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Peer-Education

In vier Schritten zum Medienscout

Internet, Social Communities, Handys und Computerspiele — der Umgang mit digitalen Medien sollte gelernt sein. Wenn Schüler zu „Medienscouts“ ausgebildet werden, motivieren sie sich, ihre Medienkompetenz zu verbessern. Und sie geben ihr Wissen auch an andere Schüler weiter.

Peer-Education: In vier Schritten zum Medienscout Medienscouts erklären ihren Mitschülern, wie man sich im Internet vor Datenmissbrauch schützen kann © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Im hektischen Schulalltag kommt der Umgang mit digitalen Medien oft zu kurz. Gerade dann, wenn es um Datenschutz, Privatsphäre und Sicherheit im Internet geht, haben viele Schüler aber noch Nachholbedarf. Wenn Schüler zu Medienscouts ausgebildet werden, können sie sich gegenseitig helfen. Das heißt nicht, dass sie die Aufgabe der Lehrkräfte übernehmen müssen. Vielmehr tragen Medienscouts dazu bei, die Medienkompetenz ihrer Mitschüler zusätzlich, auch außerhalb des Unterrichts, zu fördern. Und zwar um ein Vielfaches: Die Scouts verfestigen in der Ausbildung ihr eigenes Medienwissen, vertiefen es, indem sie ihre Mitschüler beraten und geben es weiter, indem sie eine weitere Generation Medienscouts ausbilden. Ein „lockeres“ Medientraining, das die Schüler auf lange Sicht für wichtige Themen sensibilisiert. 

Medienscouts NRW: Pilotprojekt mit Zukunft

Das Projekt „Medienscouts NRW — junge Nutzer für junge Nutzer“ wurde erstmals 2011 von der Landesanstalt für Medien (LfM) initiiert. Zehn Schulen nahmen an dem Pilotprojekt teil, jeweils vier Schüler und zwei Lehrer. Die Schüler, die zu den sogenannten „Ur-Scouts“ ausgebildet wurden, waren anschließend dazu in der Lage, ihre Mitschüler zu beraten sowie eine zweite Generation Medienscouts an ihrer Schule auszubilden. Die Lehrer nahmen ebenfalls an der Ausbildung teil, um die Medienscouts nachher bei schwierigen Fragen unterstützen zu können. 

Das Projekt, das bis heute an den Schulen erfolgreich fortgeführt wird, verwendet die Methode der Peer-Education: Die Schüler helfen sich gegenseitig, den richtigen Umgang mit Handys, Internet und Social Communities zu erlernen. Die Medienscouts vermitteln das Wissen anschaulich und praktisch, in Form von Infoveranstaltungen, Vorträgen sowie Flyern und Broschüren. 

Der Vorteil ist, dass sie mit ihren Mitschülern „auf Augenhöhe“ reden können. Durch das lockere Auftreten der Medienscouts vertrauen sich die Schüler ihnen eher an als den Lehrern. Gerade schwierige Fälle wie z. B. Cybermobbing oder Datenmissbrauch werden den Medienscouts womöglich schneller gemeldet. Handelt es sich um ein ernstes Problem muss der Medienscout dies frühzeitig erkennen und einem Beratungslehrer melden. Medienscouts können aber auch dazu beitragen, dass es gar nicht erst so weit kommt, indem sie den Schülern erklären, wie diese ihre Daten und Privatsphäre von vornherein schützen können. 

Weiterführende Informationen: 

Die Projektwebsite „Medienscouts NRW“ stellt neben einer Handreichung und dem Evaluationsbericht auch sämtliche Arbeitsmaterialien zur Verfügung.

Das Scout-Magazin informiert über aktuelle Themen im Bereich digitale Medien und stellt eine Reihe hilfreicher Materialien zum Download bereit.

Medienscouts an der eigenen Schule ausbilden

Die LfM stellt auf der Projektwebsite Materialien sowie Videos, Fotos und Berichte online zur Verfügung. Nicht nur in NRW, auch in anderen Bundesländern gibt es Institutionen, die Medienscouts ausbilden. Mithilfe der online verfügbaren Materialien können interessierte Lehrer auch eigenständig Medienscouts an ihren Schulen ausbilden. Mit etwas Vorbereitung gelingt das Projekt in wenigen Schritten.

