die notwendigen Arbeitsschritte von der Zieldefinition bis zu den Korrekturen nach dem Testlauf gibt die Checkliste auf S. 10. Mit den praktischen Hinweisen sind Sie für alle Eventualitäten gewappnet, zum Beispiel für den Umgang mit Verzögerungen bei einzelnen Gruppen (ebd.).

Ein kleines Manual (S. 20 ff.) unterstützt die Lehrkraft bei der Handhabung von GPS-Geräten, und auch sonst erspart Eva Wiersdorff Lehrkräften viel Arbeit: Ideen und Vordrucke für Lösungsblätter (S. 11 ff.), Muster-Elternbrief mit Einverständniserklärung und Einkaufsliste für die Geocaching-Exkursion (S. 29 f.), ausformulierte Instruktionen für das Road-Book, das jede Gruppe bei sich hat — an alles hat die Autorin gedacht.

Trotz der vielen praktischen Arbeitshilfen bleibt freilich die Planung und Umsetzung eines Geocache-Parcours immer noch eine zeitaufwendige Sache. Schneller geht es auf jeden Fall in Teamarbeit mit Kollegen, Eltern oder auch Schülern aus höheren Jahrgangsstufen. Das Gute daran: Von der Arbeit eines solchen Geocaching-Arbeitskreises profitieren alle Lehrkräfte der Schule, wenn sie aus einem Pool von Exkursionen mit fertigen Materialien schöpfen können. — In diesem Sinne: Happy hunting!

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Neue Medien im Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×