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Medienprojekte

Let’s talk about YouTube

Jugendliche lieben YouTube und nutzen es vielfältig. Umso mehr lohnt sich ein genauerer Blick auf den Kanal und seine Inhalte. Vier Unterrichtsprojekte helfen dabei, dass die Schüler sich kritisch mit dem Medium auseinandersetzen und Medienkompetenz entwickeln.

Medienprojekte: Let’s talk about YouTube Selbst Influencer auf YouTube werden — das fasziniert viele Jugendliche © Kaspars Grinvalds - stock.adobe.de

Wenn Sie Ihrer Klasse ein Unterrichtsprojekt zum Thema YouTube ankündigen, werden Sie vermutlich bei der Mehrzahl Ihrer Schüler auf offene Ohren treffen: Denn laut der repräsentativen Studie „Jugend/YouTube/Kulturelle Bildung“ aus dem Jahr 2019 wünschen sich 60 Prozent der 12- bis 19-Jährigen „eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema YouTube im Unterricht“ (ebd., S. 9).

Der „Rat für Kulturelle Bildung“, der die Befragung in Auftrag gegeben hat, leitet aus den Ergebnissen auch direkt Empfehlungen für „Schulen und Kulturinstitutionen“ ab (ebd., S. 7 ff.): Die Experten raten Lehrkräften, das „Bedürfnis der Jugendlichen auf[zu]greifen“ und „Raum für kritische Auseinandersetzung“ zu schaffen (ebd.).

Doch welche Themen sollten Sie dabei als Lehrkraft aufgreifen? Und wie können Sie Ihre Schüler für mögliche Risiken wie Manipulation, Geschäftemacherei und bewusste Fehlinformation sensibilisieren? Diese Fragen beantwortet die Unterrichtsbroschüre „Kosmos YouTube“.

Medienwissen + fertige Unterrichtsbausteine

Einen YouTube-Crashkurs für Lehrkräfte plus direkt übernehmbare Unterrichtskonzepte — mit diesem Mix liefern die drei Autorinnen der medienpädagogischen Initiativen „Handysektor“ und „klicksafe“ Lehrkräften alles, was sie für einen oder mehrere YouTube-Projekttage brauchen.

Zunächst informieren Franziska Hahn, Kim Beck und Stefanie Rack ausführlich über das Nutzungsverhalten der Schüler: 86 Prozent der Jugendlichen nutzen den Videokanal, der für die Kids „Leitmedium und digitaler Kulturort“ zugleich ist (vgl. dazu die oben verlinkte Studie des Rats für Kulturelle Bildung, S. 7). Für 63 Prozent der Jugendlichen ist YouTube sogar das „liebste Internetangebot“, wie die JIM-Studie 2018 an den Tag bringt (Grafiken als PDF, S. 27).

Safer Internetday 2020: Safe the Date!

Alljährlich startet die Initiative klicksafe ihren „Safer Internet Day“ mit vielfältigen Aktionen in allen Bundesländern. Auch in diesem Jahr sind „Schulen, Organisationen, Medien und Unternehmen“ wieder dazu aufgerufen, sich am 11. Februar 2020 „aktiv mit eigenen Projekten zu beteiligen“, schreiben die Autoren der klicksafe-Website. Hier finden Sie vielfältige Anregungen für innerschulische oder außerschulische Veranstaltungen. Und über das Anmeldeformular können Sie auch ihre eigenen Veranstaltungen für Interessierte in Ihrer Region bekannt machen.

Ganz oben im Ranking der Kids stehen Musikvideos, gefolgt von lustigen Clips und Comedy von YouTubern. Die Jungen sehen oft „Let’s-play-Videos“ über Computerspiele oder auch Sportvideos, während mehr als ein Viertel der Mädchen Mode- und Beauty-Videos bevorzugt. Wenn angesagte YouTube-Stars von ihrem Alltag erzählen, schauen Jungs und Mädchen gleichermaßen zu, während die aktuellen Nachrichten von YouTubern von 29 Prozent der Jungen, aber nur von 16 Prozent der Mädchen rezipiert werden. Und etwa 20 Prozent der Schüler führen sich „Erklärvideos für Themen aus der Schule“ zu Gemüte.

Risiken des YouTube-Konsums

Beim Blick auf das Nutzungsverhalten der Jugendlichen zeichnen sich auch schon einige Risiken ab, die im Unterricht kritisch reflektiert werden könnten. So ist zum Beispiel ein übermäßiger Medienkonsum aufgrund der „Sogwirkung“ von YouTube (Kosmos YouTube, S. 7 f.) sehr wahrscheinlich: Denn der YouTube-Algorithmus analysiert die Vorlieben der Nutzer und schlägt ihnen auf dieser Basis immer neue Videos vor, denen man sich kaum entziehen kann. Reißerische Überschriften oder der automatische Start des nächsten Videos erschweren es den Nutzern zusätzlich, einfach abzuschalten.

Zudem weckt YouTube Begehrlichkeiten, wenn angesagte YouTuber ihre „Shopping-Ausbeute“ (ebd., S. 16) vorstellen, deren Preise meist die Grenzen des jugendlichen Taschengeldbudgets übersteigen. „Produktmarketing ist mitunter“ die „größte Einkommensquelle“ für diese Influencer, weshalb auch der „uneingeschränkte Konsum (...) nicht hinterfragt bzw. sogar gezielt betrieben“ wird (ebd.). Verstärkt wird diese Problematik noch „durch Werbung und Produktplatzierung“ in den Videos der werbefinanzierten Unterhaltungsplattform YouTube.
Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis von „Kosmos YouTube“ (S. 3) offenbart weitere kritische Aspekte, die der Unterricht thematisieren könnte: Problematische Körperbilder, die Reproduktion von Geschlechterstereotypen, den Kontakt mit Verschwörungstheorien oder extremistischen Weltbildern oder auch „Hasskommentare und YouTube-Armeen“ (ebd.).