  1. Geeignete Schüler auswählen: Auf einen Medienscout kommen einige Herausforderungen zu, sowohl fachlich als auch sozial. Grundsätzlich sollten sich die interessierten Schüler gern mit Medien- und Technikfragen auseinandersetzen und genügend Erfahrung mit Internet, Handy und Computerspielen haben. Aber auch persönliche Eigenschaften wie Teamfähigkeit und Hilfsbereitschaft sind eine wichtige Voraussetzung. Medienscouts zeichnen sich idealerweise dadurch aus, dass sie kreativ, selbstständig, motiviert, zuverlässig und vertrauenswürdig sind und insgesamt positiv und selbstbewusst auftreten. Aber auch schüchterne Schüler können von der Ausbildung profitieren, da sie von ihren Mitschülern besser wahrgenommen werden und dadurch ihr Selbstvertrauen stärken. Die LfM empfiehlt, Medienscouts ab der achten Klasse auszubilden, da Schüler im Alter von 14 bis 15 Jahren bereits über genügend Medienbewusstsein verfügen und dies an Gleichaltrige und jüngere Schüler weitergeben können.

  2. Workshops organisieren: Zunächst geht es darum, die ersten Medienscouts bzw. „Ur-Scouts“, auszubilden. Die Workshops sind in vier Module unterteilt: Internet und Sicherheit, Social Communities, Computerspiele und Handy. Hierzu stellt die LfM Lehrmaterialien und Ablaufpläne zum Download bereit, darunter auch Materialien zu den Themen Kommunikationstraining, Beratungskompetenz und Soziales Lernen. Die Workshops können innerhalb eines Wahlpflichtkurses (z. B. Informatik) durchgeführt oder freiwillig als AG organisiert werden. In den Workshops erarbeiten Lehrer und Schüler die Themen gemeinsam. Dabei kann jeder einiges dazulernen. Manche Schüler beherrschen vielleicht die ein oder andere App besser, der Lehrer kann dafür ein feineres Gespür für Themen wie Sicherheit und Privatsphäre vermitteln. Gemeinsam haben alle Teilnehmer die Chance, ihr Wissen untereinander auszutauschen und so von den Vorkenntnissen des anderen zu profitieren. Nach der Ausbildung entwickeln die Medienscouts eigenständig Beratungsangebote für die anderen Schüler: Sprechstunden, Online-Foren oder Vorträge im Rahmen von Projekttagen. Darüber hinaus ist es ratsam, dass die Medienscouts bei Elternabenden und Lehrerfortbildungen über ihre Praxiserfahrungen berichten. So bleiben Eltern und Lehrkräfte ebenfalls auf dem Laufenden und erkennen die Chancen, aber auch Probleme digitaler Medien.

  3. Vernetzen und Weiterbilden: Da sich die Medienwelt laufend verändert, werden die Medienscouts immer wieder neuen Fragen begegnen und sollten sich regelmäßig mit den Lehrern beraten und auch weiterbilden. Das Scout-Magazin informiert Schüler sowie Lehrer regelmäßig über aktuelle Themen und stellt Materialien zum Download bereit. Aber auch andere Portale wie handysektor.de und klicksafe.de eignen sich zur weiteren Recherche. Auf der Projektwebsite der LfM findet sich eine FAQ-Liste häufig gestellter Fragen, die von einem Expertenteam beantwortet werden.

  4. Medienkompetenz um ein Vielfaches: Die Ausbildung von Medienscouts hat gleich mehrere positive Effekte. Die Medienscouts vertiefen ihre eigenen Medienkenntnisse, erfahren eine höhere Akzeptanz und stärken ihr Selbstbewusstsein. Gleichzeitig sensibilisieren sie ihre Mitschüler für wichtige Themen wie Privatsphäre und Sicherheit im Internet und können auch schwierige Themen locker besprechen. Aber auch die Lehrer bleiben mithilfe der Medienscouts auf dem aktuellen Stand, indem sie sich regelmäßig austauschen und sie kompetent unterstützen. Nicht zuletzt sorgen Medienscouts dafür, dass die Medienkompetenz an der Schule stetig zunimmt: Sind erst einmal die Ur-Scouts ausgebildet, wird es dank ihnen viele weitere Medienscouts geben.

 

Ananda Bräunig

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