Fach/Thema/Bereich wählen
Soziale Netzwerke

Privatheitskompetenz im Umgang mit Facebook trainieren

Facebook geht mit den Daten seiner Nutzer nicht gerade zimperlich um. Viele Schüler wissen das, nutzen aber trotzdem dieses weit verbreitete soziale Netzwerk. Wer dabei seine Privatsphäre so weit wie möglich schützen möchte, benötigt gute Tutorials und Lehrkräfte, die sich im Unterricht an die komplexe Materie wagen.

Soziale Netzwerke: Privatheitskompetenz im Umgang mit Facebook trainieren Sehr beliebt: Fotos über die sozialen Netzwerke zu verbreiten. Doch Vorsicht, was man damit preisgibt! © fabio ckarlie - Fotolia.com

Die meisten Jugendlichen nutzen das Internet und die sozialen Netzwerke inflationär und unbekümmert und schlucken dabei immer größere Kröten in Sachen Datenschutz: Der US-Konzern Facebook zum Beispiel änderte am 30. Januar 2015 seine Nutzungsbedingungen. Als Grund nannte das Unternehmen, es wolle seine „Datenbasis massiv ausweiten und auch besuchte Internetseiten und genutzte Apps auswerten“. (vgl. dazu: FAQs dazu auf tagesschau.de). Mit dem Einloggen nach dem 30. Januar stimmen die User den veränderten Konditionen automatisch zu.

Dieses „Friss-oder-stirb-Prinzip“ (RTL) empörte viele Jugendliche zwar, ihr Nutzungsverhalten änderte sich jedoch nicht. — Ein klarer Fall von „Privacy Paradox“: Dieser Begriff umschreibt das Phänomen, „dass die Nutzer den Schutz ihrer Privatsphäre zwar generell für wichtig halten, dies aber nicht unbedingt auf ihr Handeln übertragen“. (vgl. dazu den lesenswerten Beitrag „Privatsphäre im digitalen Zeitalter“ auf der Website der EU-Initiative klicksafe.de)

Blitzumfrage: Nutzungsverhalten der Schüler

Eine Unterrichtseinheit zum Thema soziale Netzwerke, Privatsphäre und Datenschutz könnte mit einer kurzen Umfrage beginnen: Wie viele Schüler nutzen Facebook? Wer glaubt, dass seine privaten Daten ohne Privatsphäre-Einstellungen sicher sind? Die Zahlen werden an der Tafel festgehalten.

Es folgt ein kurzes Unterrichtsgespräch über die Diskrepanz zwischen Wissen (fehlender Schutz der Privatsphäre) und Handeln (Nutzung von Facebook): Die typischen Argumente der Schüler (z. B.: „Ich habe doch nichts zu verbergen“ oder „Mit meinen Daten kann doch sowieso niemand etwas anfangen“ oder „Was soll schon passieren?“) schreibt die Lehrkraft ebenfalls an die Tafel.

Zweifelhafte Datenschutzpraktiken

Ein zweiminütiges Video des bekannten Videokünstlers Alexander Lehmann läutet die Erarbeitungsphase ein: „Willkommen bei facebook“ demonstriert die viel kritisierten Datenschutzpraktiken des sozialen Netzwerks auf ironische Weise: In der Art eines Werbespots erläutert ein Sprecher im Märchenonkelstil und mit einfachen Worten die knallharten Geschäftspraktiken des US-Konzerns. Die Schüler erfahren, wie Facebook den Datenschutz durch immer neue Änderungen immer weiter aufweicht und es dem User zunehmend erschwert, seine Daten zu schützen. Die ungeschminkte Begründung dafür: „Wenn du deine Daten nur mit deinen Freunden teilst, können wir sie nicht verkaufen. Um das zu ändern, haben wir grade wieder unsere Datenschutzrichtlinien verbessert. (…) Jetzt sind die meisten deiner Daten frei und endlich können wir unseren Partnern aus der Wirtschaft etwas bieten …“ Was folgt ist eine Werbeflut, „jeden Tag. Und das nicht nur auf Facebook, sondern auch per E-Mail, per Post oder auch am Telefon“. Wer das nicht möchte, hat angesichts eines undurchschaubaren Privatsphäreneinstellungsmenüs und ständig veränderter, komplexerer Datenschutzrichtlinien kaum eine Chance, sich zu wehren.

Bei dem darauf folgenden Unterrichtsgespräch oder in Partnerarbeit rekapitulieren die Schüler die Aussagen des Videos und halten die wichtigsten Ergebnisse fest.

Risiken durch fehlenden Datenschutz

Natürlich ist unerwünschte Werbung nur eine mögliche und nicht allzu gravierende Folge der Weitergabe persönlicher Daten an Dritte. Weitere Risiken unkontrollierter Weitergabe persönlicher Daten in sozialen Medien sollten an dieser Stelle zumindest kurz angesprochen bzw. — idealerweise! — wiederholt werden, wenn das Thema „Private Daten in den falschen Händen“ (ebenfalls hier auf Lehrerbuero.de) bereits behandelt wurde.

Zum Abschluss der Stunde demonstriert ein unterhaltsames Video noch einmal, wie gefährlich ein unbedachter Umgang mit dem Medium ist: Ein einziges falsch gesetztes Häkchen bei Facebook hat für die 17-jährige Maike katastrophale Folgen …

Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook

Ein Blick auf den 50(!)-seitigen Leitfaden „Sicher unterwegs in Facebook. — So schützt du deine Privatsphäre“ demonstriert anschaulich, wie kompliziert der Schutz persönlicher Daten tatsächlich ist. Hier wären Hilfsangebote für die Schüler unbedingt sinnvoll. Möglichweise können dafür versierte Mitschüler oder (IT-)Lehrer gewonnen werden, die die Jugendlichen dabei „coachen“, die eigenen Einstellungen so zu verändern, dass die Privatsphäre stärker geschützt ist.

Im Rahmen eines Projekttages „Schütze deine Daten bei Facebook“ könnte man mehrere themenbezogene Stationen einrichten, die zum Beispiel jeweils mit den neuesten Tutorials und entsprechenden Videos von klicksafe.de bestückt sind: mit „Facebook Chronik“, „Profilinformationen und Inhalte, die du teilst“ und „Freundeslisten“. — Wünschenswert wäre dann eigentlich, dass eine Station besonders viel Zulauf hat: „Deaktivieren und Löschen eines Kontos“.

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Neue Medien im Unterricht
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×