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Medienkompetenz

Internetrecherche: gute Seiten, schlechte Seiten

Schüler nutzen das Internet als primäre Informationsquelle. Doch woran erkennt man seriöse Webangebote? Wie checkt man Inhalte auf Glaubwürdigkeit? Das sind wichtige Qualifikationen des „mündigen Netzbürgers“, die der Unterricht in allen Fächern vermitteln sollte.

Medienkompetenz: Internetrecherche: gute Seiten, schlechte Seiten Internetrecherche muss geübt werden, um zu erkennen, welche Inhalte vertrauenswürdig sind © bluebay2014 - Fotolia.com

Wer mit seinen Schülern die gekonnte Internetrecherche für Referate & Co. einüben möchte, sollte sich zunächst ein Bild über den Ist-Zustand machen: Wie und wo informieren sich die Kids im Netz? Ein kleiner Testlauf zu Beginn der Unterrichtseinheit könnte Aufschluss darüber geben. Aber auch ein Blick in die aktuelle JIM-Studie, erschienen im November 2016, eröffnet interessante Einblicke in das Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen von 12 bis 19 Jahren.

Durchschnittlich 200 Minuten verbringen die 12- bis 19-Jährigen von Montag bis Freitag täglich mit digitalen Medien. Hauptsächlich kommunizieren sie dabei, hören Musik, schauen sich Videos und Bilder an oder spielen. Nur 10 Prozent ihrer Medienzeit verbringen sie mit der Informationssuche (ebd., S. 27). — Das ist nicht viel.

Für eine differenziertere und effektive Recherche, zum Beispiel vor einem Referat, brauchen die Schüler Hintergrundwissen und Übung im Umgang mit digitalen Informationsmedien. Der folgende Beitrag zeigt auf, wo Sie dabei ansetzen sollten und gibt Ihnen Anregungen und Materialien für Ihren Unterricht an die Hand.

Der Google-, Wikipedia- und YouTube-Check

Als Informationsquellen sind für 12- bis 19-Jährige laut JIM (Link s. o., S. 41) Suchmaschinen die erste Anlaufstelle, gefolgt von YouTube-Videos (!), Nachrichten bei Facebook und Twitter und — auf Rang 4 — Wikipedia und „vergleichbare Angebote“. Online-Nachrichtenportale von Zeitungen und Zeitschriften rangieren auf den Plätzen 5 und 6, dicht gefolgt von Nachrichten bei Providern, deren Niveau häufig schwer zu wünschen übrig lässt. Weit abgeschlagen auf Platz 8 erscheinen Nachrichtenportale von TV-Sendern, wobei hier vermutlich nicht unbedingt davon ausgegangen werden darf, dass die Mehrzahl der Schüler öffentlich-rechtliche Portale wie ARD und ZDF mit ihren eher komplexen, politisch fundierten Texten konsultieren.

Um die Qualität der jeweiligen Quellen zu vergleichen, könnten in Gruppenarbeit vergleichende Recherchen in den verschiedenen Informationsmedien angestellt werden. Natürlich eignen sich Twitter, Facebook und Nachrichtenportale von TV-Sendern weniger als Informationspool für themenbezogene Referate. Hier sind Suchmaschinen und Wikipedia-ähnliche Angebote das Mittel der Wahl. YouTube hingegen kann gezielt unter vielfältigen inhaltlichen Aspekten durchsucht werden und trägt mit thematisch passenden Videos zu einem abwechslungsreichen Medienmix bei Referaten bei.

Anhand einer 10-minütigen Kurzrecherche zu einem einfachen Thema testen die Schüler in Gruppenarbeit die Ergiebigkeit der Quellen und erstellen ein Ranking bezüglich der Relevanz der Informationsportale für eine Referatsrecherche. Dabei wird sich herauskristallisieren, dass Wikipedia — vorausgesetzt, es handelt sich um einen fundierten Beitrag (dazu mehr weiter unten) — eher genutzt werden sollte, um sich einen ersten Überblick über ein Thema zu verschaffen. Für die Detailrecherche eignen sich Suchmaschinen. Sobald das inhaltliche Gerüst steht, kann auch eine thematisch zielgerichtete Recherche in YouTube-Videos erfolgen. Gemeinsam überlegen Lehrer und Schüler, an welchen Stellen des Referats welches Video sinnvoll sein könnte, welche Funktion (Einstieg, Auflockerung, Vertiefung ...) eine kurze Filmeinlage übernehmen könnte und welche Länge angemessen ist.

Die Spreu vom Weizen trennen: Websites per Checkliste bewerten

Im Unterrichtsgespräch lenkt der Lehrer die Aufmerksamkeit der Schüler auf die Qualität der bei der Kurzrecherche gefundenen Webseiten: Woran erkennt ihr hochwertige und seriöse Websites? Hier gibt es eindeutige Kriterien, die sowohl das Seitendesign als auch inhaltliche Aspekte betreffen. Diese könnten recherchegeübtere Schüler in höheren Jahrgangsstufen zunächst eigenständig recherchieren und daraus eine eigene Checkliste „basteln“, die dann im Plenum ergänzt wird. Alternativ dazu erarbeitet der Lehrer die Qualitätsmerkmale im Unterricht.