Vier spannende Unterrichtsprojekte

Die fertigen Unterrichtsmaterialien (Kosmos YouTube ab S. 24 ff.) eignen sich für Schüler ab Jahrgangsstufe 6 und verteilen sich auf insgesamt drei kurze (1 bis 2 Schulstunden) Projekte und einen 4- bis 6-stündigen Projekttag. Dabei bauen die vier Unterrichtskonzepte nicht aufeinander auf, sodass Sie bei der Abfolge völlig freie Hand haben.

Wie die eingangs verlinkte Studie des Rates für Kulturelle Bildung zeigt, widmen sich die Projekte genau den Themen, die Schüler besonders interessieren:

  1. Im Projekt „YouTube und du“ betrachten die Jugendlichen ihr eigenes Nutzungsverhalten. Sie vergleichen sich mit ihren Mitschülern hinsichtlich der Nutzungszeit und ihrer Interessen. Und Sie stellen in der Klasse ihren Lieblings-YouTube-Star vor.
  2. Das Projekt „Influencing you?!“fokussiert auf Verdienstmöglichkeiten bei YouTube und beleuchtet die finanziellen Interessen von YouTubern. Verschiedene Aspekte werden kritisch aufgegriffen, etwa die Mechanismen von Werbung und Produktplatzierung oder das von den Influencern vorgelebte, unreflektierte Konsumgebaren.
  3. Im Projekt „Ich will YouTube-Star werden!“ werden die Schüler selbst aktiv: Sie setzen sich mit dem Berufsbild YouTuber auseinander, indem sie einen eigenen Kanal planen. Thematisiert werden auch die Schattenseiten des Teenietraums: hohe Arbeitsbelastung und die Notwendigkeit, eigene Überzeugungen über Bord zu werfen, um Geld zu verdienen.
  4.  Am langen Projekttag produzieren die Schüler in Arbeitsgruppen ein eigenes Lernvideo „von maximal 3 Minuten Länge“ (ebd., S. 40). Genau wie die Profis gehen sie dabei in fünf Schritten vor: Themenwahl — Storyboard — Verteilung der Aufgaben im Team und Einarbeitung in den jeweiligen Job (Requisite, Sprecher, Kameraführung, Schnitt) — Realisierung — Präsentation vor der Klasse. Erst danach entscheiden die Schüler, ob das Video auf YouTube hochgeladen werden soll.

Anregungen für weiterführende Themen

Die umfassenden Hintergrundinformationen beleuchten viele weitere reflexionswürdige Aspekte von YouTube und liefern dazu auch Links und Hinweise zu weiterführenden Unterrichtsthemen mit Materialien. Das ermöglicht es Ihnen als Lehrkraft, flexibel auf mögliche Themenvorschläge Ihrer Schüler einzugehen bzw. bei den Projekten zusätzliche Schwerpunkte zu setzen. Im Folgenden dazu ein paar Beispiele.

  • Beim ersten Projekt zum Beispiel könnten die Kids bei einer Podiumsdiskussion darüber sprechen, wie viel Medienzeit zu viel ist. Oder sie recherchieren im Netz, mit welchen Apps sich Bildschirmzeiten kontrollieren lassen oder wie die Autoplay-Funktion von YouTube abgestellt werden kann u. v. m.
  • Influencer regen die Jugendlichen nicht nur zum Konsum an, sondern beeinflussen oft auch ihr politisches oder gesellschaftliches Handeln oder auch ihr Selbstbild. Hier bieten sich interessante Exkurse zu verwandten Themen an: Die Schüler könnten sich zum Beispiel mit dem sogenannten „Rezo-Effekt“ befassen (vgl. dazu „Kosmos YouTube“ S. 16). Der YouTuber hatte im Mai 2019 die Politik der CDU kritisiert und damit mutmaßlich das Wahlverhalten von Jungwählern maßgeblich beeinflusst.
  • Ein weiteres interessantes Thema sind Hasskommentare (ebd., S. 17) und die Möglichkeiten, dagegenzuhalten. Auch das Entlarven von Fake News in Videos kann praktisch geübt werden (vgl. dazu den unten verlinkten Beitrag „Fakten statt Fake-News“ hier im Lehrerbüro ).
  • Beim dritten Projekt erfahren die Schüler nicht nur, wie und womit YouTube-Stars ihr Geld verdienen, sondern auch, wo bei der Werbung auf YouTube die Grenzen des Erlaubten sind. Und sie werfen einen kritischen Blick hinter die Kulisse des schönen Scheins: zum Beispiel mit dem Video des YouTubers LeFloid über „fake happiness“ und „forced happiness“, oder mit dem FAZ-Artikel „Macht das Influencer-Dasein krank?“ (Links: ebd. auf S. 18).
  • Und beim vierten Projekt lernen die Schüler natürlich eine Menge über „gute Lernvideos“. — Für Sie als Lehrkraft eine gute Gelegenheit, um mit den Jugendlichen über die aus Ihrer Sicht empfehlenswerten Kanäle zu reden (vgl. dazu den unten verlinkten Beitrag „Mathe lernen mit YouTube“ ).

Martina Niekrawietz

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