Im Netz finden sich dazu diverse Checklisten und Unterrichtskonzepte. Da ist zum Beispiel die Checkliste zur Bewertung von Internetquellen des Referats Medienpädagogik des Hamburger Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung. Im Englischunterricht in höheren Klassen könnten die „6 Criteria for Websites“ der kanadischen Dalhousie University herangezogen werden. Und eine umfangreiche „Glaubwürdigkeitsprüfung von Internetseiten“ (Checkliste mit Ja-/Nein-Optionen) findet sich im Anhang zu einem lesenswerten Beitrag zum Thema Glaubwürdigkeitsanalyse von Peter Kürth auf der „Lehr- und Lernplattform für Neue Medien im Unterricht“.

„Alles, was im Internet steht, stimmt, oder?“ Mit dieser Fragestellung nähert sich ein Unterrichtsentwurf der Niedersächsischen Landesmedienanstalt und des Niedersächsischen Kultusministeriums den inhaltlichen Gütekriterien einer seriösen Website: Wird klar, wer für die Inhalte der Site verantwortlich ist? Welchen Zweck verfolgt die Seite? Ist sie sorgfältig und übersichtlich gestaltet? Sind die Informationen glaubwürdig bzw. durch weitere Quellen verifizierbar? Die methodisch abwechslungsreichen Arbeitsaufträge sind für eine Doppelstunde in der 7. bzw. 8. Jahrgangsstufe ausgelegt. Sämtliche Materialien von der Einstiegsphase bis zum fertigen Tafelbild sind akribisch vorbereitet, ideal für eine spontane Vertretungsstunde in einer Klasse mit Rechnern und Internetanschluss.

Ein weiteres Unterrichtskonzept im Netz stellt auf vier Arbeitsblättern die „grundlegenden Fragestellungen“ und auch Techniken dar, mit denen die Schüler (auch selbstständig, etwa im Rahmen des Wochenplans) Webseiten beurteilen können. Mit dabei auch hier eine übersichtliche Checkliste zur Webseiten-Analyse, mit der die Schüler die einzelnen Arbeitsschritte „abarbeiten“ können.

Rémy Kauffmann, Lehrer an der Kantonsschule Baden in der Schweiz, setzt bei seinem Unterrichtsvorschlag „Wem kann ich trauen?“ auf Eigenaktivität der Schüler: Die Jugendlichen „suchen selber Webseiten, die ihnen nicht verlässlich oder einseitig erscheinen (bspw. zu umstrittenen Themen wie Nahostkonflikt, Rechts-Linksextremismus, Globalisierung, Zuwanderung)“. — Ein riskantes Unterfangen, denn möglichweise landen sie dabei auf Seiten mit politisch extremistischen oder moralisch fragwürdigen Webangeboten (IS, Porno etc.). Hier erscheint es besser, einige Webseiten oder zumindest unverfängliche Themenbereiche vorzugeben — bzw. viele Seiten sind auch schon durch den Schulserver gesperrt.

Einschätzung von Wikipedia-Artikeln und Website-Hitparade

Wie gut ist ein Wikipedia-Beitrag? Das ist für Schüler nicht so leicht zu beurteilen. Immerhin liefert erste Anhaltspunkte das Tool Wikibu, das „für den Schulunterricht gedacht“ ist, Artikel jedoch „nur nach statistischen Kriterien“ auswertet: Betrachtet werden die Anzahl der Besucher, Autoren und Verweise sowie die der Quellennachweise. Auch Diskussionen und Beanstandungen von Fehlern werden einbezogen.

Zum Abschluss der Unterrichtseinheit wenden die Schüler das Gelernte im Rahmen einer „Webseiten-Hitparade“ an: Dazu analysieren die Schüler in Gruppenarbeit eine von der Lehrkraft vorgegebene Liste von Webangeboten mithilfe ihrer Checkliste und vergeben Punkte. Die Arbeitsgruppen präsentieren Ihre Ergebnisse mit Begründungen zu der Sieger- und der Verliererseite und vergeben — ähnlich wie beim Grand Prix d’Eurovision — ihre Punkte (Klebepunkte auf einem großen Plakat).

Natürlich ist es bei einem so komplexen und schwierigen Thema wie „Webseiten beurteilen“ wichtig, dass es nicht bei einer einzelnen Unterrichtseinheit bleibt, sondern dass die Schüler immer wieder zu genauem Hinsehen angehalten werden. Um das zu gewährleisten, sollten sich Lehrer unterschiedlicher Fächer über Inhalte und Intervalle regelmäßiger Übungseinheiten verständigen.

Martina Niekrawietz

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